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Netzen und mit Diamanten durchwoben, in eine Cri⸗ noline und in jeder Beziehung in den modernſten Anzug gekleidet, und man hat dann die Figur vor ſich, nach der ich blickte.
„Gott im Himmel!“ rief ich aus, indem ich Ef⸗ fie's Schulter berührte;„wie unübertrefflich liebens⸗ würdig! Wer iſt ſie?“
„Ei, das iſt die Schweſter des Grafen Stab⸗ letski,“ entgegnete ſie.„Man hält ſie für die größte Schöͤnheit in Wien. Vielleicht wünſchen Sie, ihr vorgeſtellt zu werden?“ fügte ſie, wie ich glaubte ziemlich ſarkaſtiſch, hinzu.
Anfangs hatte ich dazu gar keine Luſt; ich war ärgerlich, daß meine griechiſche Gottheit die Schweſter des mir verhaßten Polen war; indeſſen iſt es eine ſchöne Dame überall werth, ihre Bekanntſchaft zu machen, und ſo unterwarf ich mich alſo der Ceremo⸗ nie, mich ihr vorſtellen zu laſſen. Die Nymphe mit' den wundervollen Augen hob ſie nur wenig in die Höhe und verbeugte ſich dann gleichgültig; dann nahm ſie Effie in Beſchlag, an die ſie eine lange Rede in dem reinſten Franzöſiſch richtete und ihr Entzücken, ſie wieder zu ſehen ꝛc., ausdrückte.
„Ich kehrte erſt geſtern zurück,“ ſagte ſie,„ſonſt würde ich Ihnen bereits einen Beſuch gemacht haben. Ich ſah Sie von meinem Fenſter aus einen Augen⸗ blick, als Sie vorüber ritten. Ich glaube, Sie wa⸗ ren mit Ihrem Couſin?“
Ich hatte mich etwas aus dem unmittelbaren Kreiſe um die Gräfin zurückgezogen, aber ihre Frage war ſo geſtellt, daß ich nicht umhin konnte, ihr näher zu treten und zu antworten.
„Sie ſind ſehr glücklich, eine ſo liebenswürdige Couſine zu haben,“ bemerkte ſie, als Effie mit einem Tänzer ſich entfernte.
Die Gräfin tanzte nicht; ſie liebte den Tanz nicht und man wußte es.
Ich murmelte einige ſchale Complimente,„daß die Schönheit meiner Couſine von den Reizen der Gräfin ſo verdunkelt werde, wie die Sonne den Mond überſtrahlt,“ und darin drückte ich nur meine Ueber⸗ zeugung aus. Gräfin Stabletska war die vollkom⸗ menſte Liebenswürdigkeit an Form, Umriſſen und Farbe. Sie würde überall ſchön erſchienen ſein; aber hier, wo ſie faſt mit königlicher Pracht gekleidet war und von Juwelen glänzte, verdunkelte ſie Effie's ideales Geſicht vollſtändig; denn der Reiz meiner Couſine beſtand weit mehr in der Feinheit des Aus⸗ drucks als in ihren wirklich hübſchen Geſichtszügen.
Ich machte mir nichts aus dem Tanzen und des⸗ halb nahm ich meine Stellung neben dem Fauteuil,
Novellen⸗Zeitung.
freute mich wie ein Dämon, wenn ich die verzweifel⸗ ten Blicke beobachtete, welche meine Frau Tante von Zeit zu Zeit auf mich warf. Ich kann mich nicht rühmen, daß ich mich einer langen Unterredung mit der ſchönen Pauline erfreut hätte; es fanden ſich viel zu viel Candidaten, die ſich danach ſehnten, mit ihr einige Worte zu wechſeln und ein Lächeln von ihr zu erhaſchen, weshalb ich nur einen ſehr dürfti⸗ gen Antheil davon erlangen konnte. Den größten
vollkommen ſchönen Geſichts.
Die Gäſte entfernten ſich; meinen Verdacht ver⸗ geſſend, ſchritt ich voran, um meine Couſine zum Wagen zu führen. Ich hatte ſie beinah erreicht, als ich ſah, daß der Pole, der ſich mir ſeit meiner An⸗ kunft in Wien ſo verhaßt gemacht hatte, ihr den Arm bot. Ich ſtellte mich ärgerlich auf die Seite und ließ ſie vorübergehen.
„Was für eine vollendete Coquette!“ dachte ich, als Effie vorbeiſchritt, ohne mich nur zu bemerken. Damals konnte ich durchaus nicht glauben, daß ir⸗ gend eine Dame von fünfzehn bis fünfundvierzig Jahren meine Gegenwart ganz aus den Augen verlieren könne.
Ich kehrte zur Gräfin Stabletska zurück, die ſich von ihrem Sitz erhoben hatte, um ſich zu entfernen. Ein ganzer Haufen Anbeter und Bewunderer ſtand in der Hoffnung in ihrer Nähe, die Erlaubniß zu bekommen, ihr Bouquet zu halten, ihr den Mantel umzuwerfen, oder ſie die Treppe hinunter zu führen. Ich ſtand mürriſch zur Seite; ich hatte für einen Abend genug gehabt und war entſchloſſen, ihr nicht weiter entgegen zu kommen. In meiner Freude oder vielmehr zur Befriedigung meiner verletzten Eitelkeit beugte die ſchöne Polin ſich vorwärts und ſagte: „Lord Courton, wenn Sie keine Pflichten zu erfüllen haben“— ſie blickte bei dieſen Worten nach meiner Tante, welche mit der Fürſtin C. plauderte—„ſo würde ich Sie erſuchen, mich zu meinem Wagen zu geleiten. Mein Cavalier hat mich verlaſſen und mich der Sorge meines Bruders anvertraut, und dieſer hat mich ebenfalls vergeſſen und mich allein gelaſſen.“ Ich konnte für die mir zu Theil gewordene Ehre nur dankbar ſein und mit einem triumphirenden Blick auf die getäuſchten Anbeter rings umher führte ich die Gräͤſin aus dem Salon. Ich bildete mir ein, daß ſie ſich noch mehr auf mich lehnte, als es durchaus nothwendig war, und in Erwiderung des Vorzugs,
den ſie mir hatte zu Theil werden laſſen, indem ſie
mich aus der großen Menge zum Begleiter wählte, bat ich um die Erlaubniß, ihr am nächſten Morgen meine Aufwartung machen zu dürfen, die mir huld⸗
worin meine griechiſche Gottheit verehrt wurde, und
reich bewilligt wurde.
Theil des Abends ſpendete ich der Betrachtung ihres
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