Vierte Folge.
Welmford zu fahren und von dort eine Nadel mit Perlen zu holen, die er für Dich habe faſſen laſſen, Amy; da er aber gefunden habe, daß es zu ſpät ſei, ſei er direct nach Hauſe V gegangen und er habe beſchloſſen, den Expreßzug um 8 Uhr
Eure Trauung beſtimmt war, zurück zu ſein.“
„Wagt es irgend Jemand, an dieſer Angabe Zweifel zu hegen?“ fragte Amy ſtolz.
Eliphalet Bourne ſchüttelte ſein graues Haupt.
„Nur zu Viele, mein Kind. Die Geſchichte klingt zu unwahrſcheinlich und Welmford liegt an der directen Straße nach dem Seehafen.“
„Vater,“ fuhr das Mädchen fort,„welchen möglichen Grund könnte Tom May gehabt haben, um den alten Herrn Ryder zu ermorden?“
„Das kann Niemand ſagen; aber ſie können ſich unter⸗ wegs gezankt haben und in einem Anfall der Leidenſchaft—“
Morgens zu benutzen, um noch vor der Stunde, die für o
kam, r ker, ſehr blaſſer Mann mit grauem Haar und einem dicht zu⸗
gemacht
„Iſt Tom May der Mann, der mit dieſem armen Alten
einen Zank beginnen und ſich in einer ſo unverantwortlichen Weiſe ſeiner Hitze hingeben würde?“ fuhr ſie ruhig fort.
„Ich würde Nein geſagt haben, Amy, aber wir ſind nicht im Stande, alle Geheimniſſe des menſchlichen Herzens zu leſen.“
druhig
9.
ch kann Alles
Tag,“ wiederholte Amy.„O, das iſt ſicher irgend ein ſchrecklicher Traum, aus dem wir Alle, ehe lange Zeit ver⸗ geht, erwachen werden— ein dunkles Geheimniß, zu dem Gottes Hand den Schlüſſel hat.“
„Mein Kind, ich wünſchte, ich könnte Dich tröſten— es iſt aber nur zu ſehr zu fürchten, daß Tom May die That verübt hat.“
Indem er ſo ſprach, ſprang er auf Amy zn, denn ſie wurde ohnmächtig, während die weißen Roſen noch immer in
der alte Mann,
ik Tom Maß,
als verwittwet. ** *+ „ Ich wußte, Du würdeſt nie mich für ſchuldig halten, Amy.“ 4 „Nie, nicht für einen Augenblick, Tom!“ ſagte das Mädchen ſtolz. Er lächelte und drückte zärtlich ihre⸗Hand. „Aber ach, Tom, zu denken, daß Du für Dein ganzes
Verbrecher!“ ſagte ſie mit einem Seufzer, während ſie zu⸗ ſammen ſchauderte.
Amy!“ „Das Geſetz iſt ungerecht,— grauſam. Ich begreife nicht, Tom, wie Du dabei ſo gefaßt ſein kannſt!“
liebe Amy,“ ſagte er ruhig. niß, aber ich weiß, früher oder ſpäter muß und wird es ſich aufklären; wenn nicht in dieſer, doch in jener Welt.“
Amy brach in Thränen aus, obſchon ſie ſich vorgenom⸗ men hatte, in der kurzen Unterredung mit ihm, die man ihr
rung desſelben geſtattet hatte, recht ruhig und muthig zu ſein. „Und in der Zwiſchenzeit ſind Dein Leben— Deine Zukunft— Deine Hoffnungen geopfert! O Tom, das wird mein Herz brechen!“ Ihre Lippen zitterten, obgleich ſie zu lächeln verſuchte. „Nein, Amy, Gott wird Dir die Kraft geben, es zu er⸗ tragen. Was mich anbetrifft, ſo kann ich nie ganz elend
nach der Fällung des Urtheilsſpruches und vor der Ausfüh⸗
„Er iſt unſchuldig, Vater,— ſo unſchuldig wie der
ihren braunen Haarflechten waren— eine Braut, ſchlimmer
werden, ſo lange ich neben dem Bewuß
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ßtſein meiner gänzlichen icher bin.“
d
Unſchuld
„‚Aber Tom—
tſ Deiner vertrauenden Liebe ſich
4
Ihre Stimme verſagte ihr und ihr Abſchied erfolgte ohne ein Wort. Als ſie die ſteinerne Treppe vor dem Gefängniß herab⸗
hm Blake Allen Platz an ihrer Seite,— ein ſchlan⸗
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ſammengepreßten Mund, der zur Hälfte unter einem röthli⸗ chen Schnauzbarte verſteckt war.
„Sie haben dem unglücklichen Verbrecher einen Beſuch „Miß Bourne?“
„Ich habe einen unſchuldigen Mann beſucht, Herr Allen.“
Er erhob ſeine Augenbrauen.
„Nach Ihrem Belieben— aber Sie werden mir das Vergnügen erlauben, mit Ihnen nach Hauſe zu gehen.“
Amy Bourne drehte ſich mit einer Miene ärgerlicher Verachtung nach ihm um.
„Ich dachte, Herr Allen, daß ich Ihnen bereits zu ver⸗ ſtehen gegeben hätte, wie höchſt unangenehm mir Ihre Auf— merkſamkeiten gegen meine Perſon ſind!“
„Amy,“ fuhr er fort,„Sie wieſen mich früher einmal zurück. Jetzt, wo Sie ganz frei ſind—“
„Ich bin nicht frei!“
„Verweigert Herr May, Sie von Ihrem Verſprechen, ſeine Gattin zu werden, zu entbinden?“
„Ich wünſche gar nicht, davon entbunden zu werden. Ich liebe und ehre ihn in dieſem Augenblick mehr als je!“
„Miß Bourne!“ 1
Sie kehrte ſich ärgerlich um und ging ſchnell die Straße hinab, während Blake Allen mit einem böſen Blick in ſeinen kalten grauen Augen hinter ihr her ſah.
** *.
Die Sonne ſtand am weſtlichen Horizont ihrem Unter⸗ gang nahe, als Amy Bourne an die einſame Stelle an der Ceder⸗Thalſchlucht kam, wo der Mord begangen worden war — eine Stelle, vor der ſie ſeit jenem Ereigniſſe nie vorüber gegangen war, ohne einen Schauder zu fühlen. Jetzt ſetzte ſie ſich, krank und herzensmüde, auf demſelben grünen Ab⸗
hange nieder, an dem ſich die Hand des ſterbenden Mannes / 7
41„ Set 11, e u aoes in ſeiner Todesangſt feſtgeklammert hatte, wie ſi s bei Leben zu harter Strafarbeit verurtheilt biſt, wie ein gemeiner ſeiner Tadesangſt feſtze ert Ne e ſich do
der Unterſuchung aus dem Mooſe herausſtellte, das an den
blutigen Fingern hing.
„In den Augen des Geſetzes gelte ich als ein ſolcher,
„Könnte nur die mit Blut befleckte Erde eine Zunge finden, um zu ſprechen!“ dachte ſie in ihrer wild umher⸗ ſchwärmenden Einbildungskraft.„Könnten die Fichten nur mit ihren rächenden Fingern auf den Mann deuten, der den
7 2. 1.„ T ord ge at! Sicher ird Hi „Weil das Bewußtſein meiner Unſchuld mich unterſtützt, Mord begangen hat! Sicher wird der Himmel nicht dulden,
„Es iſt ein ſeltſames Geheim⸗
1
daß der Unſchuldige ungerecht leidet Als ſie ihren Fuß unbewußt mit nervöſer Kraft be⸗
wegte, riß ſich ein kleiner Stein, halb ſo groß wie die Hand
eines Mannes, von ſeinem mooſigen Lager los und rollte den . 9 g
Abhang hinab. Amy Bourne's Augen folgten der Bewe⸗ g hj) g g
gung desſelben mechaniſch, doch im nächſten Augenblick ſprang
ſie mit einem ſchwachen Ausruf des Erſtaunens raſch auf.
Der Strahl der Abendſonne wurde ſchwach von einem kleinen Stück beſchmutzten Metalls zurückgeworfen, das zwi⸗ ſchen dem Steine und ſeinem mooſigen Lager verborgen ge⸗ weſen war, und Amy ſah, daß es ein dunkel beflecktes, längli⸗ ches Glied von einer goldnen Kette war.
„Es iſt ein Stück von Blake Allen's goldner Uhrketteil“ murmelte ſie, während ſie ihre Hand gegen ihren klopfenden


