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Literariſche griefe von Otto Banck.
Molière's Luſtſpiele. Ueberſetzt von Wolf
Grafen Baudiſſin. Leipzig, Verlag von Firzel. 1865.
Sie finden hier von dem gründlich gebildeten, geſchmackskundigen Autor nur fünf Stücke: die Schule der Ehemänner, die Schule der Frauen, der Miſan⸗ throp, Tartüffe und die gelehrten Frauen, in einer echt deutſchen und ſomit befriedigenden Weiſe über⸗ ſetzt. Man muß dieſes Unternehmen, dem die Nach⸗ folge von noch anderen Stücken in Ausſicht geſtellt iſt, mit Freuden begrüßen, denn bis jetzt ſteht uns außer ein paar guten brauchbaren Arbeiten Laun's noch keine treffliche Ueberſetzung der Meiſterwerke des großen Dichters zu Gebote.
Der Verfaſſer hat ſein Unternehmen mit Soli⸗ dität angefaßt und ſehr recht daran gethan, den uns nationalen Jambus dem uns nie anheimelnden und unſerm Sprachgenius entgegenſtehenden Alexandriner vorzuziehn.
Aber auch in hiſtoriſcher Beziehung gewährt das Werk den Leſern manche belehrende Unterhaltung, wie ſich z. B. eine ſolche in den Notizen über Molière's Carrisère darſtellt.
Als der junge Poquelin, der ſich aus unbekann⸗ ten Gründen Molière nannte(vielleicht aus denſelben, welche Arouet bewogen ſich Voltaire umzutaufen), drei⸗ undzwanzig Jahre alt war und von ſeinem Vater, einem begüterten Hoftapezier, Gelegenheit zu gelehr⸗ ten Studien erhalten hatte, die er mit Fleiß abſol⸗ virte, wurde in Paris eine neue Schauſpielergeſell⸗ ſchaft gegründet. Sie nannte ſich mit Kühnheit billustre Théatre und ihre Mitglieder beſtanden aus jungen Leuten aus guten bürgerlichen Familien.
An der Spitze des Unternehmens ſtanden die Geſchwiſter Madeleine und Jacques Béjart, Kinder eines Procureur am Chatelet. Dieſer Geſellſchaft ſchloß ſich auch Molière an. Madeleine Béjart, die ſchon in der Provinz geſpielt und ſich einen Namen gemacht hatte, war 27 Jahre alt; eine jüngere Schwe⸗ ſter wurde ebenfalls engagirt. Madeleine galt für eine vortreffliche Künſtlerin und mag wohl einen be⸗ ſonderen Einfluß auf den Entſchluß des jungen Man⸗ nes gehabt haben, der eben um dieſe Zeit ſeinen Namen ablegte.
Molisre's literariſche Bildung und ſein intimes Freundſchaftsverhältniß mit Madeleine, die die Seele des ganzen Unternehmens war, verſchafften ihm bald einen überwiegenden Einfluß auf die Truppe, die ihre
Novellen⸗Zeitung.
auch im Faubourg St. Germain aufſchlug. Dieſe Wanderungen waren nicht eben umſtändlich. Statt unſerer Couliſſen begnügte man ſich mit aufgehängten Teppichen, durch welche die Schauſpieler beim Auf⸗ treten und Abgehen ſich drängen mußten. Die Be⸗
leicht beweglichen Bühnen an verſchiedenen Orten,
leuchtung beſtand anfangs aus Talglichtern in blecher⸗ nen Tüllen, die an den Teppichen angeſteckt wurden; ſpäter erhob man ſich zu dem Fortſchritt, kreuzweis auf einander genagelte Latten mit vier Lichtern zu beſetzen und an Seilen, über Rollen laufend, an der Decke zu befeſtigen, ſo daß wenigſtens die Schauſpie⸗ ler von vorn beleuchtet wurden. Von Zeit zu Zeit mußten dann dieſe Kronleuchter herabgenommen wer⸗ den, um die Lichter zu putzen. Das Orcheſter be⸗ ſchränkte ſich auf eine Flöte, zwei Violinen und eine Trommel. In den Logen zu beiden Seiten des Saals koſtete ein Platz zehn Sous und ein Stehplatz im Parterre fünf; die Vorſtellungen fingen an um 2 Uhr Nachmittags und dauerten bis 4 oder 5. Trotz des gewiß vorzüglichen Spiels der jungen Geſellſchaft machte ſie anfangs wenig Glück, die Ko⸗ mödien von Scarron zogen das Publicum mehr an. Aber weder Madeleine noch Molièére verloren den Muth; ſie verließen Paris im Jahre 1646 und ver⸗ ſuchten ihr Heil in der Provinz. Es iſt wohl an⸗ zunehmen, daß Scarron's humoriſtiſche Schilderung von den Abenteuern und Leiden einer umherziehenden Schauſpielerbande, die er in ſeinem„Komödianten⸗ roman“ entwirft, ſich auf dieſe Wandertruppe bezieht. Jedenfalls giebt ſie uns ein grelles, aber gewiß aus dem Leben gegriffenes Bild von den damsligen Za⸗
ſtänden in der Provinz und zeigt uns die Rohheit
der Sitte, die gänzliche Abweſenheit aller polizeilichen Einmiſchung, den Uebermuth des Adels und die Rauf⸗ luſt der Officiere.„Die Komödianten,“ erzählt Scar⸗ ron,„kommen in wilder Flucht nach Le Mans, der eine mit zwei Schuhen, der andere mit einem, weil ihnen die Füſeliere aus Tours auf den Fer ſen folg— ten, denn ihr Thürſteher, der verrückte Hans, hatte ſich's einfallen laſſen, einen der Soldaten todt zu ſchlagen.“ Dergleichen gehörte alſo zu den möglichen Erlebniſſen einer ſolchen Nomadenwirthſchaft, und die Erzählung, ſelbſt wenn ſie erfunden wäre, giebt einen Begriff von den damaligen Zuſtänden.
Endlich fing in Lyon an, das Glück den Schau— ſpielern hold zu werden. Der Abbé Daniel de Cos⸗ nac, ſpäterer Erzbiſchof von Aix, erzählt in ſeinen Memoiren, wie er für den Prinzen von Conti, der ſich 1653 in ſeinem Schloſſe in Pézenas aufhielt, die Molière'ſche Truppe habe kommen laſſen und wie er
es mit Opfern und Bemühungen durchgeſeßi habe
daß dieſe und nicht eine andere Bande engagirt wurde,
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