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Vierte Folge.
Drum wohl euch, die der Nacht Getreu ihr bleiben dürft,
Und ſtatt aus Lappenpracht
Aus Dunkel Liebe ſchlürft,
Aus Dunkel, farbelos,
Das all' die Flitterſcheine,
Das Lärmende, Gemeine Verſenkt in ſeinen heil'gen Schooß.
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Salvator. Eine Verjüngungsgeſchichte von Carl Cubaſch. Leipzig, Verlag von Bernhard Schlicke. 1865.
So zahlreich auch die vielen Themas ſind, welche
gegenwärtig für die Romanliteratur hervorgeſucht wer⸗
den, ſo laſſen ſie ſich doch endlich erſchöpfen und die
Verfaſſer müſſen nach neuen Motiven ſuchen. Es kann Sie nicht Wunder nehmen, wenn dabei ſehr unge⸗ wöhnliche und oft weit hergeholte zu Tage treten. Dieſe haben noch außerdem für die Maſſe der Leſer und für die Schriftſteller beſondere Reize. Für jene den der Seltſamkeit und für dieſe den einer möglichſt freien Behandlung. Sie hat Aehnlichkeit mit derje⸗ nigen, welche man ſich bei mittelalterlich romantiſchen Darſtellungen zu erlauben pflegt.
e Carl Cubaſch hat die auch ſchon im Mit— telalter übliche geheimnißvolle Kunſt der Transfuſion zum Gegenſtande gewählt, wenigſtens bildet ſie die Haupthandlung ſeines Romans. Der Verfaſſer ſcheint der Chemie oder Medicin nicht ganz fern zu ſtehn, und wir wollen annehmen, daß ihm von dieſer Seite her ſein Stoff nahe getreten iſt.
Man kann nicht leugnen, daß die auch neuer⸗ dings wieder aufgetretene und mit verſchiedenen Er⸗ perimenten verfolgte Idee, die Lebenskräfte eines al⸗ ten oder ungeſunden, blutarmen Organismus durch Infiltration geſunden jungen Blutes in eine geöffnete Hauptader zu erfriſchen und zu verjüngen, ein wiſ⸗ ſenſchaftliches Intereſſe verdient. Es liegen darüber noch bei weitem nicht genug Verſuche vor, um auch nur ein annähernd beſtimmendes Urtheil über die mögliche Tragweite dieſes Mittels feſtſtellen zu kön⸗ neu. Ohne Zweifel wird ſich die nächſte Zeit mit dieſer wiſſenſchaftlichen Frage viel zu thun machen. Es dürfte ſehr mißlich ſein, ob es wirklich den Or⸗ ganismus erneut, wenn man treffliches Blut in Ge⸗ fäße ſpritzt, die bereits abgenutzt und für den inne⸗ ren Verfall, für die Zerſetzung reif ſind. Viel wahr⸗ ſcheinlicher möchte es überhaupt ſein, daß ein geringes
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Quantum krankes Blut das geſunde krank, als daß eein geringes, ja ſelbſt ein größeres Quantum geſun— des das kranke geſund macht; denn man kann be⸗ kanntlich mit einem einzigen Glaſe gegohrenen Weins ein ganzes Oxhoft klaren zum baldigen Unſchlag bringen; lächerlich würde es aber ſein, wollte man als umgekehrten Fall mit ein paar Flaſchen klaren ein Faß verderbenden retten. Blut iſt nun zwar ein ganz beſonderer Saft, aber er bleibt wie jeder hun⸗ dert chemiſchen Proceſſen unterworfen. Sehr intereſ⸗ ſant mußte es ſein, den Nutzen und die gefahrloſe Möglichkeit der Transfuſion angenommen, wenn man ſich durch Experimente unterrichten könnte, was das Blut verſchiedener Thiergattungen in verſchiedenen Menſchen für pſychiſche Wirkungen hervorbrächte, wenn hiebei wirklich von pſychiſchen Wirkungen die Rede ſein kann. Das Blut der Schäflein, Ziegenböcklein und klugen Pudelhunde müßte ſich in manchen Per⸗ ſonen ganz beſonders gut machen, und bei vielen deutſchen Schriftſtellern würde ich es ſehr wünſchens⸗ werth finden, wenn man ihnen Fiſchblut mittheilte. Welche ſegensreiche Wirkung ginge daraus hervor, wenn ſie nur eine von den Eigenſchaften der lieben Fiſche dadurch erhielten: ich meine die Stummheit! Ein paar Hundert der redſeligſten Autoren und ganz beſonders auch Schriftſtellerinnen ſtumm wie die Kar⸗ pfen durch's Leben ſchwimmen zu ſehen, wäre nicht blos ein Triumph der Transfuſion, ſondern der Cul⸗ tur überhaupt. Und noch mehrere höchſt zweckmäßige Beſtrebungen ähnlicher Art ließen ſich ins Werk rich⸗ ten, denn lebt nicht immer in Europa irgend ein Miniſter, dem zu viel kriegeriſcher Eigenſinn im Tem⸗ peramente ſteckt und deſſen diplomatiſcher Charakter durch einige Unzen Kaninchenblut menſchenfreundlich abgemildert werden könnte, während mancher General durch das Blut eines Tigers ſich zum Mac⸗Mahon machen würde? Welche impoſante Errungenſchaften ſchon an Geſunden, von der Lebensrettung Kranker und der Erneuerung abgelebter Greiſe und der ſchö⸗ nen Verjüngung alter privater und weltgeſchichtlicher Weiber gar nicht zu ſprechen! Das Räthſel Fauſt's wäre gelöſt, und man könnte ſein Leben mit Behag— lichkeit und im dauernden Lenze auf hundert Jahre bringen und den Senſenmann immer wieder von den reifen Aehren fortjagen, indem man ſie wieder ſchön grün machte. Wenn dieſer Zuſtand eingetreten iſt, dürfte unſer Planet die Weltreife haben, und es ais, wie Smetana ſagt, Zeit für ihn, ſich ruhig wieder in die Sonne hineinzuſtürzen.
V Herr Carl Cubaſch iſt nun in ſeinen Ausfüh⸗ rungen ſo weit nicht gegangen, ſondern hat nur das uygſc Problem benutzt, um es als eine roman⸗


