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582 Novellen⸗
geweſen und wie es ihm ſonſt gehe— wo er wieder angeſtellt ſei. Sein Schwiegervater habe ihm gewiß die beſten Zeugniſſe gegeben, da er ihn früher ja immer gerühmt. Mit Verwunderung hatte er die dürftige Kleidung gewahrt.
Firſt antwortete nicht. Statt ſeiner nahm Schultz mit einiger Lebhaftigkeit das Wort:
„Laſſen Sie den! Es wundert mich nur, daß er nach dem Anfall auf Vollert, der ohne Zweifel in gewaltthätiger Abſicht geſchah, noch den Muth hat, hier zu bleiben!“ 4
Der junge Mann wagte nicht, die Beſchuldigung zurückzuweiſen. Aſta ſenkte den Blick auf ihre Hand⸗ ſchuhe, während ihr künftiger Gatte den Kopf ſchüt⸗ telte:„Welche Idee!“
„Nicht ſo ungereimt, wie Sie meinen— nach den Antecedentien des Herrn zu ſchließen. Ich mochte davon nicht reden, um ihn nicht unglücklich zu ma—
ſagen, damit Sie mich nicht für hart und ungerecht halten gegen einen braven Soldaten. Natürlich hätte ich ihn nach ſeiner Rückkehr in mein Geſchäft wieder aufgenommen, wenn ſich nicht gerade damals— Un⸗ richtigkeiten herausgeſtellt in dem Buche, das er frü⸗ her geführt.“
Firſt's gelegt. Er ſchwankte, griff, wie um ſich zu halten, nach dem nächſten Stuhl. Eine augenblick⸗ liche Pauſe entſtand. Das junge Paar konnte nicht umhin, dieſe ſichtliche Schwäche für das Zeichen des
zog ſich mit einer flammenden Gluth. In die Stille hinein klang eine ernſte Stimme: „Das iſt nicht wahr!“
Niemand hatte Ottiliens Eintritt bemerkt. Sie ſelber erſchrak faſt über die Beſtimmtheit und die Lebhaftigkeit ihres unwillkürlichen Ausrufes.
leuchtete auf.
Empfindlich, ſo ohne Weiteres Lügen geſtraft zu werden, verſetzte der Kaufmann:„Mein Fräulein, Sie wiſſen nicht, was und wovon Sie ſprechen. Die Fälſchungen ſind vorhanden; daß ſie nur unbedeu⸗ tende Summen betreffen, verſchlägt bei einem recht⸗ lichen Manne nichts; wer im Kleinen nicht ehrlich und zuverläſſig iſt, wird es im Großen erſt recht—“ „Dann ſind es Irrungen, unbeabſichtigte.“ „Nein, auch nicht Irrungen, Fräulein,“ ſprach Firſt mit unſicherer Stimme.„Ich ſagte es ſogleich und beharre dabei: dieſe Unrichtigkeiten ſind abſicht⸗ lich in das Buch hineingebracht; von wem und zu welchem Zweck, das weiß ich freilich nicht.“
chen. Aber jetzt muß ich es zu meiner Rechtfertigung
Eine dunkle Wolke hatte ſich vor die Augen
böſen Gewiſſens zu nehmen, und Aſta's Antlitz über⸗
Firſt kehrte ſich ihr zu. Sein düſterer Blick lieferant— wir bedürfen durchaus nichts.“ Die Un⸗ oh w
Zeitung, Der alte Herr ſchien ihn nicht gehört zu haben. act oſt Ein Zugeſtändniß war allerdings nicht zu erwarten, aan nin die Behauptung aber gar zu abſurd, um ſie über⸗ Blei haupt zu beachten. Ui um Auch der Lieutenant konnte ihr unmöglich Ge⸗ 1SOtul wicht beilegen, fand das Thema, wie die ganze Si⸗ Manne jſ tuation zu peinlich, um nicht möglichſt ſchnell darüber im Bew hinweg zu gehen. Eine flüchtige Vorſtellung hatte and ihre ſchon ſtattgefunden, während Aſta ſich zu erholen be— Waſſende Wnu ſo fragte er denn jetzt Ottilie nach ihrer un voll utter. g „Sie iſt ernſtlich krank und ſchläft in dieſem die And Augenblick. Herr Firſt, Sie vergaßen— Die für wſic zum einen Moment in den Hintergrund gedrängte Sorge 1- machte ſich wieder geltend, trieb ihr die Thränen in nn, die Augen. Dennoch hatte ſie bemerkt, daß Firſt ſich 17 fortſchleichen wollte. hiliu „Verzeihung— ich war ſo erregt—“ Er griff ait d in die Taſche, zog eine Arzeneiflaſche hervor, ohne d zu gewahren, daß Vollert's Paßkarte ſich herausſchob. fichlim „Sie ſchlummert, konnte alſo doch nichts davon maft nehmen,“ bemerkte Ottilie und ſetzte dann ſo leiſe, ainem daß nur er es vernahm, hinzu:„Bleiben Sie noch!“ won un Die bittend aufgeſchlagenen Augen übten auf ihn eine alittag Gewalt, der er nicht widerſtehen konnte, ſo qualpoll hätte, ihm das Verweilen hier ſein mußte. Ia. „wWie leid iſt mir dieſe Krantheit!“ bedauerte aff der Lieutenant.„Hoffentlich geht ſie bald vorüber. die ihre Und vielleicht wäre es ihr doch wohlthuend, einen in die Freund und Waffengefährten des Sohnes zu ſehen.“ arhin; „Der Arzt hat jede Aufregung unterſagt,“ lehnte 21 k,F, Ottilie ab. 1 Mein liebes Fräͤulein! Bedürfen Sie bei der lunn Krankheit der Frau Mutter irgend welche Hülfe und 5 Unterſtüͤtzung, ſo bin ich von ganzem Herzen gern ſer dan bereit—“ ent d Stolz erhob ſie den Kopf.„Danke, Herr Hof⸗ 6 ruhe, mit der ihr Blick nach der Thür ſchweifte, deu⸗ laat tete genugſam an, die Beendigung des Beſuches di 8 würde ihr ſehr erwünſcht ſein. Headee Die Andern empfahlen ſich. Aſta hatte ſich mit anniu der Elaſticität ihres Temperaments aufgerafft. Die 3 Energie, mit der ſie das Köpfchen in den Nacken zu⸗ und 4 rückwarf, verrieth, daß ſie entſchloſſen ſei, Allem zu dehr trotzen, was etwa kommen möge, oder vielmehr, daß 3 ſie ihren Entſchluß gefaßt habe, dem Kommenden ſenan möglichſt wirkſam zu begegnen. un 8 Firſt würdigte ſie keines Blickes, gerade wie ihr un Vater. Reinhold nickte ihm mit etwas unſicherer 18 Freundlichkeit zum Abſchied zu. Er war offenbar un⸗ auhle eins mit ſich ſelber, was er glauben ſolle. Hatten ien; 9
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