Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
555
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Vierte Folge.

begrüßte ſie mit der Zuvorkommenheit, welche man bei den Günſtlingen dieſer Sphäre gewohnt iſt. We⸗

der die Fürſtin Liegnitz, noch der alte Fürſt Witt⸗ genſtein, weder Savigny, noch der alte Miniſter Eich⸗

horn, Fürſt Pückler, Humboldt, Rauch, Schelling, Tieck, Meyerbeer, Graf Redern Niemand überſah die berühmte, gefeierte Schriftſtellerin. Jeder hatte ein Compliment, eine Liebenswürdigkeit für ſie und immer konnte man ſie inmitten einer Gruppe finden, wie eine Sonne, in deren Strahlen man ſich wärmen wollte.

Die Gefeierte hatte auch ſelbſt einen Salon in der Oranienburgerſtraße am Monbijougarten. Die Zuſammenkünfte in demſelben hatten den Charakter der Salon⸗Converſation. Sie war ſehr ceremoniös, ſehr geziert, aber dabei nicht ohne Gemüth. Groß, ſchlank gewachſen, von ſchönen Geſichtszügen, hauchte ſie doch eine Kälte aus, die fröſteln machte. Man wurde nicht recht wohl, nicht lebendig, am wenigſten gemüthlich in ihrer Nähe. Ihr Gang war feierlich, ihre Mienen ernſt, ihr Geſpräch langſam und gemeſ⸗ ſen, ihre Attitüde ſogar theatraliſch. Dabei zeigte ſie ſich in einer geſucht maleriſchen und auffallenden Kleidung; es ſchien, als ahme ſie die ariſtokratiſchen, mittelalterlichen Heldinnen ihrer Romane in allen Aeußerlichkeiten nach, als gefalle ſie ſich, eine der Burgfrauen zu repräſentiren, eine Chatelaine in fal⸗ tigem Sammtkleide mit knapp anliegendem Oberkleid, dem Täſchchen mit dem Bunde Schlüſſel an der Seite, wie ſie deren mit ſo viel Vorliebe gezeichnet hat. In ihren Zimmern war Alles gothiſch, altdeutſch, als wären Stühle und Tiſche alten Schlöſſern entnom⸗ men, in denen einſt ein Ritter mit ſeiner Dame ge⸗ hauſt. Mittelalterliches Geſchirr wurde präſentirt ꝛc. Ihr Arbeitszimmer war ein Thurmgemach mit einer Ausſicht auf den kleinen Park von Monbijou. Hier ſaß die Paalzow en grande robe, wie zum Empfang vornehmer Gäſte bereit, am Schreibtiſch, der natür⸗ lich gothiſch war, und ſchrieb alle Tage regelmäßig ein genau vorher beſtimmtes Penſum. Sie hatte ihre Arbeitsſtunden als Dichterin, die ſo genau abgemeſ⸗ ſen waren, daß es nie eine mehr oder eine weniger zu zählen gab. Schlug die beſtimmte Zeit um Mit⸗ tag, ſo hatte die Paalzow ſicherlich auch ihr Penſum fertig, und keine Gewalt der Erde war fähig, ſie zu bewegen, die Feder wieder im Verlaufe des Tages

in die Hand zu nehmen. Sie war ſtolz auf ihre Ar⸗ beiten, die ſie förmlich für große, der Ariſtokratie

geleiſtete Dienſte hielt und weshalb ſie auch die Schmeicheleien derſelben mit vornehmer Würde ent⸗ gegennahm, ſich völlig für berechtigt hielt, an dem Hofe des in mittelalterlicher Romantik ſich gefallen⸗ den Königs eine vorzügliche Auszeichnung zu genießen.

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Gleichwohl war ihr Salon wenig mehr als eine pedantiſche, ſteife Reunion, zu welcher aus Höflichkeit alte, feierliche Autoritäten wie Rauch, Humboldt, Schelling ſich einfanden, ſchweigend durch die Zim⸗ mer ſchritten, allenfalls zu einer der Gruppen traten, welche in den Fenſterniſchen ſich untereinander beſprachen, und dann feierlich die Treppe hinunter zu der alten Kutſche gingen, um ſich nach Hauſe fahren zu laſſen

In damaliger Zeit hielt ſich auch die Gräfin Hahn⸗Hahn eine Zeitlang in Berlin auf und hatte ſo etwas, was einem Salon ähnlich war. Sie war eine andere Vertreterin des ariſtokratiſchen Romans. Erſchien die Paalzow als Hofdame, ſo die Hahn als echte Junkerin, die den Hof ſo haßte, wie die bür⸗ gerliche Canaille; denn die Höfe, die Könige hatten nach ihrer Meinung ſich undankbar gegen die Ariſto⸗ kratie benommen, ſie ruinirt und dann bei Seite ge⸗ ſchoben; eine echte Ariſtokratin mußte zu ſtolz ſein, um ſich um die Gunſt der Höfe zu bewerben. Die bürgerliche Canaille haßte ſie auch, weil ſie vollendete Ariſtokratin war und es ihr impertinent erſchien, daß das gemeine Volk immer wohlhabender und anſpruchs⸗ voller wurde. Die Gräfin Hahn⸗Hahn und Henriette Paalzow beherrſchten beide die Mode; ſie hatten ein großes Reich, in dem ſie unbeſchränkte Herrſcherinnen waren. Die ſtolze Feudal⸗Ariſtokratie ſchwur zur Fahne der Hahn⸗Hahn, der Hof Friedrich Wilhelm's IV. und die Hof⸗Ariſtokratie zu derjenigen der Paalzow; beide Schriftſtellerinnen bewegten ſich in einer Welt, in dem romantiſchen Zauberkreiſe ariſtokratiſchen Le⸗ bens, welches ſeine eigenen Figuren, ſein eigenes Treiben, ſeine eigenen Leidenſchaften und Conflicte beſaß, die im Grunde ganz ohne Verſtändniß für die lieben Buͤrgerlichen waren. Die Hahn dachte wie Figaro, daß ſich die Ariſtokraten nur die Mühe ge geben haben, geboren zu werden; die Paalzow machte aus der Ariſtokratie ein mittelalterliches Halbgötter⸗ geſchlecht. Dieſer verſchiedenen Auffaſſung eines und desſelben Thema's lag auch der Charakter beider Frauen zu Grunde; die Hahn war ſtolz, übermüthig, excentriſch, ſie führte Krieg gegen Alle; ſie ſchrieb ihre Bücher, um ihrem Groll darüber Luft zu machen, daß die Herrlichkeit des Feudal⸗Adels verſchwunden war, daß die Ehe die Weiber einem Herrn unter⸗ werfe. Während die Hausmütter die Romane der Hahn vor ihren Töchtern verſteckten, ſchenkten ſie den⸗ ſelben die Werke der Paalzow zu Weihnachten. Dar⸗ aus erklärt ſich, daß die Letztere mehr Mode war als ihre Nebenbuhlerin. Natürlich haßte ſie auch die Paalzow gründlich und nannte ſie eine Kammerjung⸗ fer der Ariſtokratie, während ſie eine Dame derſelben Sie war ein echter Sprößling jenes

repräſentirte.