Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
590
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590 Novellen

(Hier folgt eine Stelle, welche wir aus guten Gründen unüberſetzt laſſen.). fu Noch ein wenig Geduld, Madame; ich werde mich kurz

aſſen.

Ich finde in Ihrem Briefe eine ſonderbare Phraſe, welche Sie ganz ſo ſchildert, wie Sie ſind:Von einer ach⸗ tungswürdigen Familie abſtammend, hätte ich einen recht⸗ ſchaffenen Bürger heirathen können, Kinder haben u. ſ. w. Aber was da! Ich verabſcheute die Langeweile eines ſo re⸗ gelmäßigen Lebens, ich ſtürzte mich kopfüber in eine Exiſtenz, in welcher man vom Zufall, von einem Tag zum andern lebt!

Sie haben da eine ungeheuere Thorheit begangen, Ma dame; aber ſowie ſie nicht ganz und gar Ihr Fehler war, ſo iſt auch das Uebel nicht ganz ohne Gegenmittel.

Alle Ihre Verirrungen entſpringen zunächſt aus einem edlen Gefühl der menſchlichen Würde, einem Gefühl, welches Sie mit ſich verſöhnen und Ihnen Muth verleihen ſollte. Sie beſitzen im höchſten Grade das Bewußtſein der Freiheit und des Abſcheus vor jener Monotonie, jener Sclaverei, welche die Natur uns auferlegt und welche ſich in das Wort⸗Arbeit zu⸗ ſammenfaßt. Glauben Sie nicht, Madame, daß ich dies iro⸗ niſch meine. Ich tadle Sie, das Gebot der Arbeit mißver⸗ ſtanden zu haben, das Sie in dem Vaterhauſe zurückgehalten haben würde; aber ich lobe Sie, daß Sie, wenn auch in con⸗ fuſer Weiſe, begriffen, daß der Menſch, wenn er ſich auch dem Gebot der Arbeit unterwirft, doch ohne Unterlaß gegen die Trivialitäten des Daſeins ankämpfen ſoll. Ihr Unglück beſtand darin, daß Sie Folgendes von einander trennten: Arbeit und Freiheit, Arbeit und Kunſt, Ar⸗ beit und Liebe; Sie haben ſich geſagt: ich verſchmähe dieſes arbeitende Sclaventhum und dieſe ganze Trivialität des gewöhnlichen Lebens; ich will mich ausſchließlich der Frei⸗ heit, der Kunſt, der Liebe widmen. Und Sie ſind ein freies Weib, eine Künſtlerin, eine Buhlerin geworden, ein phanta ſtiſches, leidenſchaftliches Geſchöpf, welches die Phantaſie und die Leidenſchaft völlig erſchöpft hat.

Das Reſultat iſt Ihnen bekannt. Indem Sie der Schön⸗ heit und dem Ideale folgten, gelangten Sie zur Rohheit und Gemeinheit; aus einem freien Geſchöpf, das Sie waren, ha⸗ ben Sie ſich zur Sclavin gemacht; und die Genüſſe der Ei⸗ telkeit, der Kunſt und der Liebe, indem ſie durch nichts Reelles, Ernſtes, Belebendes und Stärkendes unterſtützt wurden, ha⸗ ben Ihnen nichts als den Schmutz, die Leerheit und die Er⸗ niedrigung zurückgelaſſen.

Sie fragen mich Madame, was jetzt zu thun ſei?

Hier, Madame, kann ich Sie weder durch ein Raiſon⸗ nement, noch durch Ihre eigene Erfahrung überzeugen, da Sie außerhalb der Bedingungen des normalen Lebens ſtehen. Ich kann Ihnen nicht die Wahrheit deſſen beſtätigen, was ich Ihnen ſagen will. Sie werden meinen Rath befolgen oder verwerfen; es gilt für Sie das Leben oder den Tod, oder was noch mehr iſt, Ehre oder Schmach.

Sie ſind jetzt achtundzwanzig Jahr alt, Ihre erſte Ju⸗ gendperiode liegt hinter Ihnen, es erwartet Sie noch die zweite, zwölf Jahre des mittleren Alters einer Frau von achtund⸗ zwanzig bis vierzig. Dies iſt immer noch eine Zukunft.

Brechen Sie zunächſt mit jeder Art von Liebe. Das Erſte, was Sie thun müſſen, iſt zu lernen, ſich ſelbſt zu be⸗ herrſchen, denn, Unglückliche, Sie ſind bis heute nur die Sclavin von irgend etwas Anderem geweſen. Es wird Ihnen dies anfänglich viel koſten, darauf machen Sie ſich gefaßt; aber wenn der Kampf ſchwer iſt, wird der Triumph deſto

Zeitung.

füßer ſein. Sich beherrſchen, hören Sie es wohl, frei, ver⸗

edelt an Leib und Seele, Herr ſeiner Sinne ſein, das nennt man Keuſchheit. Sie haben Ihre Jungfräulichkeit verloren, dieſer Verluſt läßt ſich erſetzen, Sie können noch keuſch werden.

Zwei Jahre oder weniger dieſer Beherrſchuug ſind Ihnen nothwendig. Es wird Ihnen nicht an Verſuchungen fehlen; Diejenigen, die Sie gekannt haben, werden ſehen, wie Sie Ihren Wandel ändern; Diejenigen, welche Ihnen auf dieſem begegnen, werden Kunde von Ihrer Vergangenheit erhalten; Alle werden es pikant finden, Ihre Eroberung zu machen, und Alles daran ſetzen, um Sie unter das Joch zurück zu bringen. Ermüden Sie nicht, oder es iſt Alles verloren. Verachten Sie Diejenigen, welche Sie lächerlich machen wollen; ſo we nig Sie die Herzen der Männer kennen, ſo kann Ihnen doch

nicht entgehen, daß der Verdruß mehr Theil an ihren Sar⸗

casmen haben wird, als der Eifer der Tugend. Eine Kunſt⸗ reiterin verläßt ihre Liebhaber, ehe die Liebhaber ſie verlaſ⸗ ſen, das iſt unverzeihlich! Neben der Enthaltſamkeit von der Liebe verordne ich Ihnen ein nüchternes und arbeitſames Le⸗ ben. Bewilligen Sie der Sinnlichkeit nicht das Geringſte. Dies iſt daſſelbe, was die Prieſter Kaſteiung nennen, und ich empfehle ſie Ihnen, weil ſie Sie übt nach und nach die Na⸗ tur zu beherrſchen und, ſo zu ſagen, Ihr ganzes Weſen ver⸗ geiſtigt.

Sie ſagen mir nichts über Ihre gegenwärtigen Exiſtenz⸗ mittel; worin dieſelben aber auch beſtehen mögen, Sie müſ⸗ ſen ſie vermehren, entwickeln, ſie verwenden, indem Sie eine Profeſſion erwählen, einen Beruf ergreifen.

Sie beſitzen Einſicht in hohem Grade, ja ſelbſt Geiſt, eine tadelloſe Orthographie, Styl, eine hübſche Handſchrift; von Ihren übrigen Talenten ſpreche ich nicht, da ſie mir un⸗ bekannt ſind. Es fehlt Ihnen nichts, und Sie können ſich im ernſten Leben noch ebenſo und mehr noch auszeichnen, als Sie es auf den Bretern gethan haben.

Stellen Sie ſich vor, daß Sie in der Geſellſchaft daſ⸗ ſelbe ſind, was Robinſon auf ſeiner Inſel war, allein, mit einigen Hülfsmitteln, die Ihnen das Schickſal gelaſſen hat. Man muß doch das Leben friſten, und wenn es nur erſt ge⸗ ſichert iſt, muß man ihm weitere und nach und nach höhere Ziele ſtecken. Würden Sie an der Stelle Robinſon's feiger Weiſe an den Ufern des Meeres den Tod erwartet haben, ſtatt zu arbeiten, wie er es fünfundzwanzig Jahre hindurch that? Wohlan, Sie ſind beſſer als Robinſon und können es beſſer machen als er. 1

Enthalten Sie ſich des Leſens von Romanen und Ver⸗ ſen. Ihre Einbildungskraft verlangt etwas Beſſeres und Reineres.

Sie haben die Geſchichte, Reiſebeſchreibungen, Geogra⸗ phie, die Wiſſenſchaften, ſchreiten Sie bis zur Philoſophie, wenn Sie wollen.

Mit Einem Worte, Alles das bleibend, wozu die Natur Sie gemacht hat, eine Künſtlerin, arbeiten Sie, beſchäftigen Sie ſich, unternehmen Sie etwas, und tragen Sie Ihr künſt⸗ leriſches Talent auf Ihr neues Leben über, veredeln Sie un⸗ abläſſig Ihre Arbeiten und Ihre Unternehmungen. Sie lie⸗ ben nicht die häusliche Wirthſchaft! Das kommt daher, weil Sie nur den Abfall und den Rauch davon geſehen haben. Eine Frau, mögen Sie wiſſen, bedarf eines großen Talentes, um aus ihrem Zimmer ein Bild und eine Landſchaft zu ma⸗ chen. Und das ſollten ſie doch alle verſuchen. Iſt es wider⸗ wärtiger, Keſſel, Töpfe und Meubles anzufaſſen, als Farben und Pinſel?

Und nun,» werden Sie ſagen, ⸗was iſt der Zweck und das Ende von dem Allen?« Nun, Madame! Sie müſſen

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