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„Still,“ ſagte ich;„wir wollen nicht ſchlecht von ihr ſprechen. Kommen Sie und erzählen Sie mir Alles, kleine Couſine.“
Ich verdiente das Ende des Romans, mit dem ich mich ſelbſt betrogen hatte, völlig. Zur Zeit des Ausbruchs der Inſurrection in Warſchau war Pau⸗ linens Geliebter in jener Stadt, und er befand ſich unter den vielen Unglücklichen, die in die Citadelle als Gefangene gebracht wurden. Durch den Einfluß ſeiner Verwandten erhielt er zuletzt ſeine Freiheit wieder, doch nur, um nach dem Kaukaſus geſchickt zu werden und dort zu bleiben, bis die Rebellion un⸗ terdrückt ſei. Pauline, eine wirkliche Patriotin, war ihm dorthin gefolgt, und während ich halb todt im Lazarethe lag, wurde ſie ſeine glückliche Gattin.
Effie und ich, wir haben uns gegenſeitig erklärt.
Sie erzählte mir in einer boshaften Art, daß ſie ſich wirklich bei meinem erſten Anblick in mich verliebt habe; als ich mit weit offenem Munde ganz ausge⸗ ſtreckt auf dem Sopha gelegen, ſei ich ganz unwider⸗ ſtehlich geweſen. Im nächſten Monate wurden wir mit einander vermählt.
Literariſche Briefe von Otto Banch.
Die Stadt der Intelligenz. Geſchichten aus Berlins Vor⸗ und Nachmärz, von Schmidt⸗ Weißenfels. Berlin, bei Oswald Seehagen. 1865.
So wichtig die Stellung iſt, welche Berlin als Stadt der höchſten deutſchen Intelligenz für ganz Deutſchland einnimmt, ſo wenig gute Schriften wer⸗ den Ihnen doch über das Leben und Treiben dieſer Stadt vor Augen gekommen ſein. Kein einziger nam⸗ hafter Schriftſteller hat ein Charakterbild über Ber⸗ lin's Weſen zuſammengefaßt, ſo daß man daraus einen Ueberblick über den geiſtigen Gehalt, der ſich dort concentrirt, deutlich und zugleich unterhaltend gewinnen könnte. Berlin in der Vorzeit iſt viel mehr berückſichtigt, die moderne Epoche iſt noch nicht lite⸗ rariſch fixirt. Man kann, wenn man eine ſolche Ar⸗ beit wünſchenswerth finden muß, direct von der poli⸗ tiſchen Seite der preußiſchen Metropole abſehen, da ſchon das ſociale Leben politiſchen Nerv genug ent⸗ hält und es weſentlich auf jene innere Culturbaſis ankommt, die einen längeren Beſtand als die Tages⸗ politik hat und auf die allgemeine Entwickelung der Bildung dauernd einwirkt.
Bei ſo dürftigen literariſchen Erſcheinungen über ein großes an und für ſich höchſt intereſſantes Thema
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Novellen⸗Zeitung.
muß jeder Verſuch, dasſelbe zu behandeln, einige Beachtung in Anſpruch nehmen. So auch der von Schmidt⸗Weißenfels, einem Schriftſteller, der weder ohne Talent noch ohne Erfahrungen iſt, ſich aber mit keiner recht gebundenen Wärme und Gediegenheit auf einen beſtimmten Gegenſtand zu concentriren verſteht.
Auch die vorliegende Arbeit iſt eine leichte, flüch⸗ tige. Selbſt da, wo er über manche Zuſtände und Perſönlichkeiten eine dankenswerthe Skizze giebt, zei⸗ gen ſich dieſe bedenklichen Eigenſchaften.
Der in Berlin nicht Heimiſche erfährt aus jenen Skizzen Manches, das aus der Ferne wenig ſichtbar wurde, doch aber zur Charakteriſtik unſerer Zeit nicht wenig beiträgt.
Auch Berlin hatte zur Zeit Friedrich Wil⸗ helm's IV. ein geſellſchaftliches Salontreiben, auf das ſich die Löwen desſelben viel zu Gute thaten und das neuerdings eine viel weniger geſchloſſene Form angenommen hat.
Dennoch war ſchon damals, wie der Verfaſſer ſchildert, außerhalb des Hofes das eigenthümliche Salonleben, wie es ſich von Frankreich zur Zeit einer Herz, eines Mendelsſohn, einer Rahel nach Berlin verpflanzt hatte, im Abſterben begriffen. Es war wie eine Abendröthe, entſprechend der untergehenden Literatur. Unſere Literatur iſt in Publiciſtik aufge⸗ gangen, mehr kann man von ihr zur Zeit nicht ſa⸗ gen. Die alten literariſchen Salons ſind damit ver⸗ ſchwunden, wenigſtens alle die, von denen eine ge⸗
wiſſe Anregung auf das Allgemeine ausging und
welche mehr bedeuteten, als eine Thee⸗Geſellſchaft bei einem Baron der Finanzen. Eine Art Pietät iſt es, von den letzten dieſer Salons, die in Berlin wohl am üppigſten einſt gewuchert, noch einige Züge mitzutheilen.
Wenn Friedrich Wilhelm's IV. Hof einem dieſer Salons einen gewiſſen Glanz gab, ſo dem der Schrift⸗ ſtellerin Paalzow, der Verfaſſerin der Romane„God⸗ wie⸗Caſtle“,„St. Roche“,„Thomas Thyrnau“, zu ihrer Zeit unſtreitig eine der geleſenſten und die Mode der Damen⸗Lectüre beherrſchenden Schriftſtel⸗ lerin. Sie war die Vertreterin des ariſtokratiſchen Romans in ſeiner rein vornehmen Sphäre. Vornehm war die Paalzow auch ſelbſt; ſie gab ſich in ihren Romanen wie ſie war; ſie war das enfant gaté aller Salons; bei jeder großen Feſtlichkeit des Hofes erſchien ſie immer höchſt hofmäßig, als Hofdame; der König verfehlte nie, ihr einige ſchmeichelhafte Worte über ihre neueſten Romane zu ſagen, die ſie natür⸗ lich mit Stolz erfüllten. Die geborne und die Gei⸗ ſtesariſtokratie, die ſich in dem Salon des königlichen Schloſſes in glänzenden Maſſen zu drängen pflegte,
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