Novellen⸗
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Zeitung.
Zeuilleton.
Der Mord in der Ceder⸗Thalſchlucht. Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann.
„Lebewohl, Amy! Erinnere Dich, daß Du nicht vor morgen früh wie ein Irrlicht verſchwinden oder gleich einem Kranz von Morgenthau Dich in Dunſt auflöſen darfſt! Ich kann noch immer nicht glauben, daß mir ein ſo großes Glück wirklich vorbehalten ſein ſoll!“
Die blauen Augen Amy Bourne's ſenkten ſich unter dem glänzenden heißen Blicke ihres Bräutigams; aber in dem Lächeln, das ſich über ihre Lippen verbreitete, gab ſie eine ſtumme Antwort.
„Komm, ich dachte, auf einem Theile meines Weges nach Hauſe Geſellſchaft zu haben,“ ſagte der alte Oheim Ryder in guter Laune.„Willſt Du die ganze Nacht hier ſtehen bleiben und die Hand der kleinen Amy halten, Tom May?“
Tom lächelte und li
„Nochmals lebewoh Ryder, ich bin bereit.“
Amy ſtand einen Augenblick und blickte mit träumeri⸗ ſchen, lächelnden Augen in das glänzende Feuer, das der Far⸗ mer Bourne an den kalten Septemberabenden zu unterhalten pflegte, und dann ging ſie in ein anderes Zimmer.
„Wohin gehſt Du, liebes Kind?“ fragte ihre Mutter.
„O, ich will blos nach dem Roſenſtocke ſehen, liebe Mut⸗
nter. Sieh, es ſind an demſelben ſieben weiße Roſen und drei Knospen— gerade genug, um davon mit den grünen Blättern, die hinein geflochten werden, einen ſchönen Kranz zu machen.“ 1
„Vollkommen genug— und ich nenne das providentiell,“ ſagte Frau Bourne.„Dieſer Kranz wird viel hübſcher ſein
das liebe Händchen fahren.
ß !“ ſagte er.„Kommen Sie, Herr
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als irgend ein von künſtlichen Blumen gemachter und iſt ganz dazu geeignet, um die roſigen Wangen meines kleinen
Mädchens noch mehr hervorzuheben.“
„O Mutter!“ ſtammelte Amy, die ihr Geſicht an der Schulter ihrer Mutter verbarg,„es ſcheint mir ſo ſeltſam, daß ich mich morgen verheirathen und meine theure alte Hei⸗ math verlaſſen ſoll.“
„SSeltſam! nicht im Mindeſten,“ ſagte die Mutter, welche ſchnell die Thränen, die ihre Augen verdunkelten, weg⸗ wiſchte.„Das iſt vollkommen recht und natürlich. nicht, mein Liebling— was meinſt Du wohl, was Tom dazu ſagen würde, wenn er Dich weinen ſähe?“
Nichts deſtoweniger vergoß Amy Thränen— aber es waren keine Zähren, welche das Unglück den Augen entpreßt.
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Am folgenden Herbſt⸗Morgen ſtrömten die erwärmen⸗ ten Strahlen der Sonne in das niedrige Gemach der Woh⸗ nung des Farmers, in dem Amy⸗Bourne ſich in ihrem wei⸗ ßen Brautkleide und ihr ſchönes Haar mit dem Kranze von weißen Roſen verziert befand, während ſich in ihren blauen Augen das Glück ausſprach, dem entgegen zu ſehen ſie voll⸗ kommen Grund hatte. Sie ſah wie ein ſchönes, zartes in einem Rahmen von Sonnenſtrahlen eingefaßtes Gemälde aus und ſo erſchien ſie auch der auf ſie ſtolzen Mutter, welche mit einer liebkoſenden Hand die Falten des ſchneeigen Mus⸗ lins zu glätten ſuchte.
Weine
einen Augenblick, daß ich Dir dieſe Knospen ein wenig höher befeſtigen kann. Aber nimm Dich in Acht; dieſes plötzliche Zuſammenfahren verrückt die ſchönſte Roſe.“
„Ich hörte Jemanden an der Thür, Mutter,“ ſtammelte Amy, die plötzlich erblaßte.
„Unſinn, liebes Kind— es fehlt noch eine volle halbe Stunde an der Zeit. Biſt Du es, Vater? Komm herein und ſieh, ob unſre Amy nicht wie eine weiße Roſe ausſieht?“
über die Thürſchwelle ins Zimmer eintrat, bedeckte Amy's Geſicht ſich mit einer Todtenbläſſe.
„Vater! was giebt es? O Vater, ſehn Sie mich nicht mit einem ſolchen Blick an!“
„Lege dieſe weißen Sachen weg, Amy! O meine Toch⸗ ter, Du wirſt ſie nunmehr nie brauchen!“
Frau Bourne ſank mit einem hyſteriſchen Schrei auf einen Seſſel nieder, aber Amy ſtand bewegungslos und ruhig.
„Iſt er todt, Vater? Sage es mir— ich kann Alles ertragen!“
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„O, wollte doch Gott, daß er es wäre! Er hat eine Todſünde
begangen, Tochter; er iſt als Mörder des alten John Ryder verhaftet.“ Die Farbe kehrte bei dieſen Worten auf Amy's Wan⸗ gen zurück und ihre Lippen bewegten ſich von dem Gefühl des Unwillens.
„Vater, können Sie nur einen Augenblick Tom May,
meinen Tom, einer ſolchen That für fähig halten?“ „Ich glaube es nicht, Amy,“ wehklagte der Vater.„Ich ſträubte mich gegen dieſe Erzählungen, ſo lange nur no ein Strahl des Zweifels möglich war; aber die Gewißheit iſt nur allzu niederſchmetternd. Er verließ geſtern Abend unſer Haus mit dem armen alten Manne; verſchiedene Perſonen haben geſehen, daß er in Geſellſchaft mit Ryder den Weg V nach der Ceder⸗Thalſchlucht einſchlug. Um elf Uhr ſah man
ſie noch beiſammen; halb zwölf Uhr fand Blake Allen den alten Mann auf der einſamen Stelle, wo der Weg in die Schlucht hineinführt, ermordet.“ V Amy fuhr ſchaudernd zuſammen.
„Blake Allen iſt mein Unglücksfatum,“ murmelte ſie
kaum hörbar. „Du biſt ungerecht, Tochter,“ ſagte Herr Bourne vor⸗ wurfsvoll.„Er war nur unfreiwillig das Werkzeug, deſſen ſich die vergeltende Hand der Vorſehung bediente. Ich habe Dir aber noch nicht die andern Umſtände erzählt, welche die ganze Sache in den ſchwärzeſten Farben erſcheinen laſſen.
Dieſen Morgen— bedenke wohl am Morgen ſeines Hoch⸗ zeittages, wo Du ſicher vermutheſt, er werde zu Hauſe blei⸗
ben— iſt er in das Welmford⸗Depot gegangen und hat ſich ein Billet für den Expreßzug um 8 Uhr gekauft. Amy, ſieht das nicht ganz ſo aus wie der ſchuldige Inſtinet der Flucht?“
„Er iſt unſchuldig,“ ſagte ſie mit Feſtigkeit.„Ich will mein Leben für ſeine Unſchuld verpfänden!“
„Er ſagt zu ſeiner eignen Rechtfertigung,“ fuhr Bourne fort,„daß er ſich an dem Kreuzwege kurz vor jener Stelle in der Abſicht von Ryder trennte, mit dem Nachtzuge nach
„Jetzt biſt Du vollkommen fertig, mein Liebling; warte
Als Eliphalet Bourne mit einem langſamen Schritt
Der alte Mann faltete ſeine Hände über ſeinen Augen.
„Nicht todt,— nicht todt!“ klagte der alte Mann.
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