546 Novellen⸗Zeitung. 1
hält plötzlich inne. Wie gelähmt ſinkt die weißbe⸗ handſchuhte Rechte auf das decorirte Geländer des Altans. Die erhöhte Farbe freudiger Erregung wan⸗ delt ſich in Bläſſe, um dann wieder dunkler Purpur⸗ gluth Platz zu machen. Offenbar hat ſie drunten etwas Ueberraſchendes gewahrt, oder vielmehr Je⸗ mand, den ſie nicht zu ſehen erwartete; denn nur der Anblick einer Perſon ruft in jungen Damen Em⸗ pfindungen hervor, wie ſie ſich auf dem beweglichen Antlitz ſpiegeln. Angenehmer Natur ſind dieſelben augenſcheinlich nicht. Schrecken und Beſtürzung herr⸗ ſchen vor in einem Grade, daß es in ihrer Umge⸗ bung Aufſehen erregen müßte, wäre die Aufmerkſam⸗
„Wie Du zitterſt!“ ſagt der hinter ihr ſtehende Vater.„Du wirſt Dich erkälten.“
Die Tochter antwortet nicht. Sie ſchaut eben mit einem Gemiſch unverkennbarer licher Bitte hinunter.
„Aſta's Aufregung iſt nur zu natürlich!“ bemerkt die Freundin in hörbar anzüglichem Tone.
Heftig wendet Aſta ſich um.„Wie ſo? Was iſt natürlich, Emma? Ich verbitte mir alle Anſpie⸗ lungen auf—“ Plötzlich hält ſie inne, ſich auf die Lippe beißend, während ihr Auge unwillkürlich, un⸗ bewußt den Laternenpfahl ſtreift.
Angſt und flehent⸗
keit nicht anderweitig in Anſpruch genommen. Auch ſie ſtarrt hinab, doch nicht nach der Mitte der Lin⸗
den, nach dem erlauchten Zuge.
„Aſta ſchont ihre Kraft!“ neckte eine andere
junge Dame.
Eine zweite flüſterte in ihr Ohr:„Er muß nun ja bald kommen. Die Begrüßungsrede des Oberbür⸗ germeiſters iſt hoffentlich nicht lang!“
Aſta wechſelt die Farbe. Sie ſchwenkt wieder eifrig das geſtickte Tuch, erhebt auch mechaniſch den prächtigen kleinen Blumenſtrauß in ihrer Linken, um ihn hinabzuwerfen.
Eine Tante ergreift ihren Arm.„O nicht doch, die Blumen ſind ja für Reinhold beſtimmt!— Wie wohl und heiter Se. Majeſtät ausſieht!“
Während die Andern der letzten Bemerkung bei⸗ treten, die Aufmerkſamkeit ungetheilt oder doch faſt ungetheilt hinabwenden, ringt Aſta vergebens nach außerer Faſſung. Nervös zucken die friſchen Lippen, das Auge überfliegt beinahe irr den Raum zwiſchen der von Schauluſtigen beſetzten Fahrſtraße und dem Reitweg, auf welchem die Gewerke aufgeſtellt ſind. Jetzt neigt ſie ſich leicht.
„Wem dankſt Du?“ Ihre Nachbarin iſt der Richtung ihres Blickes gefolgt und ſucht vergebens unter der Menge ein bekanntes Geſicht.
„Niemand— nur einem unſerer Commis.“ Sie wirft es kurz, gleichgültig hin und verſucht, die wi⸗ der ihren Willen unſtät umherſchweifenden Blicke auf den Punkt zu fixiren, der in dieſem Moment das Ziel aller übrigen Blicke iſt.
„Ein intereſſantes Geſicht das— dort am La— ternenſtänder!“ fährt Jene fort.„Aber welche ſchä⸗ bige Erſcheinung! Ich wollte darauf wetten, es iſt irgend ein herabgekommenes, d. h. liederliches Genie.“
Aſta beugt ſich weit hinaus über die Brüſtung, ſcheint nur Sinn zu haben für die Begrüßung des Monarchen. Unausgeſetzt weht ſie mit dem Tuch, bebt dabei aber ſichtlich.
„Aber biſt Du eigenthümlich! Wir Alle wiſſen ja, daß Du Dich nächſtens verloben wirſt— mit einem der heute ſiegreich heimkehrenden Officiere. Da magſt Du immerhin erregter ſein, als wir Andern.“
„Und Du beneideſt mich nicht wenig!“
Aſta ſpricht das freilich nicht in Worten aus— es ſteht indeß leſerlich in ihrer Miene, in dem Lä⸗ cheln, das wieder um die friſchen Lippen aufzudäm⸗ mern beginnt. Tief ſchöpft ſte Athem, als wolle ſie damit die Laſt abwälzen von ihrer Bruſt, die ſich plötzlich erdrückend auf dieſelbe gelegt.
„Das intereſſante, blaſſe Geſicht, das ſchäbige Genie iſt nicht mehr da!“ lacht Emma.„uUnſere Aufmerkſamkeit beläſtigte es wohl. Merkwürdig übri⸗ gens— mich dünkt, ich müſſe es irgendwo ſonſt ſchon geſehen haben.“— Aſta zuckt die Achſeln, ſcheint die Unruhe und Beſtürzung, die ſie ſo unerwartet überkam, ganz ab⸗ geſchüttelt zu haben, ſelber zu belächeln. Sie folgt Arm in Arm mit der Freundin den Andern in den Salon, in welchem ſich eine zahlre ſe Geſellſchaft zu⸗ ſammenfindet— Alle, die vorhin d inſter einnah⸗ men. Die Zeit, welche noch dis zum Einrücken der Truppen vergehen muß, wird zu einer Collation be⸗ nutzt.
„Wenn ich nicht irre, ſah ich drunten einen Ih⸗ rer Commis,“ ſagt ein Gaſt zum Hausherrn, nach⸗ dem er mit ihm in gold'nem Rheinwein auf König und Vaterland und das ſiegreiche Heer angeſtoßen hat.
„Aha— Vollert! Ein höchſt gewandter, brauch⸗ barer Menſch. Beſäße er Caution, zum Caſſirer. etablirt ſich.“
„Nicht Vollert; der Andere, der eingezogen, ja
Sie wiſſen, mein bisheriger Caſſirer
auch wohl verwundet wurde. Er ſah äußerſt reducirt
aus, hat alſo noch keine Stelle. Warum nehmen Sie
ihn nicht wieder an? Die Braven, welche in dieſem ₰ Kriege geblutet, haben ein Recht auf anſtändige Ver⸗
ſorgung.“* 8 Das rundliche Antlitz des Hoflieferanten hatte
ich nähme ihn
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