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prangt. Sein Auge ſtreift Firſt; er erkennt ihn in⸗ deſſen nicht, hält ihn für einen ehrſamen Familienva⸗ ter, deren ja jetzt unzählige ihre Sprößlinge auf dem Arme tragen. Er befühlt die Bruſttaſche, wie um ſich von dem Vorhandenſein irgend eines Gegenſtan⸗ des zu überzeugen, und ſchlendert dann langſam wei⸗ ter nach dem Kupfergraben hin. Plötzlich bleibt er wieder ſtehen, ſich umwendend. Die alte, graue Re⸗ ſidenz der Hohenzollern, das koloſſale Schloß erglänzt in einer Beleuchtung, welche die entzückten Schau⸗ luſtigen in die Zauberwelt des Märchens zu verſetzen ſcheint; Aller Blicke ſind dahin gewendet.
Firſt hat die Kleine niedergeſetzt, mit dem Gebot, ruhig hier zu bleiben. Sie thut es zwar, weint aber jämmerlich; denn die fremden Geſichter, die fremdar⸗ tige Beleuchtung ängſtigt ſie und dieſe Herzensangſt macht ſich Luft in dem gellenden Schrei:„Mama— Mama!“
Der junge Mann beachtet es nicht, hat Vollert, ohne daß dieſer ſich's verſah, umfaßt und will in deſſen Bruſttaſche greifen, um den Brief hervor zu ziehen.
In jähem Schrecken verharrt der Angefallene einen Moment regungslos, dann verſucht er mit ſei⸗ ner ganzen Kraft, den Gegner von ſich zu ſchütteln. Wohl iſt er ſtärker, als der an den Folgen ſeiner Wunde und den Kriegsſtrapazen Leidende, durch Ent⸗ behrungen und Sorgen Entkräftete. Dem Letztern leiht indeß ſein Wille vorübergehend eine ungewöhn⸗ liche Körperſtärke; er weiß ja, daß es jetzt gilt, daß dieſer Moment entſcheidend iſt und nicht wiederkehren wird.
Stumm ringt Vollert gegen ihn. Obwohl es ſo natürlich wäre, daß er um Hülfe riefe, obwohl er augenblicklich Beiſtand erhielte, zieht er es doch vor, zu ſchweigen und die Sache ohne Einmiſchung Ande⸗ rer abzumachen.
Die Umſtehenden achten kaum auf die jungen Männer; meinen, dieſelben hätten heute des Guten zu viel gethan und ringen im Scherz mit einander. Der roſige Schimmer, der den alten Herrſcherſitz mit den Tinten der Morgenröthe anhaucht, feſſelt Aller Aufmerkſamkeit oder doch die Aufmerkſamkeit faſt Al⸗ ler. Ein Ehepaar, das ein abhanden gekommenes Pfand ſeiner Liebe ſucht, achtet nicht auf elektriſches Licht und Roſenſchimmer oder Hoffnungsgrün; der Jammerlaut„Mama!“ dient als Wegweiſer. Ihrem Gatten und den beiden Kindern voran ſtürmt die Mutter über den Platz— ſieht die Tochter auf der Erde ſtehen und deren Hüter mit einem Andern im Handgemenge. Natürlich iſt der fremde Menſch im Unrecht, dazu bedarf es bei ihr keiner Ueberlegung.
Novellen⸗Zeitung.
„Sei doch ſtille, Lottchen; nun bin ich ja da!“ ruft ſie dem Töchterlein zu, das auch alsbald ver⸗ ſtummt; dann eilt ſie ihrem Freunde zu Hülfe und packt Vollert's Arm.
Firſt greift in die Bruſttaſche ſeines Gegners und reißt heraus, was ſich darin befindet. Der An⸗ dere ſtößt einen unterdrückten Laut aus; ſtatt ſein Ei⸗ genthum zurückzufordern, nimmt er in jähem Schrecken die Flucht und verliert ſich faſt augenblicklich in der Menſchenwoge, welche ſich eben von der Brücke her⸗ anwälzt.
In der Aufregung des Moments gewahrt Firſt kaum, daß er ſtatt ſeines Briefes eine Brieftaſche in der Hand hält; der Redeſtrom, mit welchem Frau Krupp ihn überfluthet, verwirrt ihn vollends. Er muß ſich auf eine Bank ſetzen, die bebenden Finger geſtat⸗ ten ihm kaum, in der Brieftaſche nach ſeinem Ei⸗ genthum zu ſuchen; dennoch findet er dasſelbe end⸗ lich. Gleichzeitig iſt jedoch die Poſtkarte und ein Päckchen heraus und zu Boden gefallen. Frau Krupp hebt Beides auf und beſieht es natürlich neugierig.
„Nun— Firſt, um Gotteswillen, was treiben Sie!“ murmelte ſie entſetzt;„dem Manne ſo etwas zu nehmen, hätte ich nicht meine Hand geboten.“
Firſt traut ſeinen Augen kaum, als er einen Tau⸗ ſendthalerſchein erkennt; und nicht einen— mehrere, das ganze Päckchen enthielt Tauſendthalerſcheine!
„Ich gebe es ihm zurück— augenblicklich,“ ſagte er.„Ich wollte von ihm nur dieſen Brief wieder ha⸗ ben, der mir gehört, der, wie Sie ſehen, meine Adreſſe trägt. Sie müſſen mir's bezeugen, Frau Krupp, daß ich nicht die Abſicht hatte—“ Er vermochte nicht weiter zu reden.
Sie ſchüttelte den Kopf. Daß er die Brieftaſche mit dem Gelde dem Andern abnahm, das kann ſie freilich bezeugen. In welcher Abſicht aber? Darauf konnte ſie doch wohl nicht mit gutem Gewiſſen einen Eid ablegen, obſchon ſie für ihre Perſon dem jungen Mann nichts Arges zutraute.
Nach augenblicklichem Nachſinnen ſetzt Firſt ihr, ſo weit es nöthig und möglich, die Sachlage ausein⸗ ander, hinzufügend:„Das Geld gehört offenbar dem Hoflieferanten Schultz, in deſſen Auftrag ſein Com⸗ mis eine Reiſe unternehmen ſollte. Seltſam iſt's, daß der Letztere ſich davon machte und eine ſolche Summe in meinen Händen ließ, ohne nur eine Sylbe darüber zu äußern, daß ſie ſich im Taſchenbuch be⸗ fand. Ihn jetzt aufzuſuchen, wäre unmöglich; es iſt am beſten, ich gehe ſogleich zu Schultz und ſtelle ihm das Geld zurück— man wird dann wenigſtens nicht ſagen können, ich hätte es mir aneignen wollen.“
Frau Krupp erbot ſich, ihn zu begleiten, um zu
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