Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
632
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Und ſieht des Sängers Heldenwuchs, Sieht ſeiner zarten Liebe Augen; Gedenkt jetzt ihres Herzenszugs,

Und will nicht mehr zum Beten taugen.

Und ſiehe, ihr Gewiſſen fragt,

Ob ſie dem Sänger Unrecht thue; Und ihr Gemüthe weint und klagt, Und läßt ihr nun und nimmer Ruhe.

Und ſieh', es quält ſie fürchterlich, Und wollte ſchier das Herz zerſtechen, Da aus dem Kloſter ſie entwich, Dem Herzenstriebe Bahn zu brechen.

Den Sänger ſucht ſie weit und breit, Und ziehet weit durch viele Lande; Thut an ein einfach ſchlichtes Kleid, Nicht wie ein Weib von hohem Stande.

Doch war ihr Herz ſo voll von Lieb', Das macht ſie wonniglich zu Muthe, Und war es, was ſie vorwärts trieb, So daß ſie nun und nimmer ruhte.

Nicht ruhte, bis dem Sänger ſie Tief in die Augen konnte ſchauen, Und ſo des Sängers Herz verzieh', Durch ſüßer Blicke Zuvertrauen.

Und ſie umſchlang ihn innig heiß, Griff in der Laute zarte Saiten; Sang von der Liebe höchſtem Preis, Um liebevoll ihn heimzuleiten.

Ach, niemals Stolz und niemals Groll Hätt' je des Sängers Sinn beſeelet; Sein Herz war dauernd liebevoll, Ob auch Erwid'rung ihm gefehlet.

Und ſieh', er ſang ſein ſchönſtes Lied, Das Gott ihm je geoffenbaret,

Und ſeiner Worte Klang verrieth, Daß er die Liebe ſich bewahret.

Und als zur Heimath ſie geeilt,

Hielt ſie das höchſte Glück umſchlungen; Ward auch das Erbe nun getheilt, War doch des Herzens Qual geheilt, Und Liebe war zum Sieg gedrungen.

Wohl ehrten ſie des Grafen Wort, Doch was Natur in's Herz gegraben. Das predigt kein Gewiſſen fort,

Ob auch Bezwingungskraft wir haben!

Novellen⸗Zeitung.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Doge und Papſt. Hiſtoriſcher Roman von Franz v. Nemmersdorf. Breslau, Verlag von Eduard Trewendt. 1865.

benden Frauen nur wenige wahrnehmen, die ſelbſt Demjenigen eine erträgliche Lectüre bieten, der ohne höhere Zwecke nur auf Unterhaltung ſieht und dane⸗ ben höchſtens etwas Correctheit und Vorſtudium er⸗ wartet.

Wie ſollte man auch verlangen dürfen, daß die⸗ ſelben von dem gewöhnlichen Treiben unſerer Erzähler eine Ausnahme bilden! Sie ſchließen ſich der allge⸗ meinen auch von den männlichen Autoren eingehalte⸗ nen Manier an, die darin beſteht, möglich raſch mit ihren Gegenſtänden fertig zu werden und ſich zumeiſt Stoffe auszuſuchen, die eine materielle abenteuerliche Färbung haben. Selten nur gehören ſie dem Pri⸗ vatleben, alſo dem Gebiete idealer Erfindung an; die hiſtoriſchen Vorgänge üben eine beſondere Anziehungs⸗ kraft auf die modernen Romanſchriftſteller aus. Es wird ihrer Phantaſie leichter, die von der Geſchichte vorgezeichneten Figuren bunt zu coloriren.

Die weiblichen Federn haben ſich darin eine ganz

nahe lag, da ihnen von Berlin aus eine unterneh⸗

liche Corpsführerin voranſchritt. türlich, daß ſie ſich die Leichtfertigkeit der Arbeit und

jener Genoſſin aneigneten. Sehr zurück ſtanden aber die meiſten in ihren geſchichtlichen Kenntniſſen. Der Geübtere hat die Erfahrungen ſeines langjährigen Veteranenthums zur Seite, ferner unterſtützt ihn ganz von ſelbſt der kleine Fond von Wiſſen, den er ſich durch inſtructive Lectüre, Vorſtudium genannt, nach und nach dilettantiſch angeeignet hat.

Im Verhältniß zur früheren Zeit exiſtiren jetzt

leicht verſtändlich und ſehr genießbar geſchriebene Ge⸗ ſchichtswerke, die von den Novelliſten als Fundgrube

wöhnlichen Zwecke ganz unnöthig machen.

lich täglich paſſirt, wieder einen neuen Jünger gefun⸗ den. Doch die in Rede ſtehende Kraft iſt nicht, wie die meiſten, vollſtändig unbedeutender Art, ſondern

Es iſt die in München lebende Schriftſtellerin von Rei⸗

In der That werden Sie unter den jetzt ſchrei⸗

beſondere Bravour angeeignet, was ihnen doppelt

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die effectſuchend draſtiſche Bauart der Romane von

Der hiſtoriſche Roman hat nun, was ihm frei⸗ 3

gehört in der That zu den begabteren Erſcheinungen.

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benutzt werden können und ein Zurückgehen zu den wirklichen Quellen der gelehrten Chronik für ihre uat

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