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vorgeht, als Sie denken. Die Religion iſt durch ein Decret weggefegt worden und ſchläft einen ewigen Schlaf, und es giebt weder einen Gott, noch einen Teufel mehr; und da dem ſo iſt, ſo will ich mein Leben zu genießen ſuchen.“
„Das iſt ganz wahr,“ fiel der Officier mit einem nach⸗ drücklichen Schwur ein,„und wie ich ſehe, haſt Du ganz Recht. Aber während wir hier plaudern, mag der Mann uns entwiſchen. Hier, Wache, ergreift und bindet dieſe Leute, ausgenommen dieſes Mädchen, und dann wollen wir den Ariſtokraten feſt nehmen.“
Ganz natürlich war an keinen Widerſtand zu denken, und in wenigen Minuten ſahen die Dame des Hauſes und drei Perſonen der Dienerſchaft ſich gebunden, und dann ſagte der Officier lachend zu Fanchette:
„Nun, Mädchen, zeige uns den Weg zu Deiner ſüßen Couſine.“
Dem Capitaine Lavergne war indeſſen die ihm drohende Gefahr nicht unbekannt geblieben. Er hatte von ſeinem Fenſter aus die Soldaten auf das Haus zukommen ſehen und er vermuthete ganz richtig, daß ſie ſich ſeiner Perſon zu be⸗ mächtigen wünſchten. Was war zu thun? Sein Zimmer
war ſo gelegen, daß er die Treppe nicht hinunter gehen und
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entfliehen konnte, ohne von der Dienerſchaft geſehen zu wer⸗ den; und wenn er verrathen worden war, wie er vermuthete, ſo würde zuerſt nach der Couſine Fanchettens gefragt werden, und die Leute im Hauſe, die ſeinen eigentlichen Charakter nicht kannten, würden dann gar kein Bedenken dabei haben, zu ſagen, wohin er gegangen ſei; und wenn er nicht verrathen war, ſo war er vielleicht in ſeinem Zimmer eben ſo ſicher als an irgend einem andern Orte. Dennoch war er ſehr aufge⸗ regt und beunruhigt und ſein Geiſt beſchäftigte ſich ſehr thä⸗ tig, um Mittel für ſeine Vertheidigung oder Rettung aufzu⸗ finden. Er hatte ein paar geladene Piſtolen in ſeinem Beſitz und ſein erſter Gedanke war, die Thür ſeines Zimmers zu verbarrikadiren und ſein Leben ſo theuer wie möglich zu ver⸗ kaufen, doch indem er ſich im Zimmer umſah, bemerkte er das Kamin und er ſah, daß der Schornſtein weit genug war, um ſeine Perſon aufzunehmen. Er ſah das Ende des Schorn⸗ ſtein im Dache; es erſchien ihm wahrſcheinlich, daß er ſich auf dieſem Wege retten könne, und er beſchloß den Verſuch zu machen, da er ſchwerlich in eine gefährlichere Lage kommen konnte, als die war, worin er ſich jetzt befand. Seine erſte Abſicht war, die Thür zu verrammeln und ſeine Feinde ſo lange wie nur möglich aufzuhalten; aber die Ueberlegung eines Augenblickes überzeugte ihn, daß das ihnen nur um ſo gewiſſer den Weg ſeiner Flucht zeigen würde, während, wenn es ihm gelänge, das Dach zu erreichen, während die Thür offen war, die Soldaten ganz natürlich vermuthen würden, er ſei auf irgend einem andern Wege als durch den Schorn⸗ ſtein entflohen.
Capitain Lavergne nahm ſeine Piſtolen mit ſich und kletterte eilig in den Schornſtein hinauf und zwar mit der Abſicht, das Dach zu erreichen und dort wo möglich ſich bis zum Eintritt der Nacht oder bis zum Ende des Nachſuchens zu verſtecken, aber als er etwa 8 oder 10 Fuß hoch geklettert war, entdeckte er zu ſeinem angenehmen Erſtaunen eine Sei⸗ tenöffnung oder Blende, wie ſie öfters in den alten Schorn⸗ ſteinen angebracht waren, um nöthigenfalls einen andern Rauchgang hineinleiten zu können, und dieſe Blende war groß genug, um ihn jedem Blicke zu verbergen, der von unten in den Schornſtein geworfen werden möge, um ihn darin zu entdecken.
Er verſteckte ſich daher ſchnell in derſelben und wickelte
Novellen⸗Zeitung.
ſeine weibliche Kleidung dicht um ſich herum, damit nicht zu⸗ fällig von der ſuchenden Partei etwas davon entdeckt werden möge, und dann athmete er etwas freier, obgleich er durchaus nicht ganz frei von Furcht war. Plötzlich erſchreckte ihn eine neue Idee. Er befürchtete, bei dem Heraufklettern in dem Schornſtein möge von den Seiten viel Ruß hinabgefallen ſein, was leicht zur Entdeckung ſeines Verſtecks führen könne, doch ein Blick auf ſeine Kleidung und hinab in den Kamin überzeugte ihn, daß er in Bezug darauf ſich keine Sorge zu machen brauchte, denn dieſes Kamin war nur höchſt ſelten be⸗ nutzt worden und in Folge deſſen waren ſeine Kleider ſehr wenig beſchmutzt und unten konnte er keinen Schmutz entde⸗ cken, um eine beſondre Aufmerkſamkeit zu erregen.
„In jedem Falle,“ dachte er,„hahe ich meine Piſtolen bei mir, entweder für mich ſelbſt oder meine Feinde, und ſicher ſoll es denſelben nicht gelingen, ſich meiner zu bemächtigen, ſo lange ich noch lebe.“
Capitain Lavergne brachte nicht lange in ſtiller Erwar⸗ tung zu, denn er hörte die Soldaten, die von dem verrätheri⸗ ſchen Mädchen geführt wurden, in ſein Zimmer eintreten.
„Achl er iſt entflohen!“ rief die Letztere in einem be⸗ unruhigten Tone aus.
Der Officier ſchwor einige heftige Flüche und fragte wild, auf welchem Wege er entflohen ſein könne.
„Entweder den Schornſtein hinauf oder er hat ſich irgendwo in dem Hauſe verſteckt,“ ſagte Fanchette.„Vor wenigen Minuten war er noch hier und ich bin ſicher, daß er noch nicht weit gekommen ſein kann.“
„Schnell, Leute, fliegt umher und jagt ihn, denn hier iſt er nicht!“ rief der Officier, der in den Schornſtein hin⸗ auf geſehen hatte.„Zwei von Euch laufen hinaus und ſehen, ob er ſich auf dem Dache befindet, und die Uebrigen durchſu⸗ chen das ganze Haus. Wenn wir ihn nicht finden können, ſo wollen wir das Haus niederbrennen!“
Es wurde eine eilige Durchſuchung des Zimmers, n die Soldaten waren, der Ca pitain Lavergne die Soldaten in verſchiedenen Theilen des Hauſes Thüren öffnen und zuſchmeißen, rufen, fluchen und Aehnliches mehr treiben. Er fühlte ſeine Lage nun als eine ſehr kritiſche, denn ſollte das Haus wirklich in Brand geſteckt werden, ſo fürchtete er, es möge für ihn keine Rettung mehr geben. Nach einer Weile hörte der Lärm und das Geräuſch auf und er zitterte vor der Erwartung, irgend etwas zu ſehen oder zu hören, was ihm anzeigte, daß die Soldaten Feuer an⸗ gelegt hätten, und er beſchloß nun, einen andern kühnen Ver⸗ ſuch für die Rettung ſeines Lebens vorzunehmen. Er nahm an, daß die Soldaten, welche fortgeſchickt worden waren, um zu ſehen, ob er ſich auf dem Dache befinde, längſt zu den Ue⸗ brigen zurückgekehrt ſein würden, und er faßte deshalb den Entſchluß das Dach zu erreichen und, wenn er es thun könne, ohne entdeckt zu werden, von dort einen Sprung in das dichte Gebüſch hinter dem Hauſe zu wagen.
Im Verlauf von einigen Minuten war dies gefährliche Mittel glücklich ausgeführt, und Capitaine Lavergne fand ſich auf dem Erdboden außerhalb des Hauſes vielfach zerquetſch, und verletzt, doch nicht gefährlich verwundet. Er hörte nun im Innern des Hauſes laute Stimmen und entfernte ſich ver⸗ ſtohlen durch das dichte Gebüſch bis zu einer entfernten
Mauer, wo er ſich in dem Gebüſch niederlegte und in ängſt⸗
licher Erwartung den weitern Verlauf abwartete.
Dieſes Reſultat war etwas ſonderbar und für ihn und ſeine Freunde weit befriedigender, als Jemand von ihnen zu hoffen gewagt hatte. Wie es ſchien, wurde der Officier, dem
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