Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
644
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den Frieden dieſer Familie zu hoch, als daß er ihn

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begleiten, ſo lehnte ſie dies unter irgend einem Vor⸗ wande ab, während ſie früher dieſe Bitte niemals abgeſchlagen hatte.

Das befremdete den jungen Mann um ſo mehr, als er ſich nicht bewußt war, jemals die Achtung vor ihr verletzt zu haben. Nur ein Grund konnte für dieſe kalte Zurückhaltung vorliegen, und je länger Hartwig darüber nachdachte, deſto klarer ward es ihm, daß nur dieſer Grund die plötzliche und uner⸗ klärliche Umwandlung hervorgerufen hatte. Röschen erwiderte ſeine Liebe nicht, ſie hatte in ſeinen Blicken geleſen, was ſeine Seele bewegte, und, um einer Er⸗ klärung vorzubeugen, um der unangenehmen Noth⸗ wendigkeit, dem jungen Manne einen Korb geben zu müſſen, enthoben zu ſein, ſich hinter das Bollwerk einer kalten, faſt verletzenden Gleichgültigkeit zurück⸗ gezogen.

Mancher Andere würde dieſes Bollwerk im Sturme genommen und auf eine entſcheidende Erklärung ge⸗ drungen haben. Hartwig wollte das nicht, er achtete

hätte trüben mögen, und entſchloß ſich, in den näch⸗ ſten Tagen abzureiſen; ein Vorwand ließ ſich ja leicht finden; aber den wahren Grund ſollte Röschen doch erfahren. Er hatte ihr es heute ſagen wollen und ſie deshalb gebeten, ihn zur Ruine zu begleiten, die er vor ſeiner Abreiſe noch zeichnen wollte; aber Rös⸗ chen war auch diesmal wieder ſo ſehr mit häuslichen Arbeiten beſchäftigt, daß ſie ſeine Bitte nicht erfüllen konnte.

So war denn Fartwig allein hinaufgewandert, und ſeinen düſteren Gedanken nachhangend, ſaß er oben im Geſtein; weder die romantiſche Schönheit des alten, verfallenen Schloſſes, noch die herrliche Landſchaft, die vor ſeinem Blicke lag, beachtend. Mappe und Stift lagen neben ihm auf der Stein⸗ bank, zum Arbeiten empfand er heute keine Luſt. Noch vor wenigen Tagen hatte er herrliche Luftſchlöſſer fuͤr die Zukunft gebaut; damals glaubte er in den tief⸗ blauen Augen Röschens die Erwiderung ſeiner Liebe zu leſen, und heute waren dieſe Luftſchlöſſer ſchon in Trümmer geſtürzt. Der Pfarrer und deſſen Gattin würden gewiß ihre Einwilligung zu dieſem Bunde gegeben haben; oft genug hatte der alte Mann dar⸗ auf angeſpielt; aber war es nun jener geheime Kum⸗ mer, deſſen Urſache Hartwig noch immer nicht ergrün⸗ den konnte, oder die Folge einer Unterredung mit Röschen über dieſen Punkt, den jungen Mann wollte bedünken, als ob auch die alten Leute nicht mehr ſo zutraulich und offenherzig ſeien, als ob auch ſie eine Störung ihres häuslichen Friedens befürchte⸗

Zeitung.

mißtrauiſches Auge zu ſcharf blickte; Thatſache aber war es, daß er auf der Stirne des Pfarrers oft die Furchen der Sorge und des Grams, und in den Au⸗ gen der Pfarrerin oft eine verſtohlene Thräne ent⸗ deckt hatte. Mußte ihm nicht die Vermuthung nahe treten, daß ſeine Liebe zu Röschen der Grund dieſes Kummers und dieſer Sorge ſei? Das ſollte ein Ende nehmen; nicht mit Undank wollte er dieſen biederen Menſchen lohnen.

Entſchloſſen, ſchon am nächſten Tage abzureiſen, erhob Hartwig ſich endlich, ſchob die Mappe unter den Arm und wollte eben die Ruine verlaſſen, als

ſchon beim erſten Anblick einen zurückſtoßenden Ein⸗ druck auf ihn machte. Er ſtand mit verſchränkten Armen an einer Säule und ſchien den Maler unver⸗ wandt beobachtet zu haben. Sein hageres Antlitz mit den tiefliegenden Augen, in denen die verzehrende

einer wüſten Vergangenheit. Haß und tückiſche Bos⸗ heit blitzten in ſeinen Augen, und jener Zug verbiſ⸗ ſener Menſchenſcheu, der die Zerfallenheit mit der Welt und dem eigenen Ich bekundet, umſpielte ſeine Lippen.

nennbarer Farbe, zerriſſene Stiefel und einen grauen Calabreſerhut.

Was habt Ihr hier verloren? fragte er in

ihm vorbeiſchreiten wollte. unten nicht Raum genug für Euch? Guter Freund, laßt mich meines Weges ge⸗

Gefühls in der Nähe dieſes Mannes nicht erwehren konnte.Ihr werdet mir doch nicht verbieten kön⸗ nen, daß ich

Keine Ausflüchte! rief der Fremde, während er raſch vor den Ausgang trat.Ich will eine Ant⸗ wort, die Hand und Fuß hat! Ihr werdet ſagen, daß Ihr gekommen um dieſen alten Steinhaufen zu zeichnen, gut;

um die Ruine zu kümmern?

Hartwig blickte überraſcht den Fragenden an. Und wenn ich dies that, mir darüber Auskunft zu fordern? entgegnete er. Seid Ihr vielleicht der Hüter dieſer Ruine und iſt es Euer Geſchäft, von denen, die ſie beſuchen, ein Trinkgeld zu verlangen, ſo macht Eure Anſprüche in höflicherem Tone geltend. Um Eurer Geſellſchaft le⸗ dig zu werden, will ich gerne Eure Forderung befrie⸗

ten. Möglich auch, daß Hartwig ſich irrte, daß ſein

digen.

barſchem verletzendem Tone den Maler, als dieſer an Hat das Pfarrhaus da

ſeid Ihr berechtigt, von

4

1

er ſich plötzlich einem Manne gegenüber ſah, der

Gluth der Leidenſchaften loderte, trug den Stempel 3

Er trug eine verſchoſſene, ſtellenweiſe zer⸗ riſſene Studentenpikeſche, weite Beinkleider von un⸗

hen, erwiderte Hartwig, der ſich eines unbehaglichen

weshalb aber habt Ihr dort länger als eine halbe Stunde geſeſſen, ohne Euch

Ei ren Zi ſchon! hähnte ten vir noch iſ gelied

d. muthur tauchte

big; Eile!

klang ſeßt 3 Eile g Maͤd chen! geßt ſchein ſeid nich, jedes jede fügt, hen,

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