Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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meine Anſtrengung nur tüchtig von den Bienen zerſtochen zu werden.

In Südafrika giebt es einen Vogel, den ſogenannten Honigvogel, welcher die Hottentotten ſicher zu einem Bienen⸗ neſte führt. Von dem gellenden Geſchrei des Vogels geleitet, folgt der Jäger demſelben, giebt ſich Mühe, denſelben immer im Geſicht zu behalten, und verfolgt ſeinen Curs, wohin der⸗ ſelbe auch immer führen mag. In Amerika giebt es keinen ähnlichen Vogel, und wer Honig finden will, der entdeckt die Bäume entweder zufällig, oder er jagt auf Bienen in der Weiſe, die ich nachſtehend beſchreiben will.

Es war ein wunderſchöner Herbſtmorgen, als ich aus⸗ zog, um verabredetermaßen Tony Sneed den Bienenjäger auf einer Prairie in der Nähe vom Ufer des San⸗Bernard⸗ Fluſſes zu treffen. Tony traf pünktlich zur anberaumten Zeit ein, eine gute Axt mit gekrümmtem Stiele in der Hand, einen blechernen Eimer auf der Schulter, begleitet von ſeinem

Sohne, einem hochaufgeſchoſſenen täppiſchen Burſchen von ſetzte. ſiebzehn oder achtzehn Jahren, der ebenfalls eine Axpt und und ward ebenſo mit Schwefel beſtäubt,

etliche Eimer trug. ausgetauſcht, als Tony raſch den Arm ausſtreckte, welchen er durch den Bogen des Eimers geſteckt hatte, und ausrief: Dort fliegt eine Biene gerade nach jener Waldſpitze zu; es war eine eintragende Biene, ſetzte er nachdenklich bei,denn ihre Schenkel waren ſo gelb wie die eines californiſchen Gold⸗ wäſchers. Ich kann an einem hellen Tage eine Biene auf eine ſehr große Entfernung hinſehen; aber ſei dem wie ihm wolle, diesmal haben wir eine auf ihrem geraden Flug nach dem Neſte ausgemacht.

Seine Zurichtungen überraſchten mich durch ihre wun⸗ derbare Einfachheit. Eine alte Blechkapſel, wie man ſie in Amerika mit Zündhütchen gefüllt verkauft, war ungefähr zur Hälfte mit Honig gefüllt; dieſe und eine gewöhnliche blaue Untertaſſe, ein Weinglas und ein kleines Fläſchchen voll Schwefelblüthe bildeten Tony's ganzes Handwerkzeug und Betriebscapital.

Blaue, gelbe, rothe und weiße Herbſtblumen ſchmückten die Prairie und zwiſchen denſelben ſchwirrten mehrere Bienen herum. Manchmal waren vier oder fünf auf einer einzigen Pflanze, und wenn Tony's Blick auf ſie fiel, machte er wohl die Bemerkung:dieſe da ſind beinahe immer von einem Baume; aber ich brauche verſchiedene zerſtreute Bienen, die

b

Novellen⸗eitung.

näherte ſich vorſichtig, Zoll für Zoll, der Taſſe, ſtülpte dann plötzlich mit einer geſchickten Bewegung das Trinkglas über die Bienen und über dieſes wieder ſeinen Hut, weil ſie, wie er bemerkte, im Dunkeln fleißiger arbeiteten. Nach etwa drei Minuten nahm Tony ſeinen alten wettergebräunten Hut wieder hinweg, und unterſuchte die erſte Biene, welche ſich auf ſeine Untertaſſe geſetzt hatte, worauf er nach vorge⸗ nommener Beſichtigung das Inſect fürgefüllt erklärte. Hierauf nahm er eine Priſe Schwefelblumen zwiſchen Dau⸗ men und Zeigefinger ſeiner rechten Hand, erhob die Unter⸗ taſſe in ſeiner Linken und belauerte die Biene, bis ſie ſich zum Wegfliegen anſchickte, und in dem Augenblick, wo ſie aufflog und den Rand der Taſſe gerade verlaſſen hatte, be⸗ ſtäubte er ſie leicht mit dem Schwefel.Das wird einen Lärm in dem Bienenſtocke abgeben, wenn dieſe Biene da heimkehrt, ſagte Tony;ſie iſt gerade nach demſelben Orte geflogen, wie die erſte, die ich bemerkte, ehe ich die Taſſe hin⸗ Einige Minuten ſpäter flog eine andere Biene fort, wie die erſte; auch

Wir hatten kaum unſere Begrüßungen dieſe flog nach des Bienenjägers Ausſage in derſelben Rich⸗

tung davon, wie die andere. Eine dritte wurde in derſelben Weiſe behandelt; allein unähnlich der vorigen flog ſie nach einem andern Punkte des Waldes, was Tony die Ueberzeu⸗ gung gab, daß ſie zu einem andern Honigbaum gehörte. Der Bienenjäger ſprach ganz zuverſichtlich aus, daß er die Bienen noch lange, nachdem ſie aus unſerm Geſichtskreis entrückt waren, ſehe; und obſchon meine Augen eine lange

Lehrlingszeit in der Verfolgung von allem möglichen Wild⸗

pret im Wald und auf der Prairie durchgemacht hatten, ſo half mir doch alle Anſtrengung nichts, denn ich verlor auf weniger als zweihundert Schritte Entfernung jede Biene aus dem Geſicht, ſo daß meines Erachtens Tony Sneed nur durch eine ſehr lange und unaufhörliche Uebung ſein ungemein ſcharfes Geſicht hatte erlangen können.

Nachdem er ungefähr zweihundert Schritte rechts von unſerer erſten Stellung weiter gegangen war, richtete der Bienenjäger abermals ſeine Untertaſſe mit dem Honig her, fing einige Bienen und wiederholte ſein Experiment. Dies⸗ mal geſchah es, um den Winkel zu bekommen, was, wie ich mir hernach erklären ließ, in folgender Weiſe geſchah: der Ortsſinn ſcheint bei der Biene ſo ſtark entwickelt zu ſein, daß ſie, wenn ſie ſich mit Honig beladen hat, alsbald in einer

ich nach der Linie und nach den Winkeln verfolgen kann. geraden Linie nach Hauſe aufbricht, eine Eigenthümlichkeit,

Ich bildete mir ein, ich wiſſe was er unter nach der Linie verſtehe, denn ich wußte, daß die Biene immer ſchnurgerade nach ihrem Ziele hinfliegt, und mit der Bezeich⸗ nungim Bienenflug will der amerikaniſche Jäger immer die geradeſte und kürzeſte Richtung von einem Punkte zum andern bezeichnen. Was aber eine Verfolgung nach dem Winkel bedeute, ging über mein Verſtändniß, und ich fragte daher Tony, was denn dies heißen ſolle.Na, wenn Ihr ein Bischen Geduld habt, gab er mir zur Antwort,ſo könnt Ihr dies gerade ſo gut ſehen, als ich es Euch zu erklä⸗ ren vermöchte.

Da er mich wegen meiner Neugier gewiſſermaßen geta⸗ delt hatte, ſo konnte ich Tony's Verfahren fortan nur ſchwei⸗ gend beobachten. Er drehte den blechernen Eimer um, ſetzte ihn verkehrt auf den Boden und ſtellte darauf die Unter⸗ taſſe, in welche er einen halben Theelöffel voll Honig goß, worauf er einige Schritte zurücktrat und geduldig wartete.

Der Geruch des Honigs lockte bald erſt eine Biene heran, dann eine zweite und dritte, und binnen Kurzem waren fünf Bienen auf dem Honig in der Untertaſſe beſchäftigt. Tony

der Verfolgung welche, wie ſchon erwähnt, den amerikaniſchen Jägern ſo wohl

bekannt iſt, daß ſie bei einem raſchen Aufbruch zu ſagen pfle⸗ gen: wir wollen in einer Bienenlinie nach Hauſe oder da oder dorthin reiten, wohin ſie gerade raſch zu kommen wün⸗ ſchen. Wenn aber ein Bienenjäger die gerade Linie der heimfliegenden Biene aufgefunden, ſo hat er erſt die Hälfte ſeiner Aufgabe erfüllt, denn die Heimath der Biene kann zwei⸗ bis dreitauſend Schritte tief im Walde liegen; nimmt er aber eine andre Stellung und eine friſche Biene und be⸗ merkt ſich, wo der Punkt ſein dürfte, an welchem ſich die von den beiden Bienen beſchriebenen Fluglinien durchſchneiden, ſo kann er ziemlich genau beurtheilen, wie tief im Walde der Bienenſtock iſt, da beide Bienen, wenn ſie zu demſelben Ho⸗ nigbaum gehören, von ihren entgegengeſetzten Ausgangspunk⸗ ten aus nach dem kleinen Loche convergiren werden, durch welches ſie ihre Behauſung in dem großen Aſte irgend eines Waldbaums betreten. Langjährige Uebung ſetzt den Bienen⸗ jäger in den Stand, dies in der Hälfte der Zeit zu ermitteln, welche ich zu meiner umſtändlichen Erklärung nöthig hatte. Der Jäger rafft daher ſeine verſchiedenen Geräthe auf, und

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