Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
574
Einzelbild herunterladen

574 Novellen zerbrochener Thurm hervor. Die Thore ſind nicht minder von wildem Wein, Epheu und Brombeergeſtrüpp verrammelt und verbarrikadirt, als fürchteten die Blumen in Nympha einen Feind, der von draußen in die Stadt dringen wollte, wie ehemals der Saracen, oder das Soldheer Barbaroſſa's, oder des Herzogs Alba und der Colonna. Sie haben ſich völlig verſchanzt hinter Epheuwällen; vielleicht ſind es Nachts die wilden Schwärme von Meteoren und Irrwiſchen im pon⸗ tiniſchen Sumpf, welche die verzauberte Stadt belagern oder ſtürmen, um die Blumengeiſter drinnen in ihre Sümpfe zu entführen.

Jeder Platz und jede Straße ſteht noch da; zu ihren Seiten die verfallenen, vom Epheu umſponnenen Häuſer; manche palaſtartig, mit halbgothiſcher Architektur, einſt die Wohnungen des reichen Adels, der hier hauſte. Wunderbar ſehen die Kirchen aus, von denen noch vier oder fünf in Rui⸗ nen ſtehen. Aber wie ſoll ich ſie in Worten malen? Wie ſoll ich einen ſolchen braunen, zerſplitterten Glockenthurm mit ſeinen runden oder von kleinen Säulen getheilten Fenſtern, mit ſeinen mittelalterlichen Frieſen von ſpitzkantigen Ziegel⸗ ſteinen, und mit ſeinem romantiſchen Feſtſchmuck von Epheu und im Winde ſchaukelnden Blumen zeichnen? oder die märchenhaften Trümmer der gewölbten Niſchen und der Kir⸗ chenſchiffe ſchildern, die alle von Blüthenteppichen überhängt ſind? Dieſe Kirchen ſind alt, ſie gehörten dem elften oder zwölften Jahrhundert, wenn nicht einem früheren an, denn ihr Styl iſt von ganz einfacher Baſilikenform. In ihren öden Räumen beten nun die Blumen, und die Weihrauchfäſ⸗ ſer ſchwingen die bacchantiſchen Roſen. Von den Wänden und hier und da aus einer vom Epheu umſponnenen Tribüne blickt noch ein altes Frescobild herunter. Das ſind die Märtyrer mit ihren Palmen in der Hand und mit den Mar⸗ terwerkzeugen zu ihrer Seite. Den verlöſchenden Nimbus um das bleiche Haupt, in goldiger Dalmatica, mit der Stola um die Schultern, ſtarren ſie mürriſch aus den Blumenſchlei⸗ ern hervor, und ſcheinen ſich über den Heidendienſt zu ärgern, den nun die Kinder der Flora in dieſen verlaſſenen Kirchen aufzuführen wagen. Hier ſchallt keine Litanei des Mönchs mehr; nur der Käfer ſummt ſeine Sommerromanze fort und fort, und die Giille ſchrillt unabläſſig ihre anakreontiſchen Liebeslieder. Die Blumen und Käfer weichen nicht mehr aus dieſen Tempeln. Dem heiligen Bernhard wurde einſt geklagt, daß von einer Kirche des ſüdlichen Frankreichs, welche eben neu geweiht werden ſollte, zahlloſe Schwärme von Flie⸗ gen Beſitz genommen hätten und ſie nicht mehr verlaſſen woll⸗ ten. Sanct Bernhard ſagte darauf:ich excommunicire ſie! und ſiehe da, als die Boten in die Kirche heimkehrten, lagen alle Fliegen darin todt. Aber ſchwerlich würde es einem Heiligen gelingen, die Blumen aus den Kirchen Nym⸗ pha's zu excommuniciren, und ſo zornig ſich die gemalten Märtyrer darin geberden, ſchon kommt der Epheu geſchlichen und wird ſie bald völlig verſchleiert und eingemauert haben. Von manchem iſt bereits nichts mehr ſichtbar als der Zipfel ſeines Gewandes und der Name in alten lateiniſchen Charak⸗ teren, welcher unter Blumenranken ſeufzt: Sanct Kyſtus, oder Sanct Ceſarius, und Sanct Laurentius. Ich trat in die letzte dieſer Kirchen ein welch ein Anblick! Die ehe⸗ malige byzantiniſche oder alexandriniſche Moſaik des Bodens mit ihren Arabesken und Kreiſen oder Quadraten ſchienen nun die lebendigen Blumen nachzuahmen, und aus der Con⸗ feſſion, wo einſt die Gebeine des Heiligen lagen, wächſt nun fröhlich der indiſche Wein mit ſeinen blaurothen Beeren.

Ja, Blumen fehlen dem Chriſtenthum! Iſt es nicht Zeit,

Zeitung.

alle dieſe Märtyrer, Heiligen und morſchen Kreuzesbilder endlich einmal in Blumen zu beſtatten? Auf die Gräber der armen Büßer und Mönche und aller derer, die in der Zeit des finſtern Aberglaubens ſich geißelten und quälten, ſtreut ſie hier die Natur mit vollen Händen aus ahmte doch auch die katholiſche Menſchheit ihr nach und gäbe ſie den Todten Frieden und ein Blumengrab!

So fehlt auch hier nicht das Seitenſtück zu Pompeji. Wie ſich dort das claſſiſche Alterthum in den heitern Fresco⸗ bildern entſchieden ausſpricht, redet in Nympha zu dem ſtau⸗ nenden Wanderer die chriſtliche Epoche der Menſchheit auch aus Malereien auf den Wänden der Ruinen. Dort ſind es die mythiſchen, die reizenden Geſtalten des Lebens und der Luſt: Amoren, die am Weiher angeln, tanzende Satyrn,

Grillen, die ein Wägelchen kutſchiren, die ſchwebenden Bac⸗ chantinnen mit ihren weißen Schleiern, die Cymbeln ſchla⸗ gend, oder ein geheimnißvolles Käſtchen in den Händen, oder auf einer Fruchtſchale ſaftige Feigen erhebend doch im Pompeji des Mittelalters ſtellen die Fresken nur den Tod und den Schmerz dar; ſtatt jener fröhlichen Bilder ſind es die ſchwermüthigen Geſtalten der Katakomben, die mythiſchen Götter der Marter und der Pein, in Flammen, an's Kreuz geſchlagen, oder mit gefalteten Händen vor dem Henker knie⸗ end, der ſein Schwert ſchon erhoben hat. Ich wandelte dort umher, die Gedanken immer theilend zwiſchen Pompeji und dieſem Nympha. Beide Städte ſind wahre Bilderbücher von Charakteren ihrer Zeiten. Ich bin froh, daß ich dieſe Blu⸗ menromanze Nympha ſah.

Am Eingange der Epheuſtadt ragt noch das Caſtell auf, einſt Sitz der Barone, in deſſen Thurmverließen die Opfer des Feudalismus ſchmachteten. Maleriſch ſteigt der Thurm empor, viereckig, aus rothen und feſten Ziegeln gebaut, ſo feſt wie die Torre delle Milizie in Rom, und wie es ſcheint, aus derſelben Periode. In ſeinen Ritzen wohnt der Ruinen⸗ vogel, und um ſeinen zerfallenen Kamm, auf dem hoch ein Wald von Sträuchern ſchwankt, kreiſen die ſchrillenden Fal⸗ ken. Er ſteht ganz nah an einem ziemlich großen Weiher, der hier wie ein ſtygiſcher Sumpf am Eingang der Todten⸗ ſtadt ſich verbreitet; ihn umkränzt hohes Schilf. Das iſt hier ein mythiſcher Sitz, wie aus der Schattenwelt des Ae⸗ neas oder Ulyß. Der finſtere Thurm und andere Ruinen werfen ihr zitterndes Bild auf das ſtille Waſſer des Sumpfes. Das Schilf rauſcht ſo ſchwermuthsvoll. Manchmal ſchluchzt tief in ihm die Stimme eines Waſſerhuhns auf, wie die Seele eines Abgeſchiedenen, die in dieſem Hades wohnt und nach oben verlangt. Ich ſitze auf Trümmern und blicke in dies grüne Geiſterreich, dann empor zu den blauen entzückenden Bergen, auf denen die Cyklopenſteine Norba's und die Ca⸗ ſtelle ragen, dann über die pontiniſchen Sümpfe in das abend⸗ ſonnige Meer, dem funkelnd das Cap der Circe ſich entſchwingt. Sollte wohl die Zauberin Circe ihr Schloß drüben verlaſſen haben? Wohnt ſie vielleicht jetzt in Nympha? Wurde ſie zur Epheukönigin? So viel Epheu iſt hier mir ſchien es, als ſei dies Nympha die Epheu-⸗Rüſtkammer Italiens, und als verſorgten von hier die Epheugeiſter der Geſchichte alle Rui⸗ nen dieſes herrlichen Landes mit ihren Ranken.

Man muß hier ſitzen, wenn der Abend dieſe Epheuhal⸗ len und jede Ruine erſt in Purpur, dann in Gold taucht, und Berge, Meer und das Cap der Circe mit unſagbarem Farbenduft umſtrahlt doch ich will davon nichts ſagen, noch es ſchildern, wie dies Feenmärchen ſich geſtaltet, ſobald der Mond darin zu wandeln beginnt.

Aus dem Weiher ſtürzt der Quell Nymphäus. Er

ſceint ſi er einen ů in dieſeg walt des 4

wie von D Sedesſchi gliich einer llitend un dem Meer in änem von ihri Auf dem Gaetani

und den

1765 er Di kel. In der berüh tenaber 11 ſich ſeit d von Nyme haken. kunden, tro Gaet nach und Beſitzern Pergame ſo ganz fand inde lum. A jenem B Trümmel

Neympha⸗

viſſen moö

gern mit phäum, eit ſtanden ha phen gehei hielt, Se Namer 9e

Alte

thenberg vom Or ſunken. herbei u Feen. der Geſ ſehen ha