—
—
576
helfen. Von dem Parlamente ſind ſchon 50,000 Pf. St. verlangt worden, um die am meiſten Entblößten zu unter⸗ ſtützen, und in der Colonie ſind Unterzeichnungen zur Unter⸗ ſtützung der Farmer in Kyneton, die am ſchlimmſten daran ſind, eröffnet worden. In allen Diſtricten ſtrengt man ſich
an, denjenigen zur Hülfe zu kommen, die ganz zu Grunde C.
gerichtet ſind.
Das Martyrium der Inden in Rom.
Wie die gegenwärtige Lage der Juden in Rom iſt, da⸗ rüber berichtet ein Herr de Carrien in der Opinion nationale folgendermaßen:„Die Juden müſſen im Ghetto wohnen; die⸗ ſer iſt ein niedrig gelegenes und ſchmutziges Quartier, das von der Tiber alle Jahre vier⸗ oder fünfmal überſchwemmt wird. Der Ghetto iſt für 1500 Perſonen groß genug, es wohnen aber zwiſchen 3000 und 4000 in demſelben; zuwei⸗ len ſchlafen 14 Menſchen in einem und demſelben Zimmer. Der Anblick iſt dann ein furchtbarer und abſchreckender. Es iſt den Juden nicht geſtattet, in irgend einem andern Stadt⸗ theile zu wohnen, und diejenigen, welche in einem andern Quartiere ſich anſiedeln wollen, werden mit ungeheuern Ab⸗ gaben belegt. In allen römiſchen Zeitungen ward kürzlich gemeldet, daß zwei Läden im Corſo geſchloſſen und die Waa⸗ ren confiscirt wurden, weil die Polizei erfuhr, daß ſie Juden gehörten, während chriſtliche Handlungsgehülfen den Namen zur Firma hergegeben hatten. Ein franzöſiſcher Uhrmacher moſaiſchen Glaubens wurde in den Ghetto verwieſen, und nur den Anſtrengungen des franzöſiſchen Geſandten gelang es, daß ihm weiter nichts geſchah. Noch heute dürfen die Juden nicht aus den öffentlichen Brunnen der Stadt trinken; ſie dürfen keine Ländereien beſitzen, ja nicht einmal ſolche be⸗ bauen. Juden können in Rom keine Advocaten, Notare, Aerzte, Stadträthe werden, oder ſonſt ein öffentliches Amt verwalten. Ein Jude darf nicht die höheren wiſſenſchaftli⸗ chen Inſtitute in Rom beſuchen oder einen akademiſchen Grad erlangen. Unter den ſchlimmſten Strafen, die in der neue⸗ ſten Zeit noch verſtärkt wurden, iſt ihm verboten, chriſtliche Dienſtboten zu halten. Ohne einen Paß darf er ſich nicht vor die Mauern der Stadt wagen, und kehrt er zurück, ſo muß er dieſen Sicherheitsbrief in die Hände des Vicars der Inquiſition wieder abliefern. Noch iſt den Juden unterſagt, bei Strafe von 30 Kronen, mit Chriſten ſich in freundſchaft⸗ liche Geſpräche einzulaſſen, und hierüber hat einzig und allein die Behörde ohne Verhör zu entſcheiden.— Welch ein Cul⸗ turzuſtand im heiligen Rom!“— Wenn die Richtigkeit dieſer troſtloſen Nachricht nicht zu bezweifeln iſt, ſo muß angenom⸗ men werden, daß Pio Nono ungefähr ſeit zwei Jahren von ſeiner loyalen Judenemancipation umgekehrt ſei, denn Grego⸗ rovius, der ausführlich über die Verhältniſſe der Iſraeliten in Rom geſchrieben hat, fand noch nicht Gelegenheit, den wahrſcheinlich erſt kürzlich eingetretenen Rückſchritt zu rügen.
Misrellen.
Die Diamantenminen von Golconda wurden im Jahre 1584, die von Colour in Oſtindien im Jahre 1640 und die von Braſilien im Jahre 1730 entdeckt. Ein in den letz⸗ teren ausgebeuteter Diamant, welcher dem König von Por⸗ tugal überſchickt wurde, wog 1680 Karat oder zwölf und
Novellen⸗Zeitung.
fünfhundert Millionen Francs berechnet. des Gouverneur Pitt wog ungeſchliffen 127 Karat, und nach⸗ dem er geſchliffen worden war, 106 Karat; er wurde für 3,375 Francs nach Frankreich verkauft. Ein Diamant, wel⸗ cher Aureng Zeb gehörte, wog roh 799 und nach dem Schliff 279 Karat. Sein Werth betrug 19,470,000 Francs. Ein Diamant des Großherzogs von Toscana wog 139 Karat. Man erzählt ſich, daß der Rajah von Matan auf der Inſel
eine halbe Unze, und ſein Werth wurde auf fünf—
Borneo einen koſtbaren Diamant von der Größe und Form
eines kleinen Hühnereies beſitzt, den er dem Gouverneur von Batavia, welcher ihm dagegen zwei große vollſtändig armirte und ausgerüſtete Kriegsbriggs und eine Summe von 3,375,000 Francs in Silber bot, abzulaſſen ſich weigerte. — e.
Vom deutſche.. Büchermarkt. In den Voralpen. München, Verlag von Gummi. Wir haben ſchon auf die beiden früher erſchienenen
Bände dieſes verdienſtlichen Werkchens aufmerkſam gemacht,
das in oft ſehr leſenswerthen Skizzen Geſchichtliches und Ethnographiſches aus Oberbaiern zur Beſprechung zieht.
Der anonyme Verfaſſer iſt ein wohlunterrichteter und
zugleich aufgeklärter Mann, der in den alten Chroniken ſehr
bewandert iſt und auch in Bezug auf Sprachforſchung beiſ vorkommenden Eigennamen unſeres Bedünkens nach häufig
das Richtige trifft.
Im vorliegenden Heftchen behandelt er feſſelnde Einzel⸗
heiten von den Ufern des Starnberger Sees. Der Fr⸗ der beſeelten Geographie und auch der der Alterthum
werden dieſe angenehmen Aufzeichnungen ſtets als Fundgrube ihrer Studien zu betrachten haben. O. L A
Deutſchlands Hort. Von Conrad von B landen. Mainz, Verlag von Franz Kirchheim.
Wenn eine hiſtoriſche Erzählung über die Zeit Friedrich des Großen nicht zur unbedingten Verherrlichung deſſelben geſchrieben iſt, ſo hat man deßwegen noch kein Recht zu ſagen, daß ſie im öſterreichiſchen Sinne abgefaßt wäre. So auch hier. Der Verfaſſer ſchildert Scenen in Wien, die er ir die Entſtehungszeit des ſlebenjührigen Krieges legt und worin er die Intereſſen und die Theilnahme Ungarns zu Gunſten Maria Thereſia's, welche ſelbſt eine Hauptperſon dieſer No⸗ velle iſt, zu ſchildern verſucht. Er ſtellt die politiſchen und moraliſch nicht zu rechtfertigenden Ungerechtigkeiten und di⸗ plomatiſchen Intriguen Friedrich's zwar ſehr grell, doch im
Ganzen nicht unrichtig in's Licht; andrerſeits aber dürfte die oft ausgeſprochene Idee, daß Oeſterreich mit ſeiner Cabinetspo⸗
litik immer ein Hort Deutſchlands geweſen ſei, doch wo etwas kühn und ſchwer zu beweiſen ſein. Die Schreibweiſe gewährt durch die Kenntniß des Stoffes Intereſſe.
Am ſiebenten December 1864. Novelle von Marie
r Inhalt: Roskowska.(Fortſetzung.)— Gedichte von Jakob Mähly.
Wo eines Weibes Hand gewaltet, Literariſche Briefe von Otto Banck. Feuilleton. Die wilden Bienen⸗ in Amerika.— Die eras im Volskerlande.— Der ſchwarze Montag.— Das Martyrium der Juden in Rom.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.
Früher Tod. Nachtblumen.—
Redigirt unter Verantwortlichkeit von Ollo Sriedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann in Leipzig.
—
Der Diamant
Viert
—


