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und Trauermarſchälle, hierauf kam der Leichenconduct und die Leidtragenden und hinter denſelben das ganze Gewerke der Bau⸗ und Zimmerleute mit ihren Em⸗ blemen. Der Todte mußte eine wichtige Perſon in der Stadt geweſen ſein.
In der Herberge angekommen ſprach der Wan⸗ derburſche ſeinen Handwerksgruß, und als der Herbergs⸗ vater den Willkomm darauf gegeben und einen Trunk vorgeſetzt hatte, fragte Jener:„Wer iſt denn vorhin mit dem ſtattlichen Leichenzuge begraben worden?“
Da antwortete der Herbergsvater:„Der Begra⸗ bene war ein gar angeſehener Mann in hieſiger Stadt, ein Baumeiſter wie es wenige giebt; wir haben viel an ihm verloren. Durch ſeinen Tod iſt auch die Wittwe in preßhafte Umſtände gerathen; der Selige hat unvollendete Bauten hinterlaſſen, die nun ſchwer⸗ lich ohne großen Verluſt für die Wittwe fortgeführt werden können, wenn ſich nicht ein tüchtiger Werk⸗ führer dazu findet. Hier iſt keiner, der es unterneh⸗ men kann. Aber wie iſt mir denn? Ihr habt ja mit dem Meiſterſpruch gegrüßt! Könnt Ihr vielleicht helfen? Es würde Euch Gotteslohn bei der Wittwe verſchaffen!“
„J nun!“ ſagte der Zimmermann,„es war zwar meine Abſicht nicht, hier in Arbeit zu treten; aber wenn ich der Wittwe nützlich ſein kann, ſo will ich's verſuchen, denn Wittwen und Waiſen muß man hel⸗ fen. Ich will aber erſt die großen Trauertage vorüber gehen laſſen und dann bei der Wittwe vorſprechen.“
„Nun ja! Da thut Ihr recht!“ erwiderte der Herbergsvater;„Ihr könnt während dieſer Zeit erſt unſere ſtattlichen Bauwerke beſuchen, die eine Zierde unſerer Stadt ſind.“
Nach drei Tagen meldete ſich der fremde Zim— mermann bei der Wittwe des verſtorbenen Baumei⸗ ſters Oswald, die ihn freundlich aufnahm. Er ſprach: „Ehrbare Frau Baumeiſterin! Ich bin auf der Wan⸗ derſchaft hier und habe in der Herberge gehört, daß Ihr einen tüchtigen, umſichtigen Werkmeiſter braucht, der die unvollendeten Bauten Eures ſeligen Mannes fortzuführen im Stande iſt. Ich bin Zimmermann, Werkmeiſter und ſelbſt Baumeiſter; wenn Ihr mir Vertrauen ſchenken wollt, ſo will ich die Durchfüh⸗ rung übernehmen!“
Die Wittwe war ſichtbar bewegt und Thränen rollten über ihre Wangen; ſie faßte ſich jedoch und erwiderte:„Wie wohl es meinem Herzen thut, in meiner Noth unerwartet Hülfe zu finden, könnt Ihr Euch gar nicht denken. Aber ſo gern ich das Aner⸗ bieten gleich annehmen möchte, ſo werdet Ihr doch ſelbſt einſehen, daß eine Frau über ſolche wichtige Geſchäfte nicht ſelbſt verfügen und entſcheiden kann.
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Novellen⸗Zeitung.
Gebt mir Eure Papiere, wenn Ihr ſolche bei Euch habt, damit ich ſie dem Obermeiſter, den Altmeiſtern des Gewerks und dem hieſigen Magiſtrate zur Prü⸗ fung vorlegen kann; thun dieſe ehrbaren Herren einen guten Spruch, ſo nehme ich mit Freuden Eure Dienſte an; denn, ich muß es Euch nur ſagen, Ihr ſeht gut und brav aus und ich glaube, mein Herz trügt mich nicht, wenn ich einen großen Theil meiner Laſt und meines Vermögens in Eure Hand lege.“
„Habt Dank, Frau Baumeiſterin, ſchon für dieſe Worte!“ bemerkte der Zimmermeiſter;„hier in dieſer Brieftaſche ſind alle meine Papiere; ſie werden wohl hinlangen, um einen guten Spruch hervorzubringen.“
Darauf rief die Wittwe in ein Nebenzimmer: „Hedwig! Einen Imbiß und Trunk,“ und gleich dar⸗ auf kam ein roſig blühendes Kind und brachte das Verlangte. Als das junge Mädchen den fremden Mann ſah, wurde ſie roth, machte verlegen einen Knix und ſtellte zitternd Imbiß und Trunk auf den Tiſch.—
„Nun, nuntu ſagte die Mutter;„Du brauchſt nicht ſo verlegen zu ſein. Dieſer Herr kommt viel⸗ leicht— ſo es Gott will— als Werkmeiſter in un— ſere Werkſtatt!“
Da nahm der Zimmermann das Wort:„Iſt dieſes holde Mädchen Eure Tochter oder eine Anver⸗ wandte?“
Die Mutter antwortete in Thränen:„Meine
Tochter Hedwig, jetzt eine vaterloſe Waiſe.“
„Ei, ei!“ ſagte der Zimmermann, der der Sache eine andere Wendung geben wollte;„da iſt noch Gottesſegen in Eurem Hauſe.“ Dann zu Hedwig gewendet:„Es ſoll ein gutes Zeichen für einen Fremden ſein, wenn beim erſten Beſuche eine hold⸗ ſelige Jungfrau dem Trinkenden Beſcheid thut! Wür⸗ det Ihr wohl ſo freundlich ſein, mir den Becher zu credenzen?“
Hedwig blickte die Mutter an, die bejahend nickte; zitternd ſetzte ſie den Becher an die rothen Lippen und gab ihn dann dem Fremden, der geſchickt denſelben zu drehen wußte und ihn bis auf den Grund leerte...
„Man ſieht, daß Ihr aus Sachſen 6 be⸗ merkte die Mutter,„denn dort ſoll die Galanterie zu Hauſe ſein.“
„Verzeiht, ehrbare Wittwe und edle Jungfrau; das wollte ich nicht,“ ſprach der Zimmermann.„Ich hatte eine liebe, gute Schweſter, dieſe ließ mich nie einen erſten Trunk thun, bevornſie nicht Beſcheid ge⸗ than hatte. So kam es mir auch jetzt vor, und es that mir wohl, eine ſolche liebe Erinnerung zu haben.“
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