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mecklenburgiſchen Geſchlechts der Grafen Hahn, die ſo viel wunderlich bizarre Ariſtokratennaturen aufzu⸗ weiſen haben. Ihr Vater ruinirte ſich durch die Ma⸗ rotte, Schauſpieldirector zu ſein und doch Ariſtokrat zu bleiben; einer ihrer Verwandten ſchlug ſein gan⸗ zes Vermögen in Berlin als echter Junker todt. Ein⸗ mal begegnete er in ſeinem prächtigen vierſpännigen Aufzuge der alten Kaleſche des Königs Friedrich Wilhelm III., ohne dieſen zu erkennen. Er fuhr den König heftig darüber an, daß dieſer ihm nicht aus⸗ weiche.„Wiſſen Sie denn nicht,“ ſagte er,„daß ich der reiche Graf von Hahn bin?“—„So?“ entgeg⸗
nete der Monarch;„ich bin nur der arme König von
Preußen,“ und er ließ ausbiegen.
Nicht minder bizarr war die Schriftſtellerin Hahn⸗ Hahn, die ihre Bücher ſchrieb, wie andere Leute ſpa⸗ zieren gehn, um Luft zu ſchöpfen; die weiter keinen Werth darauf legte, als den, die Leere ihrer Exiſtenz auszufüllen, und doch ſich Alles darauf zu Gute that, bewundert zu ſein. Sie verachtete alle übrige Welt, nur ſie ſelbſt war ihre Gottheit und ihr maß⸗ loſer, ganz eigenartiger Stolz beugte ſich vor Nie⸗ mandem. So ſpielte auch in all' ihren liederlich und nachläſſig gearbeiteten Romanen immer das unbefrie⸗ digte, ſich ſelbſt vergötternde Weib die Hauptrolle; wahre, echte Männer kannte ſie nicht, malte ſie daher auch nicht. Launiſch und von dieſem weiblichen Jun⸗ kerthum erfüllt, ſtieß ſie auch überall mit Fleiß per⸗ ſönlich ab. Vormittags verſammelten ſich einige An⸗ beter bei ihr; aber ſie mußten von guter Race ſein, ariſtokratiſche Naturen oder beſſer richtige Junker, um ihr zu gefallen. Lange Zeit war der Fürſt Lich⸗ nowsky ihr Liebling in Berlin, der 1848 ein ſo tra⸗ giſches Ende in Frankfurt nahm und derart zu einem Märtyrer der Politik wurde, ohne je mehr geweſen zu ſein, als ein übermüthiger und liederlicher Ariſto⸗ krat der polternden Sorte. Der ſchöne junge Mann hatte eine Zeit des Glanzes in Berlin; alle Damen der Ariſtokratie ſchwärmten für ihn; ſpäter hielt man die Thüren vor ihm zu, denn er beleidigte alle Welt durch Unverſchämtheit und Gemeinheit. Verarmt durch wüſtes Treiben lebte er zuletzt aus dem Beutel der Herzogin von Sagan, bis er mit Auerswald zuſam⸗ men ermordet wurde. Die Gräfin von Hahn⸗Hahn ging bekanntlich, um die Leere ihres Innern auszu⸗ füllen, in ein Nonnenkloſter, ein irrendes Genie, wel⸗ ches aus lauter Weltverachtung in der Welt keine Befriedigung fand.
Es würde ſehr wenig angemeſſen ſein, bei die⸗
Novellen⸗Zeitung.
ſer Schilderung des Verfaſſers von zwei Schriftſtel⸗ lerinnen zu verweilen, wenn dieſe Charakteriſtik nicht einestheils gar treffend und anderntheils culturge⸗ ſchichtlich intereſſant wäre. Jedenfalls erſieht man daraus, wie wenig bedeutend eine literariſche Erſchei⸗ nung ſein kann und wie leicht es ihr doch möglich iſt, durch ihre excluſive Stellung und durch die Ver⸗ ſchrobenheit der Geſellſchaft in der letzteren eine große Rolle zu ſpielen. Welcher Kopf von vernünftigem literariſchen Urtheil hat je auf die Erzeugniſſe der Paalzow oder der Hahn⸗Hahn irgend ein Gewicht gelegt und ihnen mehr Werth zugeſchrieben als den, der Mode gefröhnt zu haben? Wie ſchwächlich ſind die excentriſchen Producte dieſer Frauen geweſen und welch trauriges Armuthszeugniß für den Geſchmack ſogenannter gebildeter und vornehmer Kreiſe, da an⸗ gebetet und bewundert zu haben, wo dereinſt die Li⸗ teraturgeſchichte nur ein paar gemeſſene Worte zur Kennzeichnung dieſes geſpreizten Treibens haben wird! Es geht ſolchen Perſönlichkeiten wie den meiſten Di⸗ plomaten: ſie ſpielen im Leben eine anſpruchsvolle Rolle und wiſſen es ſo einzurichten, daß ſich Alles um ſie dreht, und wenn ſie todt ſind, werden ſte von der Weltgeſchichte kaum durch ein paar Zeilen be⸗ dauernd erwähnt.
Im Uebrigen verweilt Schmidt noch bei Pückler⸗ Muskau und bei Varnhagen, die er beide gut zu be⸗ ſchreiben verſteht. Hier iſt er nicht Partei; abe wird es bei andern Capacitäten, ſo z. B. bei Tieck bei dem er in einen für den Gegenſtand unwürdigen Ton verfällt, was ihm übrigens auch bei anderen Gelegenheiten begegnet. Es beeinträchtigt den ſo ſchon nicht bedeutenden Werth eines ſo flüchtig rai⸗ ſonnirenden Buches, wenn ſich dabei noch ſpitze An⸗ tipathien in den Vordergrund drängen und mit vor⸗ lauten Eigenſchaftswörtern um ſich werfen, die man jüngern Kräften für ihr Feuilleton überlaſſen ſollte. Sehr verehrend behandelt der Verfaſſer Louiſe Mühl⸗ bach, und es wird Vielen neu ſein, zu erfahren, daß derſelben für ihre literariſchen Verdienſte die goldene Medaille für Wiſſenſchaft und Kunſt verliehen wurde und zwar in einem Armband angebracht, das für ihren ſtarken Arm zu eng war. Es mag ſehr ſchwer ſein, geſellſchaftliche Zuſtände der Gegenwart zu be⸗ handeln, ohne einem gewiſſen Ton der Perſönlichkeit und der Klatſcherei zu verfallen; doch es wäre eine würdige Aufgabe, wenn ſich irgend Jemand fände, der ernſtlich nach der Vermeidung dieſer trüben Män⸗ gel trachtete. 4
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