Was nun folgte, läßt ſich leicht denken. Der unglück⸗ liche Much rief ſeinen Diener zur Hülfe. Dieſer ſchoß ſeine beiden Piſtolen auf den Löwen ab, er wurde aber dadurch nicht tödtlich getroffen und ſein Zorn wurde nur noch erbit⸗ terter. Er begann ſeine Beute mit einer unbeſchreiblichen Wuth zu zerfleiſchen, riß ihm die Augen aus und entblößte die Geſichts⸗ und Halsknochen von ihrem Fleiſche. Abd⸗el⸗ Meſſik, der ihn von fern beobachtete, da er dieſem Schauſpiel nicht widerſtehen konnte, ladete ſein Gewehr von neuem und nun gelang es ihm, den Löwen, deſſen Lebenskraft ſich ſehr vermindert hatte, mit einem Schuſſe zu tödten.
Die ſterblichen Reſte des armen Jägers wurden an dem Orte beerdigt, wo er ſeinen Tod gefunden hatte.“ C.
Miorellen.
Herr Thickneß, der bekannte Reiſebeſchreiber, hatte einſt kein Geld, er bat alſo ſeinen Sohn, den Lord Aulnay, ihm damit auszuhefen Allein dieſer ſchlug es ihm ab. Thick⸗ neß, ohne ſich lange zu beſinnen, miethete ſogleich eine Schuh⸗ ſicerwerſtatt die dem Palaſte, wo der Lord wohnte, gegen⸗ über lag, ließ ein großes Schild über die Thür hängen, wo⸗
rauf folgende dſchin mit eLanam Buchſtaben zu leſen war:„Alte Stiefeln, ſchadhafte Schuhe und abgelaufene Pan⸗ toffeln werden hier reparirt von Meiſter Philipp Thickneß, dem Vater des Lord Aulnay.“ Augenblicklich kam der Sohn gelaufen und gab ihm Alles, was er nur verlangte, nur ſollte er wieder ausziehen und das fatale Schild wegnehmen.
Fräulein von Bouillé, Muhme der Herzogin von Lude, die ſich vom Marquis von Pommiers hatte entführen laſſen, kam, nachdem ſie vierzehn Jahre mit ihm gelebt hatte, auf den Einfall, nach Paris zu entfliehen und ihn wegen gewaltſamer Entführung vor Gericht anzuklagen.
Bouvard, Leibarzt des Königs Ludwig XIII., verord⸗ nete ihm in einem Jahre 215 Arzneimittel, 212 Clyſtiere und 47 Aderlaſſe.
Vom deutſchen Büchermarkt.
Gedichte von Karl Wilhelm Batz. Otto Wigand, 1865.
Der Verfaſſer gehört den jüngſten Lyrikern an und iſt
Leipzig, bei
Novellen⸗
Zeitung.
einem gewiſſen Weltſchmerz nicht fern, blühend und hoffnungsvoll vor ihm liegt. Entſteht auch aus dieſer Situation eine Art Provocirung tragiſcher Gefühle, eine Koketterie mit frei erfundenem und glücklicherweiſe nicht ſelbſt erlebtem Leid, ſo läßt ſich doch in den Verſen des Herrn Batz weder ſprachlicher Wohlklang noch eine friſche Phantaſie verkennen, die beſonders den Liedern der oft gar innigen Lie⸗ besſehnſucht vortheilhaft zu Gute kommt. Außerdem darf man die Einfachheit der Compoſitionen loben und dem Ver⸗ faſſer rathen, ſich ſeinen geſunden Geſchmack für eine ſchmuck⸗ los ſangbare poetiſche Ausdrucksweiſe zu bewahren. O. B.
Einfache Geſchichten. Von Friedrich Ruperti. Bremen, Heyſe's Verlag.
Es liegen in dieſem Bändchen dem Unterhaltungspub⸗ licum ebenſo anſpruchsloſe als in der That auch zu Anſprü⸗ chen literariſcher Art unberechtigte ganz kleine Novelletten vor, die zum Theil eine ernſte, zum Theil eine heitre Fär⸗ bung haben, De Verfaſſer iſt dem Publicum bereits vortheil⸗ haft bekannt. O. B.
Das Leben, wie es iſt. Deutſch von Franz Thalhaus. Aachen, Cremer'ſch handlung.
Eliſe Froment heißt eigentlich die Verfaſſerin, welche hier die Lebenserfahrungen eines jungen Mädchens erzählt. Es zeigt ſich darin offenbar ein literariſches Vortragstalent, indem die Verfaſſerin mit großer Einfachheit und Natürlich⸗ keit darzuſtellen vermag. Anfangs macht dieſes Buch auch einen unbefangenen wohlthuenden Eindruck, da man einen Ton gewiſſer Frömmigkeit, ſo lange ſie herzlich und geſund erſcheint, ſehr gern toleriren kann. Bald jedoch offenbart ſich ein zu lebhafter Drang zu bekehren, und die Frömmig⸗ keit verwandelt ſich in einen tendenziöſen Pietismus. Er iſt ſo dick aufgetragen, daß er dieſes Buch nur noch für die dafür paſſende Gemeinde genießbar ſein läßt. O. B.
Mondſchein⸗Studien. Von Ernſt Freiherrn von Bibra.
4 Inhalt:(Schluß.)— Zuletzt doch erwiſcht. Nach dem Engliſchen von Friedrich Coßmann. Feuilleton. Aſtronomiſche Blicke.— Der General Marquis d'Hautpoul.— Die dankbare Bettlerin.— Der Reiſende und Jäger Much.— Miscellen.— Vom deutſchen Büchermarkt.
Von Frau Bourdon. e Buch⸗
Im Verlage der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig er⸗ ſchien und iſt in allen Buchhandlungen zu haben:
Hilgernuſcheln.
Gedichte eines Touriſten von Heinrich Freiherr von Maltzan.
kl. 8. eleg. broſch. 27 Ngr. In höchſt eleg. Leinenband in Hochdruck mit Bit d und in Goldſchn. 1 Thlr. 12 Ngr.
Die Pilgermuſcheln, poetiſche Reiſeerinnerungen, vom Ver⸗ faſſer auf ſeinen Streifzügen in drei verſchiedenen Wel atheilen ent⸗ worfen, ſind zum Theil lebhafte Naturſchilderungen, zum Theil aber Vallden und Legenden, deren Stoff faſt durchgängig bis jetzt in Europa unbekannt geblieben iſt.
Im Verlage von F. A. Eupel in Sondershauſen iſt erſchienen und in allen Buchhandlungen des In⸗ und Auslandes
zu haben. Das Buch der Toaſte.
Eine Sammlung
von 321 Toaſten(Geſundheiten), Tiſchreden in Verſen und in Proſa, Trinkſprüchen und Tiſchliedern, wie auch Antworten auf ausgebrachte Geſundheiten ꝛc.
Zum Gebrauche bei feierlichen und fröhlichen Gelegen⸗ heiten und zur Erhöhung der Tafelfreuden.
Von Fr. v. Sydow. Neu bearbeitet von Fr. Mayer.
8te verdeſſ. u. verm. Aufl. 16. geh. 1865. Preis 15 Sgr.
3G
..4. Redigirt unter Verantwortlichkeit von Quto Sriedrich Dürr in Leipzig.— Verlag der Düry'ſchen Buchhandlung in Leipzig.— Druck von A. Edelmann i
6
obgleich das Leben
—


