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Koͤnigreich Polen einzurücken, ja, ſie willigte ſogar ein, 5000 Pf. St, die ich der Sache des Vaterlan⸗ des meiner Geliebten widmete, an die Behörde des⸗ ſelben zu befördern.
Am Abend vor meiner Abreiſe kehrte ich früher als gewöhnlich in's Hotel zurück. Ich betrachtete es doch als eine Pflicht, meine Verwandten von meiner Abreiſe in Kenntniß zu ſetzen, und ich freute mich im Stillen ſchon im voraus über die Qual der Lady Caſtle⸗Connell, wenn ſie ihre ſchönen Pläne ſo gänz⸗ lich vereitelt ſehen würde; denn trotz meiner Liebe für Pauline glaube ich, daß die ſchöne Dame ſich noch immer Hoffnung auf meinen Beſitz— das Fi⸗ deicommiß, ſo wie das perſönliche Eigenthum— machte.
Ich trat unangemeldet in das Empfangzimmer. Effie ſaß auf einem niedrigen Seſſel mit einem Buche auf dem Schooße; ſie las aber nicht; ihre Augen waren von ihren langen ſchwarzen Augenwimpern be⸗ deckt, und ſie ſtützte ihren Kopf müde auf ihre Hand. Sie wurde mein Eintreten nicht gewahr, und ich be— obachtete ſie einige Minuten lang. Ich erinnere mich ihrer Haltung ganz genau; ſie erregte in mir ein ganz melancholiſches Gefühl. Ich dachte damals, ihre Mutter ſei mit ihr unzufrieden geweſen. Es war mir auffallend, welch eine große Veränderung in den letzten drei Monaten mit ihr vorgegangen war. Der heitere, ſorgloſe Blick, der meine Aufmerkſamkeit zu⸗ erſt auf ſich gezogen hatte, war gänzlich verſchwunden und ein erzwungener Frohſinn war an deſſen Stelle getreten.
Zu irgend einer andern Zeit würde ich dieſe Veränderung der Demüthigung zugeſchrieben haben, die ſie darüber fühlen mußte, daß die Grafenkrone der Courton's nie ihre Stirn ſchmücken würde; doch an dieſem Abend ergriff mich ein ganz anderes Ge⸗ fühl. Die Viſion, daß ich ſelbſt kalt und ſteif unter dem polniſchen Schnee— ein edles Opfer einer ge⸗ rechten Sache— liege, fuhr mir durch das Gehirn, und im Geiſte entwarf ich eine rührende Anzeige meines eigenen Todes für die engliſchen Blätter.
Ich hatte eben die Klage über den Tod des ſo viel verſprechenden, talentvollen jungen Lords been⸗ digt, eine Parallele zwiſchen mir ſelbſt und Lord Byron gezogen, und beſtimmt, auf wen ich das ver⸗ ſchiedene Beſitzthum vererben ſollte, als ein Seufzer Effie's alle meine Träume zerſtreute.„Pauline würde ſicher in ein Kloſter gehen,“ rief ich ganz unbewußt aus. Effie blickte auf, und als ſie ſah, wer eben geſprochen hatte, lachte ſie gaͤnz heiter.
„Würde ſie das wirklich?“ fragte ſte;„darf ich fragen, wann und weshalb?“
Novellen⸗Zeitung.
„Wovon ſprechen Sie, kleine Couſine?“ ſagte
ich, indem ich mich bemühte, mein Selbſtgeſpräch ohne eine Bemerkung vorübergehen zu laſſen.
Effie war barmherzig und ſie beſaß darin eine Eigenſchaft, die ſich bei wenig Frauen findet. Sie war ſtets bereit, eine witzige Bemerkung, die ſie zu machen eben im Begriff ſtand, zu unterdrücken, wenn ſie glaubte, irgend Jemand könne ſich davon verletzt fühlen. So erlaubte ſie mir in dem gegenwärtigen Falle, der Unterredung eine andere Wendung zu geben.
„Was machen Sie?“ fragte ich, da ich ſah, daß ſie ſich mit einigen Putzartikeln beſchäftigte, die auf einem Tiſche in ihrer Nähe lagen.
„Sehen Sie es nicht?“ entgegnete ſie.„Ich glaube, Sie werden nie die Geheimniſſe der Toilette einer Dame verſtehen. Sehen Sie, ich nehme die ſcharlachrothe Feder von meinem Hute ab, von der Sie ſagten, das rothe Ding ſei Ihnen zuwider, und erſetze ſie durch eine weiße. Sie wiſſen, Sie haben mir verſprochen, morgen mit mir einen Spazierritt zu machen!“
„Weshalb laſſen Sie das nicht von Ihrem Mäd⸗ chen beſorgen?“ fragte ich ungeduldig.„Ich kann es nicht leiden, daß Damen ſich mit einer Arbeit be⸗ ſchäftigen, wenn ich mit ihnen ſpreche. Es nimmt ihre Aufmerkſamkeit in Anſpruch. Ich bin zuweilen gezwungen geweſen, meine Bemerkungen zu wieder⸗ holen.“
„O, Mama kann eben jetzt Cäcilien nicht ent⸗ behren; ſie iſt in der That ſehr beſchäftigt. Aber erzählen Sie mir die Neuigkeit,“ ſagte ſie, als ſie die weiße Feder geſchäftig befeſtigte.
Ich antwortete nicht, ſondern ſpielte gedankenlos mit dem rothen Dinges, dachte über die Verände⸗ rung nach, die in ihr vorgegangen war, und ſehnte mich danach den Grund davon zu erfahren. Plötzlich blickte ſie auf und rief aus:„O, meine arme Feder!“
Arme Feder in der That! Im Verlauf meines Nachdenkens hatte ich die Feder ſo verdreht und zer⸗ drückt, daß ſie ganz unbrauchbar geworden war, und wir lachten Beide über das traurige Anſehen, das ſie darbot.
„Es iſt ganz gut zu lachen,“ ſagte Effie;„aber ſoll ich thun?“
„Seien Sie unbekümmert, wir wollen morgen andere kaufen,“ antwortete ich.
„Eine hübſche Entſchuldigung für Ihre Unacht⸗ ſamkeit!“ erwiderte ſie. edler Couſin, daß neue Freunde nicht ſo leicht alte erſetzen können?“
„Können ſie nicht?“ ſagte ich eifrig.„Dann müſſen wir große Verbündete ſein. Als Sie noch
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