Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
645
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arrers oft die din den Au⸗ Thräne ent⸗ luthung nahe Grund dieſes eein Ende ſſen biederen

ge adzereiſen, Mappe unter verlaſſen, als der ſah, der enden Ein⸗ verſchrankten Maler unver- eres Antlit verxhunde den Stempel tückiſche Bos⸗ r Zug verbiſ⸗ eit mit der vielte ſeine lenweiſe zer⸗ ider von un⸗ einen grauen

fragte er il als dieſer an gfarrhaus de

Weges ge⸗ nbehaglichen, ci erwehren erbieten kön⸗

de, während ill eine Ant⸗ verdet ſagen, Steinbaufen tr Ihr det ühne Euch

genden all. htigt, von gegnete er⸗ iine und ſſ ffuczen, en Anſpruche in gellſcaft erung vefti

Vierte Holge.

Ein Lächeln bittren Hohns glitt über die hage⸗ ren Züge des fremden Mannes.Fürchtet Ihr auch ſchon den verpeſtenden Gifthauch meines Athems? höhnte er.Ich kann mir's denken, der Alte da un⸗ ten wird Euch ſein Klagelied geſungen haben; aber noch iſt nicht aller Tage Abend. Sagt ihm, ſein Kla⸗ gelied ſei noch nicht zu Ende!

Das Erſtaunen des Malers wuchs; die Ver⸗ muthung, daß er einen Geiſteskranken vor ſich habe, tauchte in ſeiner Seele auf.

Ich weiß nicht, was Ihr wollt, ſagte er ru⸗ big;ſeid ſo gut und gebt den Weg frei, ich habe Eile!

Eile! lachte der Fremde, und dieſes Lachen klang ſo heiſer und unheimlich, daß der Maler ent⸗ ſetzt zurückwich.Ich kann mir denken, wem dieſe Eile gilt; aber das ſage ich Euch, hütet Euch, das Mädchen zu kränken, ich würde Euch das Genick bre⸗ chen! Röschen ſteht unter meinem Schutz, das ver⸗ geßt nicht. Ich bin nicht der Lump, der ich zu ſein ſcheine; wenn ich Euch vor die Klinge fordere, dann ſeid Ihr verloren, denn einen beſſeren Fechter, als mich, hat Heidelberg niemals gehabt. Seht Euch vor; jedes harte Wort, welches Ihr dem Mädchen ſagt, jede Schmach, die Ihr dem unſchuldigen Kinde zu⸗ fügt, müßt Ihr theuer bezahlen. Jetzt mögt Ihr ge⸗ hen, ich habe Euch gewarnt!

Fartwig hatte ſich von ſeinem Erſtaunen noch nicht erholt, als er den Fremden ſchon oben auf der Zinne des gut erhaltenen Schloßthurmes ſah. Er ſtand dort und ſang, während er mit verſchränkten Armen in die Ferne hinausblickte, leiſe eine alte Volksweiſe für ſich hin. Der Maler wartete nicht

lab, ob es dem unheimlichen Geſellen gefallen werde,

das Geſpräch aus der Höhe fortzuſetzen; kopfſchüt⸗ telnd verließ er eilig die Ruine. Auf der Mitte des Weges begegnete er einem bejahrten Landmanne, der ihn, wie dies hier Sitte war, höflich grüßte. Hart⸗ wig konnte nicht unterlaſſen, dieſem Manne, deſſen offene ehrliche Züge ihm Vertrauen einflößten, ſeine Begegnung mit dem Tollhäusler mitzutheilen.

Herr, der iſt ſo wenig verrückt, wie Sie es ſind, erwiderte der Landmann mit bedeutſamem Kopfſchütteln.Haben Sie denn noch nie von des Herrn Pfarrers ungerathenem Sohne gehört? Das iſt ein ſchweres Herzeleid für den alten Herrn, und wenn wir es nicht ihm zu Liebe thäten, würden wir den Vagabund hier nicht dulden.

Dieſer Menſch iſt der Sohn des Pfarrers Schneider? fragte Hartwig beſtürzt.Der Bruder Röschens?

Ja, und wenn Röschen nicht im Pfarrhauſe

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wäre, dann hätte es vielleicht längſt ein Unglück ge⸗ geben, ſagte der Landmann, während er ſeine Pfeife anzündete.Er iſt ein wilder, gottvergeſſener Burſche,

und die alten Eltern haben keine Ruhe vor ihm.

Das weiß Gott, unſer Herr Pfarrer iſt nicht ſchuld daran; er hat Alles verſucht, ihn auf einen beſſeren Weg zu führen; aber es half nichts, den kann Nie⸗ mand mehr bändigen, ſeitdem er von Heidelberg wie⸗ der da iſt, wo er auch nichts getaugt hat.

Aber wovon lebt er denn? fragte der Maler.

Der alte Mann zuckte die Achſeln.Das weiß eben Niemand. Oft geht er auf vier Wochen fort, und wenn er dann wiederkommt, hat er die Taſchen voll Geld; dann wird gezecht und geſchlemmt, bis der Beutel wieder leer iſt, und nachher hospitirt er bei den Bauern. Er iſt ein wunderlicher Kauz; wenn er will, kann er Späße machen, daß man ſich krank lachen möchte, und das bringt ihm hier ein Mittag⸗ eſſen, dort ein Nachtlager ein.

Alſo das iſt die Urſache des geheimen Kum⸗ mers, welcher dieſe liebenswürdige Familie drückt? fragte ſich der junge Mann, als der Landmann ihn verlaſſen hatte.Armes Röschen, wie ſehr muß Deine reine, fromme Seele unter dieſem Drucke leiden!

Daß ſie zwiſchen dem Bruder und den Eltern vermittelte, konnte Hartwig nicht bezweifeln; die Dro⸗ hungen des Studenten, die von einer innigen Liebe zu ſeiner Schweſter zeugten, bewieſen es ihm. Auf der anderen Seite aber glaubte der Maler vermuthen zu müſſen, daß der Pfarrer nicht ſtreng genug dieſem Sohne gegenüber auftrete, und dieſe Vermuthung lag um ſo näher, als Hartwig die Milde und Gut⸗ herzigkeit des alten Herrn mit unverſöhnlicher Strenge, wie ſie bei dieſem Menſchen gehandhabt werden mußte, nicht vereinen konnte. Aber ein Räthſel blieb es ihm, daß das Kind dieſer frommen, biederen Leute, die doch gewiß in der Seele ihres Sohnes jeden gu⸗ ten Keim geweckt und genährt hatten, ſo tief geſun⸗ ken war. Gern hätte er dieſes Räthſel erforſcht, gerne der Familie ſeine Theilnahme bezeigt und ſie zu einem nochmaligen Verſuch, den ungerathenen Sohn auf den beſſeren Weg zurückzuführen, aufge⸗ muntert; aber ſein Zartgefühl verbot ihm, dieſe An⸗ gelegenheit zur Sprache zu bringen, die ihm von Sei⸗ ten der Familie bis jetzt verheimlicht worden war.

Als er in das Pfarrhaus zurückkehrte, fand er den alten Herrn in der Laube. Der Pfarrer lud ihn ein, Platz zu nehmen, und fragte ihn tbeilnehmend, ob er mit dem Reſultat ſeiner Ausflüge zufrieden ſei, und welcher Punkt ihm am beſten gefalle.

Das war eine Gelegenheit, welche Hartwig be⸗ nutzen konnte, ohne befürchten zu müſſen, daß man