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im Hauſe geborgen iſt, weißt Du. So wie es Nacht iſt, fort mit uns!...“
Nach einigen Stunden verſchloß Joſeph alle Thü⸗ ren und wanderte mit Hedwig an die Saale. Beide Geſellen waren bereits an Ort und Stelle. Die Re⸗ paratur ging in möglichſter Stille bei einer Blendla⸗ terne vor ſich, und ehe die Glocke Mitternacht ſchlug, war Alles ziemlich in Ordnung. Nun entließ Joſeph die Geſellen mit den Worten:„Verſchwindet auf einige Tage aus den Augen des Hauptmanns, damit Euch ſeine Rache nicht trifft; ich würde mir ſonſt Vorwürfe machen. Für mich und Hedwig habt keine Sorgen; hoffentlich ſehen wir uns bald wieder...“
Joſeph und Hedwig ſtanden nun allein in dunk⸗ ler Mitternacht unter dem reichbeſternten Himmel. Er umarmte ſeine Geliebte, preßte ſie heftig an ſeine Bruſt und heiße Thränen fielen auf ihre Stirn. Dann ſprach er mit gepreßter Stimme:„Liebe, liebe Hed⸗ wig! Du, mein Himmel, mein Augenſtern! Es iſt ein großes Wagniß, was wir durchmachen müſſen; aber es giebt keinen Ausweg! Das Gelingen iſt eher möglich, als das Mißlingen! Was aber auch der Himmel über uns verhängen mag— ſei entſchloſſen, handle ſicher, ſei brav und hoffe auf Gott!.. Doch horch! Die Stadtglocke ſchlägt Eins! Bald werden die Soldaten in der Nähe ſein. Die Zeit zum Han— deln naht.“— Unheimliches Geräuſch wurde aus der Ferne vernehmbar, bis ſich dasſelbe in gemeſſene, immer näher und näher kommende Schritte auflöſte. Dann kamen dunkle, ſchwarze Geſtalten lautlos und ſtill, und marſchirten über die Brücke. Hedwig ſchauerte zuſammen; es war ihr, als zögen hölliſche Geiſter an ihr vorüber. Sie ſchmiegte ſich eng an Joſeph an. Als der lange Zug zu Ende war, ſagte er: „Nun vorwärts, liebe Hedwig!“ und ging einige Schritte abwärts zum Floß.„Beſteige das Floß und ſetze Dich hinter die Brüſtung!“ Dann löſte Joſeph die Kette vom Pfahl, ſprang auf's Floß und mit einigen kräftigen Ruderſtößen war dasſelbe in der Mitte des Stromes und ſchwamm ruhig weiter. So ging es eine Viertelſtunde ohne Störung recht gut— Alles ſtill rundum, die Nacht wunderſchön; nur das Plätſchern der kleinen Wellen, die an das Floß an— ſchlugen, war hörbar. Joſeph ſagte leiſe zu Hedwig: „Es geht Alles gut; noch eine kleine Strecke, und wir ſind außer dem Bereiche der Wachen am Saal⸗ ufer...“ Aber jetzt!— erſt einzelne, dann mehrere Schüſſe hintereinander ½.. Trommeln'ſchlugen an und Hörner klangen unheimlich dazwiſchen durch... Die Truppen waren ſchon an einander gerathen; das war für Joſeph's Berechnung zu bald. Die kaiſer⸗ lichen Wachpoſten an der Saale wurden vorſichtig
Novellen⸗Zeitung.
und ſtanden auf der Lauer.„Halt!“ rief ein Poſten am Ufer; da keine Antwort erfolgte, geſchah ein Schuß. Die Kugel ſchlug in's Floß, daß der ganze Körper erzitterte.„Lege Dich hinter die Brüſtung!“ flüſterte Joſeph, ſprang in's Waſſer und regierte das Floß mit der Hand. Einige Minuten weiter ſielen wieder zwei Schüſſe, jedoch ohne Wirkung. Joſeph war ruhig, Hedwig geborgen und von ihm nur Arm und Kopf über Waſſer. Kurze Zeit darauf knallte ein Schuß ganz in der Nähe und Joſeph be⸗ kam einen heftigen Ruck am Arme, glaubte aber, dies ſei von der Erſchütterung des Floſſes; doch bald fühlte er einen brennend heißen Schmerz am Ober⸗ arm, dann ein Uebelwerden im Herzen und Schwin⸗ den der Kraft; die Hand erlahmte und das Floß gleitete darunter weg.— Joſeph fühlte, daß er nicht länger beim Floß bleiben und viel weniger noch ſich auf dasſelbe ſchwingen könne; indem er dasſelbe ver⸗ ließ, rief er der armen Hedwig noch zu:„Sei unbe⸗ ſorgt um mich!“ und erreichte ſchwimmend, aber mit Noth das jenſeitige Ufer. Hier fühlte er eine Schuß⸗ wunde am Oberarm, verband ſie nothdürftig mit ſei⸗ nem Halstuche und ſank, durch ſtarken Blutverluſt erſchöpft, in ohnmächtiger Betäubung in's Gras... Das Floß ging ohne Führer weiter.— So lag Jo⸗ ſeph am hellen, lichten Morgen noch in todähnlichem Zuſtande, als ihn patrouillirende ſchwediſche Soldaten fanden und ihn wegen ſeiner Wunde für einen ver⸗ kleideten kaiſerlichen Officier hielten, der im nächtli⸗ chen Treffen verwundet worden ſei. Sie rüttelten ihn unſanft empor. Er konnte erſt nicht begreifen wie er in dieſe Lage gekommen war. Selbſt der Zu⸗ ruf der Soldaten:„Auf! Ihr ſeid unſer Gefange⸗ ner!“ war ihm noch ein Räthſel. Schmerz der Wunde fühlte und den Arm voll Blut ſah, zerriß der Nebelſchleier ſeiner Sinne, und mit ſchneidendem Weh im Herzen rief er:
ſchweifte ſein Auge irrend auf der Waſſerſtraße hin. Seine Lage überdenkend ſah er ein, daß hier nichts zu thun ſei, und ließ ſich daher willenlos mit andern Gefangenen nach Wellenborn führen, wo er in einem Bauernhauſe untergebracht wurde. Hier fühlte er ſich erſt wirklich krank; Fieberfroſt durchſchüttelte die Glieder, Schmerz und Seelenangſt brachten das Wund⸗ fieber, der Geiſt erlahmte, die Energie ging verloren und bewußtlos ſank er zuſammen. Der glückliche Zu⸗ fall wollte, daß er in das Haus eines Mannes ge⸗ kommen war, mit dem er in Geſchäftsverkehr geſtan⸗ den hatte. Die Familie that in ihrer Beſchränktheit demnach Alles, was nur Mitgefühl thun kann.
Nun laſſen wir den kranken Joſeph ruhig liegen.
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