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Vierte Folge.
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Von Moſer'’s Gefangenſchaft zu Hohentwiel.
Unter den kleinen deutſchen Dynaſten, welche um die Mitte des vorigen Jahrhunderts das Recht der Unterthanen unter ihre Gewalt beugten und in Willkürherrſchaft und
Meaitreſſenwirthſchaft mit dem geſunkenen franzöſiſchen Hofe
Ludwig's XV. wetteiferten, iſt keiner bekannter, als der Herzog Karl von Würtemberg. Schubart's Gefangenſchaft auf dem Hohenasperg und Schiller's Flucht aus Stuttgart erhalten mehr als Anderes das Andenken an die Maßregeln, mit denen dieſer Fürſt ein nach ſeiner Anſicht patriarchaliſches Erzie⸗ hungswerk an widerſtrebenden Untergebenen ausführte. Min⸗ der allgemein bekannt ſind die Schickſale des wackeren Johann Jacob Moſer.*) Doch ſind auch ſie als ein Denkmal deut⸗ ſcher Rechtszuſtände in der verworrenen Zeit des deutſchen Reichs einer bleibenden Erinnerung werth, indem ſolche Rück⸗ blicke auch für die Gegenwart ihre tröſtliche Seite haben. Zugleich führen wir das Bild dieſes Mannes deshalb vor, weil es wohlthuend iſt, den männlichen Charakter zu betrach⸗ ten, der ſich unter unverdienten Trübſalen den Frieden der Seele und den Muth zur Thätigkeit zu erhalten wußte. Moſer hatte ſich im Laufe eines überaus thätigen Lebens theils als Lehrer der Rechtswiſſenſchaft an den Univerſitäten zu Tübingen und Frankfurt an der Oder, theils als vielgele— ſener Schriftſteller im Fache des deutſchen Staatsrechts große Verdienſte erworben. Er beſaß den Ruhm, ein ebenſo ge⸗ wandter Geſchäftsmann als bedeutender Rechtsgelehrter zu
ſein, als er in ſeinem funfzigſten Lebensjahre einem mehrmals
dringend wiederholten Rufe in ſeine würtembergiſche Heimath folgte und 1751 die Stelle eines Landſchaftsconſulenten oder Geſchäftsführers und Rechtsbeiſtandes der Landſtände annahm. In einer Stellung, in die ihn das Vertrauen der Landſtände berief, erlangte ſeine unerſchütterliche Rechtlichkeit und Gerad⸗ heit auch die Achtung ſeines Landesherrn, der von ihm viele Landesangelegenheiten begutachten ließ, ihn zu vertrauter Unterredung zu ſich zog und ſich einige Jahre hindurch mit ſeinen Vorſchlägen und ſeiner nach vielen Seiten thätigen patriotiſchen Wirkſamkeit ſo zufrieden bezeigte, daß er in einem
ſeiner Schreiben die Aeußerung nicht zurückhielt:„Wollte Gott, es dächte ein jeder ſo patriotiſch, wie der Herr Con⸗
ſulent und Ich; es ginge gewiß Herrn und Lande wohl!“ Nicht lange darauf erhob ſich zwiſchen dem Herzog und
Principienſtreit.
brüchen des Zorns gegen die widerſtrebende Landſchaft. In
den herzoglichen Reſolutionen war die Rede von Hochverrath
und Majeſtätsverbrechen, und es ward die Forderung„eines unbegrenzten und unbeſchränkten Gehorſams“ ohne daß dies die Landſchaft zur Nachgiebigkeit bewegen konnte.
Am 12. Juli 1759 wurde Moſer durch einen geheimen Cabinetsſecretär nach Ludwigsburg abgeholt. Der Herzog außerte ihm:„Weil alle meine bisherigen Reſolutionen nichts
*) Wir theilen hier aus Schäfer's kleinen Schriften eine Darſtellung derſelben mit, da dieſe das Menſchenrecht mit Füßen
tretende Handlung allerdings mehr Aufſehn hätte erwecken ſollen,
als das Schickſal Schubart's, und in der That vielen Leſern nicht
genugſam als Charakterbild jener Willkürzeit bekannt iſt.
Die Redact.
gefruchtet haben, ſondern die Landſchaft mit ihren reſpects⸗ widrigen und ehrenrührigen Schriften noch immer fortfährt, ſo ſehe ich mich genöthigt, mich Seiner als des Concipiſten Perſon zu verſichern und Ihn nach Hohentwiel zu ſchicken. Ich werde die Sache durch die allerhöchſte Inquiſition unter⸗ ſuchen laſſen!“ Moſer erwiderte:„Ew. Durchlaucht werden einen ehrlichen Mann finden.“
Hohentwiel war eine kleine Bergfeſtung auf einem ein— ſam gelegenen Felskegel nahe der Schweizer Grenze, jetzt verlaſſen und in Trümmer zerfallen. Dort wurde Moſer in ein Zimmer geſperrt, das er vier Jahre lang nicht verlaſ⸗ ſen durfte. Erſt im fünften Jabre ſeiner Gefangenſchaft er— hielt er die Erlaubniß, zuweilen in Begleitung eines Officiers auf der oberen Feſtung herumgehen zu dürfen. Jeder Be⸗ ſuch war verboten; nicht einmal ein Prediger durfte zu ihm, ſelbſt dann nicht, als ihn eine Krankheit befiel, die ſein Leben ernſtlich bedrohte, und Niemand war, um ihn in ſeinen Lei— den zu pflegen. Seine Frau ſah er nicht wieder; erſt nach mehreren Monaten erhielt ſie mit Mühe die Erlaubniß, an ihn ſchreiben und ihm wenigſtens Troſt in ſeinen Kerker bringen zu dürfen. Sie ſtarb vor Gram im dritten Jahre ſeiner Gefangenſchaft. Jetzt erhielten auch die Kinder Er⸗ laubniß an den Vater zu ſchreiben.
Zu gleicher Zeit mit Moſer's Gefangennahme wurde ſein zweiter Sohn, der in würtembergiſchen Dienſten ſtand, jedoch mit den Angelegenheiten der Landſchaft nichts zu thun hatte, caſſirt, ohne des geringſten Vergehens beſchuldigt zu ſein. Als ihm darauf der Fürſt zu Iſenburg die Oberforſt⸗ meiſterſtelle antrug, ward ihm nicht erlaubt, die Stelle anzu⸗ nehmen; drei Jahre lang wurde er im Lande zurückgehalten und ihm dann erſt geſtattet, außer Landes zu gehen.
Niemand vermochte etwas für den unglücklichen Ge⸗ fangenen zu thun. Die Landſchaft machte von Zeit zu Zeit Vorſtellungen, erhielt aber kurzen, abſchlägigen Beſcheid. Die kaiſerliche Regierung, welche die Pflicht hatte das Geſetz im Reiche zu ſchützen, ſah in Moſer, der vor Kurzem die Rechte der Proteſtanten in Böhmen und Ungarn warm ver⸗ theidigt hatte, einen gefährlichen Feind. Es war überdies die Zeit des ſiebenjährigen Krieges. Würtemberg ſtand auf Seiten Oeſterreichs gegen Preußen, und eben bei jenen Geld⸗
bewilligungen, die man den Landſtänden zumuthete, handelte den Landſtänden über eine Geldforderung des Herzogs ein
Es kam zu harten Aeußerungen und Aus⸗
es ſich um die zum Reichskriege nöthigen Summen. Somit billigte Oeſterreich den geſetzwidrigen Schritt des Herzogs. Die von dieſem verſprochene gerichtliche Inquiſition fand niemals ſtatt. Moſer wurde nicht ein einziges Mal ver⸗
hört und erfuhr nicht die ſpeciellen Gründe ſeiner harten Haft. aufgeſtellt,
Weder Papier noch Schreibzeug waren dem Gefangenen bewilligt. Eine Bibel und eine Predigtſammlung waren an Büchern Alles, was ihm gelaſſen wurde. Er bat um einige geſchichtliche Werke, allein es wurde ihm abgeſchlagen. Unter den Andachtsübungen, mit denen er ſich ſtets ſehr eifrig beſchäftigte, fühlte er den lebhafteſten Trieb, geiſtliche Lieder zu dichten. Allein wie ſie aufzeichnen? Auf einige Stücke Papier, welches um Arzneien gewickelt war, punktirte er mit einer Stecknadel einige Verſe; aber es reichte nicht weit. Seine Frau ſchickte ihm eine kleine Schreibtafel; der Com⸗ mandant übergab ſie, aber ohne den Stift zum Schreiben. Moſer ſchrieb mit der Spitze einer Schuhſchnalle auf die
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