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Mehl thut das keinen Schaden. Uebrigens ſoll der Burſche Arznei für meine kranke Schwiegermutter ho⸗ len, das kann mein Junge nicht, der muß bei Pfer⸗ den und Geſchirr bleiben Der Burſche fährt mit und damit Baſta! Marſch, Jakob, auf den Wagen!“ Sie half jetzt Hedwig ſelbſt auf den Wagen. Die Soldaten ſchwiegen ſtill und ließen die Müllerin ge⸗ währen. Als Hedwig oben war, rief die Müllerin ihr noch zu:„Jakob, nimm die Arzneigläſer in Acht, daß keines zerbrochen wird, und nun, Junge, fahre zu!“
Mit einem Blick auf die Müllerin wiſchte ſich Hedwig eine Thräne des Dankes aus den Augen, und fort gingen die Wagen durch's Dorf aufwärts auf die Straße. So kam Hedwig, außer einigen Neckereien von vorüberziehenden Soldaten, glücklich auf dem Markte in Rudolſtadt an, ſtieg ab und eilte in die Apotheke, wo ſie mit Staunen, aber auch freu⸗ dig und voll Mitleid empfangen wurde.—
Den 8. Juni 1640, am nämlichen Tage, wo Joſeph und Hedwig getrennt wurden, ſtarb auf dem rothen Berge bei Saalfeld in einem Zelte die Ge⸗ mahlin des Feldmarſchalls Banner, geborene Gräfin von Erbach. Dies Ereigniß wurde im Lager der Schweden wie ein unglückbringender Bote betrachtet. Wahrhafte Trauer ging durch's ganze Heer. Allge⸗ mein geehrt und geachtet, weinten die Soldaten um die hohe Frau, die durch ihre Sanftmuth und Güte manche harte Seite des Kriegerlebens gemildert hatte. Der Eindruck, den der Tod ſeiner Gemahlin auf den Feldmarſchall machte, war um ſo tiefer, weil er ſich die Schuld beimaß, durch Ueberredung ſeine Gattin beſtimmt zu haben, dem Lagerleben beizuwohnen. In ſeinem tiefen Schmerze vergaß er Feinde und Bela⸗ gerung, befahl den Rückzug der Armee und brachte die hohe Leiche ſelbſt in die Gruft ihrer Ahnen nach Erfurt.
Ueber die Aufhebung der Belagerung von den Schweden war man im kaiſerlichen Lager überraſcht und erſtaunt, aber auch erfreut, ſich endlich aus die⸗ ſer mit jedem Tage gefährlicher werdenden Lage be⸗ freit zu ſehen. Nach glaubwürdigen Nachrichten hätte es nur noch kurzer Zeit bedurft, um die Kaiſerlichen zu zwingen, entweder zu capituliren oder ſich wie eine geſchlagene Armee über den Wald zurückziehen zu müſſen, wo ihnen noch von vielen Seiten die größte Gefahr drohte. Vom 14. bis 16. Juni ver⸗ ließen ſie Saalfeld, marſchirten über Schmalenbuche, Steinhaide nach Eisfeld und Hildburghauſen und vereinigten ſich dort mit den Baiern. Die Belage⸗ rung hatte volle ſechs Wochen gedauert und Saalfeld und Umgegend 90,000 Kriegsleute ernähren müſſen.
Novellen⸗Zeitung.
Plünderung, Brand und Mord bezeichneten jeden Schritt.
Nun müſſen wir aber um einige Tage zurück⸗ greifen, und uns an das Krankenlager Joſeph's ver⸗ ſetzen.
Das Katarrhalfieber hatte ſeine kräftige Natur bald beſeitigt; die Schußwunde war, wenn auch nicht gänzlich geheilt, doch außer Gefahr, und der Arm brauchte nur die Binde um der Ruhe willen. Die Schweden waren abgezogen, ohne ſich weiter um den Gefangenen zu bekümmern, und ſofort trat Joſeph,
nachdem er erfahren hatte, daß auch die Kaiſerlichen
abmarſchirt wären, ſeine kleine Wanderung gegen Abend mit ſorgenvollem Herzen nach Saalfeld an.
Als er auf die Mitte der Brücke kam, wo er im vo⸗
rigen Jahre geruht hatte, tauchten alle Bilder des Vergangenen wieder in ihm auf. Wie viel Freude war ihm ſeit dieſer Zeit geworden und mit welchem trauererfüllten Herzen zog er wieder ein! Dabei ſchweifte ſein Blick unwillkürlich über die Fläche der Saale mit dem Gedanken hin:„Wenn du nur mein Liebſtes nicht begraben haſt!“ Er eilte, ſo raſch er konnte, ſeiner Wohnung zu, fand dieſelbe erbrochen
und Manches ruinirt, jedoch ohne gänzliche Plünde⸗ 1
rung. Die Geſellen, die auch ſchon im Hauſe wa⸗ ren, ſtürzten mit Jubel und Freude ins Zimmer und begrüßten ihren Herrn und Meiſter.
Munde kam auch zugleich die Frage:„Wo iſt Hedwig?“
„Daran zerſchellt für jetzt alle meine Freude,“
ſagte ernſt Joſeph.„Wo ſie iſt— weiß i Daß ich ſie wiederfinde, ſicht!“ Und nun erzählte er ihnen die letzten Ereig⸗ niſſe ihrer Flucht bis zum Moment, wo er gezwun⸗
gen war, das Floß zu verlaſſen. Dann fuhr er fort:
„Für heute iſt nichts zu machen, da der Abend ſchon aber morgen früh bei Tagesgrauen be⸗
hereinbricht; gebt Ihr Euch auf die rechte Seite des Ufers der Saale und ſucht jeden Buſch durch, ob ſich nicht Zei⸗
chen des Floſſes finden; geht in jedes Dorf und
fragt von Haus zu Haus nach Hedwig. Ich werde das Nämliche am linken Saalufer thun. Mittags Punkt 12 Uhr treffen wir uns dann auf der Brücke zu Rudolſtadt und theilen uns das mit, was wir er⸗
fahren haben. Und nun geht und ordnet uaces
im Hauſe, was ruinirt iſt!“ Joſeph ſetzte ſich hier⸗ auf an den Tiſch, ſtützte den einen Arm auf denſel⸗ ben und legte den Kopf in die Hand. Nachſinnen, was wohl aus Hedwig geworden ſein
könne, hatte er eine Zeit lang ſo hingeträumt und
gebrütet, als er in die lauten Worte ausbrach:„Arme, arme Hedwig! finden?“
Aber aus aller
hoffe ich mit aller Zuver⸗
In trübem
Wo und wie werde ich Dich wieder⸗
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