Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
625
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Vierte Folge.

III. Jahrgang.

2 2 S mustn

Gine Mochenchronin für Titeratur, Aunst, ſchöne Miſſenſchuften und Ge

Erſcheint regelmäßig jeden Freitag.

Ceipzig, am 6. October 1865.

ſellſchaſt.

Abonnementspreis jährl. 5 ½ Thlr.

Der Zimmermann von Saalfeld.

Im Jahre 1639 und 1640.

Von Schüler. (Schluß.)

Nun müſſen wir aber zu einer Scene greifen, die auf der Hauptwache der Tiefenbacher vorkam und die ſo unheilvoll für das Haus Oswald werden ſollte. Die Soldaten der Wache hatten ſich in der Wach⸗ ſtube in verſchiedene Gruppen vertheilt und vertrie⸗ ben ſich die Zeit mit mancherlei Kurzweil. Ein Wachtmeiſter und ein Unterofficier ſaßen an einem Tiſche und würfelten. Da wird endlich der Wacht⸗ meiſter ungeduldig, wirft die Würfel weg und ſpricht argerlich:Was ſpielen wir noch? Wir effectuiren doch Beide nichts! Du machſt keine Aventure und ich auch nicht! Warum noch ſpielen? Es iſt ſo eine ärgerliche Zeit um uns. Wir ſitzen hier in einem

vermaledeiten Hundeloche und zappeln wie die Mäuſe in der Falle. Raus können wir nicht und auf den Straßen fliegen uns die Carthaunen um die Köpfe. Eng blokirt leiden wir Hunger und Durſt, daß uns die Schwarte knackt, und wenn's ſo fortgeht, crepiren wir wie unſere Pferde und müſſen am Ende noch Alles in die Rapuſe ſchlagen.

Ja, Gevatter! ſagte der Unterofficier,es iſt die Schwerenoth zu kriegen. Keine Aventure, kein ordentlicher Krawall! Die verfluchten ſchwediſchen Ketzer, dieſe Kirchenſchänder und Schnapphähne möchte ich zermalmen und in Präſenz Banner's alle maſſa⸗ criren!

Was nur unſer Alter für Urſache haben mag, entgegnete der Wachtmeiſter,daß er uns ſo ſalviren läßt! Doch gewiß nicht der Recompens willen! Da⸗ hinter muß was Anderes ſtecken! Oder glaubt er vielleicht, ohne Aſſiſtenz der in Franken ſtehenden Baiern nichts effectuiren zu konnen? Dieſe Duck⸗ mäuſer laſſen uns im Stich. Wir kriegen immermehr Obſtacula und müſſen zuletzt capituliren.