Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
614
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614 Novellen⸗Zeitung.

die Schwarzwände, Zeigerheim und auf den Hain vorgeſchoben hatten.

Die Situation wurde ernſt. Joſeph ging in die Werkſtatt zu ſeinen Geſellen und ſprach:Es tritt jetzt eine ſchwere Zeit für die Stadt ein; Noth, Sorge, Hunger und alle Kriegsdrangſale wird jeder Einwohner auszuhalten haben. Die Arbeit in meiner Werkſtatt hört auf. Ihr Familienväter von hier wer⸗

det Haus und Familie zu ſchützen haben. Ich ent⸗,

laſſe Euch um Euer ſelbſt willen. Damit Ihr jedoch nicht ohne Mittel ſeid, ſo gebe ich jedem von Euch einen Monatslohn voraus, und ich hoffe mit Gott, daß wir nach dieſer Zeit wieder beiſammen ſein kön⸗ nen. Ihr, Friedrich und Johannes, Ihr ledigen Burſche, könnt bei mir bleiben. Kommt morgen auf mein Geſchäftszimmer, ich habe Euch noch etwas mit⸗ zutheilen!

Da trat der Geſelle Fabian vor und bat:Herr und Meiſter! Ihr wißt, ich bin aus Baiern; es wird mir unmöglich werden, in meine Heimath zu kom⸗ men, behaltet mich in Euren Dienſten, damit ich nicht verkomme!

Joſeph runzelte die Stirn und erwiderte:Meine Geſellen haben immer über Euch geklagt. Ihr ſeid ſtörriſch, heimtückiſch und insbeſondere dem Trunke und Spiele ergeben; Ihr habt mir oft Verdruß und Aerger gemacht und Euch deshalb heute Verweiſe zu⸗ gezogen. In der jetzigen gefahrvollen Zeit, wo Vor⸗ ſicht, Treue und Verſchwiegenheit beſonders nothwen⸗ dig ſind, wird es mir ſchwer, Eure Bitte zu erfül⸗ len; indeſſen, in Rückſicht auf Eure wirklich unglück⸗ liche Lage, ſo bleibt denn in Gottes Namen; habt. aber Einſehen und nehmt Euch zuſammen.

In ſeinem Geſchäftszimmer theilte er den Ge⸗ ſellen mit, daß es die größte Sorge des Hausherrn ſein müſſe, bei ſo gefährlichen Zeiten alle Vorſorge zu treffen, um Unglück zu verhüten oder demſelben aus dem Wege zu gehen. Ihm liege ob, das Haus und ſeine Braut vor jeder Unbill zu ſchützen. Hed⸗ wig ſolle daher, von morgen an, männliche Kleider tragen und als Geſell im Hauſe gelten.Wollt Ihr mir daher mit Handſchlag angeloben, dies nicht zu verrathen, und dabei verſprechen, treu, vorſichtig und verſchwiegen zu ſein? 4A

Alle drei gelobten mit Handſchlag:Ja! wir wollen vorſichtig, treu und verſchwiegen ſein!

Kaum waren acht Tage vergangen, ſo wurde Joſeph auf's Rathhaus citirt und ihm vom Bürger⸗ meiſter, im Beiſein des Feldmarſchalls Piccolomini, Folgendes mitgetheilt:In der ſichern Vorausſetzung, daß Ihr die Ufer, die Fuhrten und die Tiefen der

Saale genau kennt, ſo werdet Ihr hiermit vom Kriegs⸗ oberſten und hieſigem Rathe beauftragt, bei den noth⸗ wendigen Brückenbauten meiſter und Aufſeher zu fungiren. Die dazu nöthigen Zimmerleute werden aus den Regimentern Euch zu⸗ getheilt und Ihr habt blos den richtigen Bau zu leiten. Eine Ordonnanz wird Euch jederzeit davon benachrichtigen.

Aber bei Eurem Kopfe, fiel der Feldmarſchall ein,laßt keine böswilligen Verſehen vorkommen, wodurch die Armee Nachtheile erleiden Fönnte, ſon⸗ dern führt Alles tüchtig nach beſtem Wiſſen und Pflicht aus!

Joſeph antwortete:Ein Bürger hieſiger Stadt kann eigentlich nach Rechten nicht gezwungen werden, für Kriegsvölker gefährliche Bauten zu übernehmen; allein ich weiß, daß in Kriegszeiten Gewalt über Recht geht, deshalb füge ich mich. Nur eine Bedin⸗ gung ſtelle ich, die hochedler Stadtrath genehmigen möge, nämlich mir die Einquartierung vom Halſe zu ſchaffen, damit ich ohne Sorge mein Haus verlaſſen und zuſchließen kann!

Der Feldmarſchall äußerte zum Stadtrathe:Der Mann muß uns Tag und Nacht zu Gebote ſtehen und größtentheils außer der Stadt ſein!

Da reſolvirte der Bürgermeiſter:In Anbe⸗ tracht, daß Ihr, Meiſter, allein ſteht, unverheirathet und ohne Familie ſeid und viel außerhalb der Stadt ſein müßt, beſchließen wir, Euch Dispenſation von der Einquartierung zu geben!

Als Joſeph durch den Vorſaal ging, werin⸗ 7O

die Wache befand, ſah er einen Officier am Fenſter ſtehen und erſchrak heftig; das war der Cornet. Er faßte ſich jedoch und ging, ſcheinbar gleichgültig, vorüber. Der Officier fixirte ihn und ſah ihm nach,

aber ohne beſondere Notiz von ihm zu nehmen. Auf 1

dem Marktplatze angekommen, athmete er frei auf, und ſprach in ſich: darf von dieſer Entdeckung nichts erfahren! Mit ſchweren Sorgen betrat Joſeph ſeine Wohnung.

Den 8. Mai traf die Nachricht in Saalfeld ein, daß unvermuthet der ſchwediſche Generalfeldmarſchall Banner mit 40,000 Mann Kriegsvölkern i dol⸗ ſtadt eingetroffen ſei und über die Saalb durch das Holz auf den rothen Berg marſchire. Den an⸗

dern Tag ſah man bereits die Lager daſelbſt auf⸗

ſtecken, die Batterien vorſchieben und die Stadt nach Kriegsform belagern. Bei den Schweden befanden ſich auch Heſſen, Lüneburger und Weimaraner als Hülfsvölker. Unter ihren höheren Officieren zeichne⸗ ten ſich aus: Feldzeugmeiſter Torſtenſon, die Ge⸗ nerale Donglas und Pfuhl, der heſſiſche General

über die Saale als Bau⸗

Er hat mich nicht erkannt! Hedwig

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