Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
551
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Folge. 551

Ich ſehne mich nach einer langen Unterredung nen beliebte, zu machen. Zu ihrem Schrecken theilte

mit Ihnen, ſagte ſie mit ihrem bezaubernden Lächeln; ich liebe Ihre Nation; nur die Engländer ſympathi⸗ ſiren aufrichtig mit meinem unglücklichen Vaterlande.

Ihre ſchönen Augen füllten ſich, als ſie ſprach, mit Thränen; die augenblickliche Rührung dann be⸗ herrſchend und ſie glänzend und ſtrahlend auf mich richtend, als ob ſie im Innern meiner Seele leſen wollte, rief ſie leidenſchaftlich aus:Sagen Sie mir, daß Sie Polen auch lieben!

Ich weiß nicht, welcher Dämon an dieſem Abend ſein Spiel mit mir trieb; ich bin faſt beſchämt, es zu geſtehen; es iſt aber eine Thatſache, daß ich, der den verzweifeltſten Verſuchen der tollſten lebenden Ehemannjägerinnen der Mütter in Belgravia und Mayfair mit Erfolg widerſtanden hatte, dem bren⸗ nenden Blick der polniſchen Circe unterlag und einem liebesſiechen Knaben gleich, der eben erſt das Colle⸗ gium verlaſſen hat, ihr ſagte, um ihretwillen könne ich Alles lieben.

Am nächſten Morgen frühſtückte ich in meinem Zimmer. Ich hatte beſchloſſen, mich um die Liebe der Gräfin Stabletska zu bewerben und in dieſer Art Effie's Pläne, mich zu erobern, zu vereiteln. Ich malte mir die ſchreckliche Veränderung aus, welche ſtattfinden werde, wenn ich die ganz arme Tochter eines iriſchen Earl in die Gemahlin eines engliſchen Peer verwandelte. Dann würde ſofort dem braunen, weichen Kleide, dem einfachen weißen Kragen, die ausdrücklich zu dem Zweck gekauft und angelegt wur⸗ den, nicht mich, ſondern meinen reichen Beſitz zu ge⸗ winnen, Lebewohl geſagt werden; dann würden die téte-à-téte-Frühſtücks, die ich ſo gefährlich anziehend gefunden hatte, ein Ende nehmen. Der einfache Anzug, die häuslichen Gewohnheiten, das gewinnende Lächeln würden wie ein Maskeradenanzug an demſel⸗ ben Tage beſeitigt werden, an dem ich meine junge Gemahlin von dem Altar wegführte.

An dieſem und jedem folgenden Tage befand ich mich bei der ſchönen Pauline. Sie war ganz frei, denn ſie lebte bei einer Tante, welche das Sopha nie verließ, und ihr mir widerwärtiger Bruder machte Damen den Hof und war nie zu Hauſe. Ich war um ihretwillen in mehr als ein Duell verwickelt, zu⸗ erſt mit einem ungariſchen Officier, den ſie vor mei⸗ ner Ankunft begünſtigt hatte, und dann mit einem

heißblütigen römiſchen Prinzen. Ich erfreute mich des

großen Vergnügens, beide Gegner beſiegt zu haben.

Meine Tante war über meine Verblendung in Verzweiflung und ſie unternahm es wirklich, mir Vorſtellungen wegen des vertrauten Umganges ⸗mit dieſer fremden Abenteurerin», wie ſie Pauline zu nen⸗

ich ihr mit, daß ich mich für den glücklichſten Mann auf der Erde ſchätzen würde, ſobald ich ihr Paulinen als Nichte vorſtellen könne. Lady Caſtle-Connell ſtieß einen lauten Schrei aus, als ich ihr dieſes Ge⸗ ſtändniß machte, und Effie erbleichte. Ich vermuthe, der Gedanke, die Courton's⸗Juwelen an Paulinens Stirn zu erblicken, war ihr zuwider. Wahrſcheinlich hatte ſie ſich ſchon an den Gedanken gewöhnt, die Beſitzerin derſelben zu werden..

So vergingen ein paar Monate. Ich hatte der Gräfin einen förmlichen Heirathsantrag gemacht und hatte von ihr eine ſo wenig entſchieden abſchlägige Antwort erhalten, daß ich mich veranlaßt fühlte, in Wien kleben zu bleiben.

Als ich eines Abends wie gewöhnlich zu Pauline eilte, fand ich ſie furchtbar aufgeregt. Sie konnte kaum Athem holen, ſchnappte nach Luft, ihr Buſen hob ſich vor Leidenſchaft, während ihre glänzenden Augen und ihre zuſammengeballten Hände den Vul⸗ can zeigten, der mit einem Ausbruch drohte. Ich fragte nach der Urſache ihres Schmerzes.

Lisez! entgegnete ſie ſtammelnd, indem ſie mir eine Zeitung reichte. 3

Ich nahm ſie in der Hoffnung, darin eine Er⸗ klärung zu finden, aber es war ein polniſches Blatt. V Paulinens Tante erklärte mir nun den Grund der Aufregung ihrer Nichte. Das Blatt enthielt die erſte Nachricht von dem Gemetzel in Warſchau, und meine Pauline mit ihrem edlen Herzen fühlte jeden gegen ihr unglückliches Vaterland geführten Stoß wie einen Dolch, der ihre eigene Bruſt durchbohrte.

Meine Bewunderung und Liebe für ſie ſchritten crescendo voran, und als der Frühling vorrückte und der dünne Sproſſe eines gerechten Unwillens zu einer mächtigen Inſurrection emporwuchs, wurde ich beinahe eben ſo enthuſtiaſtiſch wie Pauline und zu einer Zeit würde ich willig mein ganzes Vermögen für Polen hingegeben haben.

Die Gräfin Stabletska ſchien zuletzt meine völ⸗ lige Ergebenheit für ſie zu verſtehen und zu würdi⸗ gen, und als ich eines Tages ſie von neuem anflehte,

die Meinige zu werden, gab ſie mir ihr Jawort, doch u der Bedingung, daß ich ſie mit der Spitze des Schwertes gewinnen müſſe; mit andern Worten, ich ſollte mich einer Abtheilung Inſurgenten anſchließen, die damals eben in Galizien im Begriff ſtand, die Grenze zu überſchreiten. In einem Augenblick der Bethörung willigte ich wirklich ein. Pauline ordnete in Betreff meiner Alles an. Sie ſchrieb an einige Verwandte im öſterreichiſchen Polen, bei denen ich bleiben ſollte, bis die Abtheilung bereit war, in's