Jahrgang 
27-52 (1865)
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Bruſt. Dann verſchwindet er plötzlich. Eine jener Baſſermann'ſchen Geſtalten, die bei Gelegenheiten wie dieſe und auch ſonſt wohl in Berlin auftauchen, bricht ſich mit Gewalt eine Gaſſe durch die zeternde Menge, einige Straßenjungen hinterdrein und ſchnell, ehe die Menſchenmenge wieder zuſammenfluthet, hinter der ſchmalen Furche Herr Vollert.

Hätte Ottilie Zeit dazu, ſie würde Betrachtun⸗ gen anſtellen, daß ſie Recht gehabt, zu meinen, ihres Miethsmanns Aufmerkſamkeit für ſie ſei nur ſehr vorübergehender Natur. Hier iſt indeß nicht der Ort zu dergleichen Gedanken überhaupt. Ihre Mutter iſt ohnmächtig geworden.

Wahrhaft beängſtigend für Jeden, der nicht Ber⸗ liner Kind iſt, war es, als nach Beendigung des Zu⸗ ges die Menſchenmaſſen ſich in Bewegung zu ſetzen und durcheinander zu wälzen begannen. Wohl dem, der ſchon vor dem ärgſten Gedrang» Unter den Lin⸗ den fort um die nächſte Ecke ſich zu flüchten ver⸗ mochte! Welche Gefahren drohten die Prellſteine und Laternenpfähle, Rinnſteine und Böcke, womit der Fahrweg geſperrt! Zu ſchauen und zu ſchwatzen gab's noch für lange Zeit genug. Da die abziehenden Ge⸗ werke, hier Vater Wrangel mit dem Lorbeerkranz, womit Se. Majeſtät ſelber ihm den Helm zu ſchmücken geruhten, dort gar in weißer Uniform, mit dem brei⸗ ten Orange⸗Ordensbande über der Schulter, ein ho⸗

her, ſtattlicher Mann, aus der Nähe des Königs

heimkehrend in das Hotel in der Wilhelmsſtraße, das er bewohnt, noch immer bewohnt, obgleich kein klei⸗ ner Bruchtheil des Volkes ihn gerne ausziehen ſähe aus beſagtem Hotel, das übrigens kein Gaſthaus im gewöhnlichen Sinne des Wortes iſt.

Doch keine Politik und alſo auch keine Räthſel!

Die ehemalige Koöchin ſtrebte dem Gensd'armen⸗ markte zu, in jeder Hand eine Hälfte ihres Kinder⸗ ſtühlchens, das, nachdem es glücklich ihre Laſt getra⸗ gen im Gedrangs, bei einem Stoß gegen einen Eck⸗ ſtein geborſten war.Ei ſieh, da treffe ich Sie wie⸗ der. Ja, was ſich von Bekannten ſeit zehn Jahren nicht geſehen hat, das begegnet ſich heute, an dieſem ſiebenten December 1864.

Der Angeredete, welcher in ſichtlicher Ungeduld vor einer Conditorei ſtand, hörte ſie nicht, wendete ſich raſch ab; nicht aus Stolz oder Scham, wie ſie

zuerſt gemeint, ſondern auf eine andere Anrede hin.

Ein junges Mädchen in Trauer trat eben erregt, mit glühenden Wangen, aus der Conditorei.

Gottlob, da ſind Sie noch, Herr Herr ich weiß nicht einmal Ihren Namen. Aber ich habe eine Bitte, eine große Bitte

Novellen⸗Zeitung.

Ihre Frau Mutter? fragte er theilnehmend, als ſie innehielt.

Hat ſich ein wenig erholt möchte nach Hauſe. Als ich nun aber die Erfriſchung bezahlen will, da da ſuche ich vergebens nach dem Portemonnaie; es iſt fort, wurde der Mutter im Gewühle gewiß aus der Taſche gezogen, und nun bin ich ſind wir in Verlegenheit

Sie war wirklich nicht allein in Verlegenheit der junge Mann nicht minder, vielleicht in noch größerer.

Lebhaft betroffen gewahrte ſie ſeine peinliche Verwirrung, fühlte die ihrige noch wachſen und ver⸗ mochte die beabſichtigte Bitte nicht hervorzubringen.

Es bedurfte deſſen freilich auch nicht. Von einer Idee durchblitzt, richtete er ſich entſchloſſen auf. Da tauchte eben Vollert aus dem Keller eines Reſtau⸗ rants auf.Gehen Sie nur hinein, Fräulein Be⸗ nedikt! Ich komme ſogleich nach.

Sie verſchwand in der Thüre.

Es muß eben ſein! murmelte er zwiſchen den Zähnen. Er ſtellte ſich Vollert entgegen; der Drang des Augenblicks geſtattete nicht, deſſen zu gedenken, was zwiſchen ihnen lag. Er ſprach ihn um ein klei⸗ nes Darlehn an.

Vollert hatte unwillkürlich die Hand auf die Bruſttaſche gelegt.Welche Idee! Ich ich habe zufällig unglücklicherweiſe kein Geld bei mi mit ſchoß er an ihm vorüber.

Aber der Brief! Den Brief haben Sie bei ſich. 2

Er war ſchon fort.

Erbleichend unterdrückte Firſt einen zornigen Aus⸗ druck, der ja nichts gefruchtet, nur die allgemeine Aufmerkſamkeit auf ihn gelenkt hätte.

Laſſen Sie den Schubiak laufen. Frau Jette Krupp war neugierig ſtehen geblieben, die kleinen Scenen beobachtend. Sie ſtieß ihm mit den Fuß des Kinderſtühlchens wohlwollend in die Seite.Ich borge Ihnen den Thaler zweie wenn Sie wol⸗ len. Jott, warum ſoll man alten Bekannten nicht gefällig ſein, wenn man's kann, übrig hat?

Dunkle Röthe brannte auf ſeinem Geſicht, als er das Geld in Empfang nahm.Eine Dame, die mit mir in demſelben Hauſe wohnt, die Forſtmeiſter Benedikt, iſt unwohl geworden, entgegnete 3ich hole eine Droſchke.

Mit ſchlauem Lächeln blickte ſie ihm und trat dann ſelber in die Conditorei. Es iſt erſtaun⸗

lich, wie angeſtrengtes Sehen und Hören und vollends patriotiſche Rührung und Begeiſterung auf die Ver⸗

dhnaorgene wirkt. Sie hatte entſetzlichen Hunger. Daß Andere darin mit ihr ſympathiſirten, be⸗

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