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548 Novellen
zu elektriſtren.„Woran dachte ich nur? Welche Unvor⸗ ſichtigkeit! Der ganze Name darunter!“ Er wollte ſich vor die Stirn ſchlagen, unterließ es aber aus Rückſicht gegen die Umſtehenden.„Meinetwegen kann ſie ohne Sorge ſein— ich werde ihr keine Ungele⸗ genheiten bereiten. Aber wenn ein unglücklicher Zu⸗ fall... 2 Unverzeihliche Nachläſſigkeit! Ich will ſie ſogleich beruhigen.“ Er greift nach der Bruſttaſche, beſinnt ſich indeß anders.„Nicht hier, inmitten all' der Leute.“ Als ſein Auge wieder das der jungen Dame trifft, legt er, wie betheuernd, die Hand auf die Bruſt, ſchaut ſie feſt und beruhigend an. Dann windet er ſich aus dem ihn umgebenden Menſchen⸗ knäuel, dringt langſam vor bis zur nächſten Ecke und biegt in die Straße. Allein auch hier, auf Treppen und Trottoirs, ſelbſt auf dem Straßendamm Schau⸗ luſtige beiderlei Geſchlechts und in den offenen Fen⸗ ſtern und Dachluken Kopf an Kopf. Er ſchreitet zur nächſten Querſtraße. Gegen den Trouble unter den Linden und dicht dabei herrſcht hier verhältnißmäßig tiefe Einſamkeit und von den Vorübergehenden kennt ihn Niemand, kümmert ſich noch weniger um ihn. Raſch zieht er eine Brieftaſche hervor und aus der⸗ ſelben nach einigem Suchen unter anderen Papieren einen feinen Briefbogen. Während die Rechte mecha⸗ niſch das Portefeuille verſteckt, hält die Linke das entfaltete Blatt und die Augen überfliegen die zier⸗ lichen Schriftzüge.
„Ich will die Fetzen vor ihren Augen auf die Straße ſtreuen; ſie wird mich verſtehen und beruhigt ſein,“ denkt er dabei hörbar.
„Der Tauſend!“ Ein helles Auflachen hinter ihm. Zugleich wird das Papier ſeiner Hand entriſ⸗ ſen. Der junge Mann, der ſich gegen die Trauern⸗ den ſo artig erwies, hat ihn beobachtet, iſt ihm ge⸗ folgt. Ueber ſeine Schulter blickend, entzifferte er in der Geſchwindigkeit freilich nicht den Inhalt, wohl aber den Namen.
„Vollert! Geben Sie mir meinen Brief wieder! Augenblicklich!“
„Ihren Brief? Iſt zu ſchade zum Zerreißen— beſſer zu verwerthen!“ Hohnlachend eilte er davon.
Der Beraubte folgt ihm zornig, ohne ihn jedoch zu erreichen. Unter den Linden wogt die Menge un⸗ ruhig auf und nieder; ein Menſchenhaufe wälzt ſich eben in die Querſtraße. Da Vollert die Andern über⸗ ragt, behält er ihn im Auge; allein vergebens ſtrebt er ihm näher zu kommen. Immer neue Volksmaſſen drängen ſich zwiſchen Beide, und jetzt— jetzt ver⸗ ſchwindet er in dem lebendigen Strome.
(Fortſetzung folgt.)
„Zeitung.
Zuletzt doch ermiſcht.
Nach dem Engliſchen 4 von Friedrich Coßmann.
(Schluß.)
Ohngefähr eine Woche nach meiner Ankunft führte ich die beiden Ladies in die Oper. Effie liebte die Muſik, und um ihretwillen hatte ich mir es angelegen ſein laſſen, uns die beſte Loge, die zu ha⸗ ben war, zu ſichern. Czillag ſang und die ganze Oper wurde ausgezeichnet dargeſtellt. Ich bemerkte, daß eine Menge Lorgnetten ſich auf unſere Loge rich⸗ teten, und ſah auf Effie, da ich erwartete, auf ihrem Geſichte das bewußte Unbewußtſein, wie man es bei jungen Damen gewöhnlich findet, zu ſehen. Zu mei⸗ nem Erſtaunen ſah ich, daß die Vorſtellung ihre ganze Aufmerkſamkeit in Anſpruch genommen hatte. Sie lehnte ſich auf die ſcharlachrothen Kiſſen, in ihrem Geſichte drückte ſich die Spannung aus, mit der ſie der Vorſtellung folgte; eine ihrer kleinen Hände unterſtützte ihre glühende Wange, die andere lag unbehandſchuht auf ihrem Schooße, und ſtets, wenn die Heldin des Stückes ihren falſchen Liebha⸗
ber mit Vorwürfen überhäufte oder ſein Entrinnen
beklagte, ballte ſie ihre kleinen Finger zuſammen oder ſie ließ ihren Arm ſorglos an ihrer Seite herabfal⸗ len. Am Ende des zweiten Acts holte ſie tief Athem.
„Was denken Sie davon, Courton?“ fragte ſie; „iſt es nicht ſehr ſchön?“
„Schön, in der That!“ wiederholte ich ganz ge⸗ dankenlos, denn ich hatte nur ſie und nicht die Hel⸗ din auf der Bühne beobachtet.
Effie kehrte ſich ungeduldig von mir weg. Hatte ſie eine verſtändigere Bemerkung erwartet? Man klopfte an die Thür der Loge und ein ſchlanker, ha⸗ gerer Mann trat ein. Er war ſehr hübſch und ich war in meinem Innern wüthend, als meine Tante und meine Couſine ihn ſcheinbar mit Vergnügen be⸗ grüßten. Er wurde mir als Graf Stabletski vor⸗ geſtellt.—
Ich haßte den Mann, noch ehe ich ihn geſehen hatte; denn ſeitdem ich in Wien war, hatte ich von nichts weitér als von dieſen abſcheulichen Stablets⸗ ki's— zuerſt von dem Grafen und dann von der
ſei eine Millionärin. Die Furcht, daß er ein glück⸗
wild, und meinen Kopf nach der Bühne richten
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licher Bewerber ſein möge, macht mich nuacf
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Gräfin gehört. Ich hielt ihn ſofort für einen ſchurki: ſchen Polen, der ſich, einbildete, meine kleine Couſine
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