Jahrgang 
27-52 (1865)
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pflügt werden, daß der Glaube des Landmannes hier einge⸗ gangene Ziegelbrennereien oder verwüſtete Städte und Her⸗ renſchlöſſer vermuthete. Findet ſich hie und da auch noch zu⸗ gleich eine römiſche Münze mit vor, ſo iſt die Phantaſie bald bereit, daraus weiter auf die Reichthümer zu ſchließen, die verſunken in unterirdiſchen Gewölben im Boden ruhen. Da⸗ mit nimmt nun aber dieſe Waadtländer Sage einen viel alter⸗ thümli heren Wohnplatz ein, als derjenige ſein würde aus der Zeit der Burgunderkriege, auf welchen ſie ſich ſelber zu bezie⸗ hen verſucht. Das Volksgedächtniß begeht damit einen Feh⸗ ler, aber derſelbe iſt ſehr erklärlich; denn die Burgunderkriege müſſen dem Erinnerungsvermögen in dieſen Gegenden, die Karl der Kühne verheerte, viel lebhafter verblieben ſein als jede andere Zeit mit ähnlichen Verheerungszügen. Seit jenem burgundiſchen Karl begann Waadtland erſt zur Schweiz zu ſtehen, um dann ſelber ein Glied des Bundes zu werden. Somit lag es ganz und gar in der Art des Volksgedächtniſſes, dieſen Karl zum Mittelpunkt einer populären Zeitrechnung zu machen, auf den man alles früher Geſchehene hinanſchob und alles Folgende zurückdatirte. Daß dieſe Annahme nicht weit irre gehen wird, dies zeigen die übrigen Beſtandtheile der erzählten Sage. Sie ſind von ſolcher Alterthümlich⸗ keit, daß es ſich verlohnt, dieſelben kurz im Einzelnen zu be⸗ trachten.

Die beiden Arbeiten, welche dem Erlöſer Johannes auf⸗ erlegt werden, beſtehen darin, daß er Karl's Katze in den See ſtürzen und ihm ſelbſt das Schwert abgürten muß. Beide Züge finden ſich in unſeren älteſten Mythen vor. Thorr, der Gott der Stärke, hat ſich in Wettſpiele beim Rieſenkönig Utgardloke eingelaſſen und ſoll unter anderen Kraftproben des Königs große Graukatze vom Boden heben. Allein nur einen Hinterfuß kann er ihr lüpfen, und ſchon darüber geräth die Verſammlung der Rieſen in Beſtürzung. Sie mahnen ihn ab und erklären, die Katze ſei das graue Weltmeer ſelbſt, das allen Erdkreis umſchlingt und das nun auf Thrr's Hand⸗ griff hin ſchon ein ganzes Land zu überfluthen drohe. Solche Beziehungen aus dem entlegenen nordiſchen Götter mythus auf eine hier zum erſten Mal in die Oeffentlichkeit tre⸗ tende kleine, unbeachtet geweſene Dorfſage ſcheinen unſerem Verſtande ſo unliebſam, daß wir ſie entweder weit hergeholt nennen, oder mit einer vornehmen Kälte anzweifeln, wohl anch belächeln. Dies geht jedoch ſchon nicht mehr an, ſeit⸗ dem folgendes Volksräthſel aufgefunden iſt, das in der Hall⸗ wyler Gegend vom ſtürmenden Hallwyler See gilt:

E graue Chatze rennt 4 Ueber ue d'Wänd.

Die Katze, das ſturm- und windkündende Thier, wird hier als die aufſpritzende Uferwelle des windgepeitſchten See's perſonificirt. Dieſe zerſtörende Gewalt der anſtürmenden Seewoge iſt es, die den ſtarken Johannes erſt blutig reißt und dann in die Flucht jagt.

Der zweite Hauptzug der Sache iſt das blindlings Wunden ſchlagende Schwert, welches, wenn es nun abgegür⸗ tet iſt, nicht mehr Krieg ſtiftet, ſondern Kirchen gründet. Un⸗ ter dem Bilde eines in den Boden gepflanzten Schwertes, das vom Himmel gefallen war, verehrten die Scythen des Hero⸗ dot den Kriegsgott Ares. Hier wird Karl's aus der Scheide fallendes Schwert die Urſache, daß ſtatt des verfallenen Hei⸗ dentempels am Neuenburger See die Dorfkirche zu Mon⸗ tagny erbaut wird. Aber dazu bedarf es des allerentſchloſ⸗ ſenſten Mannes. Hier heißt er bibliſch Johannes. Sonſt kennt ihn alle Sage als den ſtarken Hans, der arm, zurück⸗ geſetzt, ſogar albern ſcheinend, plötzlich das allen Anderen

Novellen⸗Zeilung.

unmöglich Geweſene ausführt. Ueber ihn erzählen: Mül⸗ lenhoff, Schleswig-Holſteiniſche Sagen; Menzel, Odin, Aar⸗ gauer Segen. Karl's Schwert gehört mit in die Reihe jener ſagenberühmten Erbſchwerter, die, entblößt und einmal aus der Scheide gezogen, zu verwunden und zu tödten fort⸗ fahren. Solche Waffen ſind: Martis gladius beim gothi⸗ ſchen Geſchichtsſchreiber Jornandes; das Nibelungenſchwert Wasken und Balmung, des gothiſchen Dietrich Eckeſahs, Hög⸗ nis' vom Zwerge Dain verfertigtes Schwert Dainsleif. Das berühmteſte unter ihnen iſt Odhinn's Schwert Tyrfing. Es war von den Zwergen geſchmiedet, war an Angantyr überge⸗ gangen und zuletzt mit deſſen Leiche beſtattet worden. Lange nachher wagte es Angantyr's Tochter, es dem begrabenen Vater unter dem Haupte wegzunehmen, und dies gab den Anlaß zur Ausrottung ihres ganzen Geſchlechtes.

Die Namensdeutung der mythiſchen Siegesſchwerter giebt W. Wackernagel in Pfeiffer's Germania. Hier ſei die Erbgeſchichte von einem mitgetheilt, demjenigen Attila's, das bis in unſere Zeit herein gereicht hat. Jornandes berichtet, wie Attila, ſtets das Größte betrachtend, all' ſeine Hoffnung doch nur durch das Schwert des Mars erfüllt ſah, das einſt den Seythenkönigen eigen geweſen, von einem Hirten ausge⸗ ackert und ihm überbracht worden war. Es ging von ihm an den Schatz der ungariſchen Könige über. Die Mutter des Ungarkönigs Salomo ſchenkte es dem Baiernherzog Otto dafür, daß er ihren Sohn in ſein angeſtammtes Reich wieder eingeſetzt hatte. Herzog Otto gab es dem jüngeren Dedo, dem Sohne des Markgrafen Dedo, als Zeichen und Pfand untheilbarer Liebe; als er aber ermordet worden war, gelangte es an König Heinrich IV., der es ſeinem vertrauten Freunde Lüpold von Merſeburg ſchenkte. 1071 mit dem König von Herveld aus nach dem Landſitz Utenhauſen, um dort zu ſpeiſen, ſich begab, und ſie auf dem Rückwege die Pferde in die Wette laufen ließen, ſtürzte Lü⸗ pold, und jenes Schwert, das er trug, durchbohrte ihn, daß er auf der Stelle den Geiſt aufgab. Die Freunde des Her⸗

zogs Otto von Baiern verſicherten, das ſei ein Gortesgericht,

denn Lüpold ſei derjenige geweſen, der den König angetrie⸗ ben, Otto zu verfolgen und aus dem Palaſte zu entfernen. So erzählt Lambert von Aſchaffenburg in ſeinen Annalen.

Erasmus Franciſci(das eröffnete Luſthaus, Nürnberg 1676) redet von Siegesſchwertern, die in der Culmination des Planeten Mars geſchmiedet und in ein Heft aus einer Eiche gefaßt werden, in die der Donner geſchlagen. Vor einer ſolchen Waffe müſſen alle andern zerſpringen. Der Pöet Johannes Riſt bemerkte demſelben Autor, er habe ein ſolches Schwert ſelber verfertigen helfen und drei Schlan⸗ genzungen mit in den Knauf gethan, daſſelbe ſei an einen Holſteiniſchen Edelmann übergegangen, der damit allzeit obge⸗ ſiegt, es aber zu großem Unheil mißbraucht habe. Ein ſol⸗ ches Goldſchwert ſteckt bei Salurn am Titſchenbach⸗Schlunde bis zum Griff in dem Boden und gehört dem reichen Manne, der drunten wohnt in Marmorgarten und Blumenſälen. (Zingerle, Tirol.)

Weiß wohl auch die Neuzeit noch von ſolcherlei Waffen? So weit, als vor wenigen Jahren noch Grillparzer's Schick⸗ ſalstragödien über die Bühne gingen. In Grillparzer's Trauerſpieldie Ahnfrau erſchlägt ein Dolch eigenwillig die ganze Herrenfamilie. Weil ſo ein bloßes Meſſer der Schickſalsherr in unſerem neuen Bühnenverſtande werden wollte, ärgerte ſich der Dichter Platen darüber, und ſo ent⸗

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