Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
633
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Vierle Folge.

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von Nemmersdorf ſchon zwei andere Romane Unter ſprachen an die Leſer, eine alte Manier, dem Publi⸗

den Ruinen⸗ und ⸗Moderne Geſellſchaft» verfaßt hat.

Beide erregten Aufmerkſamkeit und fanden beim gebildeten Publicum ungefähr ſo viel Anklang, als ſie verdienten. Vorzüglich der zuletzt genannte Ro⸗ man, der in Münchens jüngſter Vergangenheit ſpielte, trat ſo aus dem Niveau des alltäglichen blaſirten Geſchwätzes hervor, daß es gerecht ſchien, das Werk in unſeren Blättern als einen ſtrebſamen und in vie⸗ len Beziehungen nicht unglücklichen Verſuch empfeh⸗ lend zu erwähnen. Es war darin oft mit treffenden Linien das Treiben der modernen Geſellſchaft gezeich⸗ net und viele Perſönlichkeiten traten lebendig in den Vordergrund.

Jetzt hat die Verfaſſerin unter dem TitelDoge und Papſt» ſich an einen ausdrücklich hiſtoriſchen Ge genſtand gemacht.

Sie ſchildert den Conflict, in den Venedig Jur Zeit Heinrich's IV. unter ſeinem Dogen Leonardo Donè mit Camillo Borgheſe, dem Papſt Paul V., gerieth; eine heftige Reibung, bei welcher ſich viele hervorra⸗ gende Perſönlichkeiten, wie Sarpi, Goſſi und Andere, betheiligten.

Es fällt mir gar nicht ein, behaupten zu wollen, daß die Verfaſſerin dieſe hiſtoriſch ſehr wichtige, aus⸗ giebige und intereſſante Zeit in einer der Bedeutſam⸗ keit derſelben irgend ebenbürtigen Weiſe behandelt hätte. Dazu fehlte es ihr neben poſitiven Eigen⸗ ſchaften des Talentes an mancherlei Detailkenntniſſen, ſo wie an der Reſignation, von vielen willkürlichen

Aenderungen der Geſchichte zurückzuſtehn und vor

Allem den Geiſt der Wirklichkeit treu und von freien, anders gefärbten Erfindungen unvermiſcht aufrecht zu erhalten. Dies iſt überhaupt ein Reſultat, welches in neueſter Zeit ſelten erſtrebt und noch viel ſeltener erreicht wurde.

Aber die Verfaſſerin erfreut durch mehrere recht hervorſtechende Eigenſchaften, die ſich namentlich bei ſo⸗ genannten hiſtoriſchen Erzählungen gut verintereſſiren.

Ohne einen völlig correcten und im höheren Sinne lobenswerthen Styl zu ſchreiben, hat ſie den Ausdruck der verſchiedenen Arten der Darſtellung mit

Geſchick in ihrer Gewalt. Ihre Rede iſt kurz, knapp,

bündig, ohne Phraſen und ohne ſchöngeiſtige Koket⸗ Der Dialog hat etwas Schlagendes, Anre⸗ gendes, iſt dabei keineswegs unnatürlich und nicht ſelten treten darin recht hübſche Vergleiche, Beobach⸗ tungen, ja zuweilen ſogar Gedanken hervor. Nichts⸗

jagende Plauderhaftigkeiten, die an eine Frau erin⸗

nern, fallen nicht auf. Auch vermißt man mit Vergnügen die jetzt wieder ſo ſehr üblich gewordenen faden An⸗

cum durch ſchmeichelhafte Einſchiebſel nahe zu treten, wie man ein ſolches Verfahren ſelbſt bei großen eng⸗ liſchen Romanſchriftſtellern, z. B. bei Thackeray, findet.

Die Reizenſtein ſchildert ſehr plaſtiſch, ſowohl Scenen als Perſönlichkeiten; es ſteht jede Handlung figürlich da und es kommt ihr dabei ſehr zu gut, daß ſie ſich viel in der Welt bewegt zu haben ſcheint und die Umgangsformen der feineren Geſellſchaft wirklich kennt. Auch war ſie erſichtlich längere Zeit in Ita⸗ lien, denn ihre Beſchreibungen dortiger Terrains ſind ſchwerlich aus Büchern genommen, ſondern mit eige⸗ nen Augen wahrgenommen.

Mit den einzelnen Daten der Geſchichte und Culturgeſchichte hat ſie ſich wenigſtens ebenſo vertraut

gemacht, wie die beſten ihrer literariſchen Gefährtin⸗

nen; ich finde aber, daß ſie, einzelne bei Allen reich⸗ lich vorkommende Verſtöße abgerechnet, die realen hiſtoriſchen Vorgänge, Zeitſitten, Coſtume und Ge⸗ bräuche beſſer darſtellt, als z. B. die ſchon erwähnte Louiſe Mühlbach; auch ihre Charakterzeichnung, wenn man dieſes ſchwerwiegende Wort überhaupt bei den meiſten modernen Romanen gebrauchen darf, iſt talent⸗ voller und ihre Schreibweiſe viel gewiſſenhafter.

Einen keineswegs angenehmen Eindruck wird es immer machen, wenn Frauen in den Fall kommen oder ſich in den Fall bringen, Liebesſcenen ſinnlicher Natur zu ſchildern. Sie haben das Unglück, wie es ſich ſchon bei der Mühlbach in ſtarker Weiſe oftmals geltend machte, hier in den Entſchleierungen leicht weiter als die Männer zu gehen und eine Kühnheit zu entwickeln, die an Heinſe's Großthaten auf dem Felde Amors anſtreift. An den Conſequenzen des hieraus entſtehenden Eindrucks leidet die Verfaſſerin auch und litt ſchon daran bei vielen ſtarken Momen⸗ ten ihrer Modernen Geſellſchaft⸗. Uebrigens iſt von andern weiblichen Federn bewieſen worden, daß ſolche Situation mit Vortheil für die Geſammtdarſtellung gemieden werden könne, und es würde dieſe Zaghaf⸗ tigkeit für Alle ſehr zu empfehlen ſein.

Als Unterhaltungslectüre betrachtet, an die man keine ſtrengen Anforderungen zu ſtellen gewohnt iſt, erfüllen die Schriften der Reizenſtein ihren Zweck ſehr paſſend, und beſonders verdient, in Vergleich mit ſo vielen höchſt oberflächlich gearbeiteten hiſtoriſchen Ro⸗ manen und Novellen, Papſt und Doges den größe⸗ ren Leſerkreiſen auch ſchon deswegen empfohlen zu werden, weil ſie in der That dadurch ein feſſelndes Stück Geſchichte kennen lernen, und zwar ohne das Opfer, welches ſie ſo ſehr ſcheuen: die Anſtrengung ihres Geiſtes.