Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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die Hoffnung ausſprach, daß ſeine Werke nicht blos der deutſchen Wiſſenſchaft, ſondern auch der deutſchen Sprache Ehre machen möchten.

Winckelmann ſtand, wie Schelling in ſeiner ver⸗ trefflichen Rede ⸗Ueber das Verhältniß der bildenden Künſte zur Natur» ſo ſchön ſagt, in erhabener Ein⸗ ſamkeit wie ein Gebirg; kein antwortender Laut, keine Lebensregung, kein Pulsſchlag im ganzen wei⸗ ten Reiche der Wiſſenſchaft, der ſeinem Streben ent⸗ gegen kam. Man ſtaunte ihn an, man bewunderte und pries ihn; die gelehrten Geſellſchaften aller Län⸗ der beeilten ſich, ihn zu ihrem Mitgliede zu machen; die Kunſtgeſchichte wurde bald in das Franzöſiſche überſetzt und überall hin verbreitet; aber ſeine tiefſte Bedeutung erkannten doch nur Wenige, im vollen Umfang vielleicht nur Leſſing, annähernd Chriſtian Gottlob Heyne, der berühmte Göttinger Alterthums⸗ forſcher, welcher ſich das Verdienſt erwarb, die Kennt⸗ niß der alten Kunſt ſtändig in den Univerſitätsun⸗ terricht einzuführen.

Weit tiefer und nachhaltiger war Winckelmann's Einfluß auf die nachfolgenden Geſchlechter.

Durch Winckelmann erhielt der herrſchende Zopf⸗ ſtyl den Todesſtoß. Es kam Weihe und reges Styl gefühl in das verwilderte Kunſtleben. Die urewige Schönheit der griechiſchen Kunſt ſtand lebenerweckend wieder vor dem erkennenden, wie aus dumpfem Traum erwachten Auge der Menſchen. Die große Kunſtrevo⸗ lution, welche durch Asmus Carſtens eintrat und in dem freien und heitern Hellenenthum Thorwaldſen's und Schinkel's ihre reifſte Blüthe und Frucht trieb, iſt unmittelbar von Winckelmann abzuleiten. Und wie wäre die claſſiſch maßvolle, hohe und heitere Dichtung aus der vollendetſten Zeit Goethe's und Schiller's denkbar, ohne jenes tiefe Sehnen nach dem Schönen und Idealen, ohne jenes Schauen und Er⸗ kennen plaſtiſcher Großheit, welches Winckelmann in die Gemüther gelegt hatte?

Und nicht minder deutlich und großartig iſt Winckelmann's Spur in der Geſchichte der Wiſſen⸗ ſchaft. F. A. Wolf, ſelbſt einer der genialſten Alter⸗ thumskenner, feierte Winckelmann, daß er etwas aus den Alten gewonnen habe, was die Philologen von der Gilde gewöhnlich zuletzt oder meiſt gar nicht ler⸗ nen, weil es ſich nicht aus, ſondern nur an den Alten lernen läßt, nämlich den Geiſt des Alterthums. Dieſe tiefere geiſtige Erfaſſung bricht bald überall durch. Zwar können wir uns nicht verhehlen, daß gerade auf Winckelmann's nächſtem Gebiet, in der wiſſen⸗ ſchaftlichen Behandlung der alten Kunſtgeſchichte und Kunſterklärung, ſeine hochſinnigen Anregungen am

Novellen⸗

Zeitung.

längſten unbenutzt brach lagen. Noch lange Zeit lähmte und erdrückte mehr als billig das blos gelehrte Aufmerken auf die Alterthümer den tieferen Kern des echt Künſtleriſchen, und erſt ſpät erhoben ſich einzelne Männer, welche, um nur die Höchſten zu nennen, wie Ennio Quirinio Visconti, Welcker, Otfried Müller und Anſelm Feuerbach, genial fortbildend dieſelben Bahnen betraten, welche Winckelmann ſo klar und ſo begeiſtert vorgezeichnet hatte. Aber nichtsdeſtoweni⸗ ger verbreitete ſich das Licht, das von Winckelmann ausging, befruchtend und wärmend immer weiter und nach den verſchiedenſten Seiten. Eckhel wurde der Begründer der alten Münzwiſſenſchaft in einer Groß⸗ artigkeit, die ihn auf ſeinem Gebiet dicht neben Winckelmann ſtellt. Und zugleich erhob ſich aus der Geſchichte der alten Kunſt die Geſchichte der alten Literatur. Hatte Herder ſchon kurz nach dem Erſchei⸗ nen von Winckelmann's großem Werk in den Frag⸗ menten über die neuere deutſche Literatur die For⸗ derung nach einem Buch geäußert, das ⸗uns den Tempel der griechiſchen Weisheit und Dichtkunſt ſo eröffne, wie Winckelmann den Künſtlern das Geheim⸗ niß der Griechen von ferne gezeiget,» ſo ſuchte zuerſt Friedrich Schlegel dieſe Forderung auszuführen und bekennt dabei willig ſeine Abhängigkeit von Winckel⸗ mann; und ſicher iſt es kein Zufall, daß gerade die ſinnigſten Schüler Winckelmann's, Welcker und Otfried Müller, zugleich auch die tiefſten Geſchichtsſchreiber der griechiſchen Literatur wurden. Von hier aus kam ſodann der Anſtoß zur mittelalterlichen und neueren Kunſt⸗ und Literaturgeſchichte. Kunſt- und Literatur⸗ geſchichte hat längſt aufgehört, eine blos äußerliche Künſtler⸗ und Dichtergeſchichte zu ſein; ſie iſt Na⸗ turgeſchichte des künſtleriſchen und wiſſenſchaftlichen Geiſtes.

Ja, wir müſſen ſagen, Winckelmann hatte einen Begriff erſchloſſen, welcher dem Denken und Handeln des ganzen Jahrhunderts fehlte, den Begriff der ge⸗ ſchichtlichen Entwickelung. Er überragt darin ſelbſt Montesquieu. Noch niemals war in dieſer Weiſe das geiſtige Leben auf die Grundlage dex allgemei⸗ nen Culturbedingungen zurückgeführt. Hier wurzeln Herder's Ideen zur Geſchichte der Menſchheit und damit ein guter Theil der geſammten neueren Ge⸗ ſchichtſchreibung.

Wenn der Verfaſſer in dem eben Angeführten unter andern ſagte, die Literaturgeſchichte habe längſt aufgehört, eine blos äußerliche Künſtler⸗ und Dichter⸗ geſchichte zu ſein, vielmehr wäre ſie die Naturge⸗ ſchichte des künſtleriſchen und dichteriſchen Geiſtes, ſo muß erwähnt werden, daß gerade Hettner am meiſten derjenige iſt, welcher zu dieſer Wendung der Auffaſ⸗

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