——————-—
538 Novellen⸗Zeitung.
gegen uns Alle ſehr freigebig, und Eudocia wird eine fürſtliche Einrichtung haben.
Ich bin einen Monat lang in Wien geweſen; ich konnte Rom ohne mein theures Kind nicht mehr leiden. Selbſt hier bin ich ſchrecklich einſam. Meine Lage iſt in der That grauſam, da ich in Ermanglung der Mittel gezwungen bin, mein Weihnachten in einem fremden Lande zu verleben. Können Sie nicht zu mir kommen? Ich würde mich dann heimiſcher und von allen natürlichen Banden weniger entfremdet fühlen, als es jetzt der Fall iſt. Schlagen Sie es mir nicht ab. Sie werden jetzt Wien wirklich lieb gewinnen. Die Geſellſchaft iſt dieſen Winter ausge⸗ zeichnet und die Engländer ſind am Hofe in großer Gunſt ꝛc. ꝛc.“
Ich ſtieß einen tiefen, ſelbſtſüchtigen Seufzer der Erleichterung aus. Es gab alſo einen Automaten in einer ſtählernen Crinoline weniger, der mich quälte, zwang oder ſchmeichelte, um mir das gefürchtete Ehe⸗ joch aufbürden zu laſſen. Wie liebenswürdig erſchien mir Lord Laneton! Ich glaube, hätte er in dieſem Augenblicke vor mir geſtanden, ſo wäre ich ihm wei⸗ nend um den Hals gefallen und hätte ihn als mei— nen Befreier geſegnet.
In der Freude meines Herzens eilte ich zu Han— cocks, und nachdem ich mich der Mühe unterzogen hatte, ein Geſchenk auszuwählen, das der Neuver⸗ mählten würdig war, ſchrieb ich ſofort an meine Tante, um ihr zu melden, daß ich ihre Einladung annehme. Indem ich das that, fühlte ich mich voll— kommen ſicher, denn ich erinnerte mich, daß die zweite Tochter meiner Tante, die kleine Effie, noch in den Kinderſchuhen ſein müſſe. Dieſer merkwürdige Um⸗ ſtand hatte ſich meinem Geiſte durch die Thatſache unauslöſchlich eingeprägt, daß ich in einem Augen⸗ blick von ganz ungewöhnlicher Großmuth eines Ta⸗ ges, als meine Tante mich in Eton beſuchte, mein ganzes Taſchengeld für den Ankauf einer ſehr großen Puppe für meine kleine Couſine, die damals noch von ihrer Kindermagd getragen wurde, verwendet hatte, was die natürliche Folge hatte, daß ich mir eine kurze Zeit ſo viel Bratwürſte weniger kaufen konnte. Ich wundere mich, wie es zuging, daß ich damals Bratwürſte ſo gern aß— ich vermuthe, daß damals meine Conſtitution eine andere war.
Da nach meiner Berechnung Wien für mich Si⸗ cherheit darbot, ſo weit wie ich ſicher ſein konnte, ſo beſchloß ich meine Abreiſe dahin möglichſt zu beſchleu— nigen; denn Crawley— er war in Eton mein Stu⸗ benburſche— kam nach Whites zu mir und erzählte mir, meine Feindinnen, die Mütter in Belgrave, hät⸗ ten meine Ankunft ausgeſpürt und ſie überlegten be⸗
reits, wie ſie mich fangen könnten. Zwei Stunden ſpäter befand ich mich ſchon auf dem Wege nach dem Continent.
Es war erſt des Morgens um neun Uhr, als ich in dem Hotel in Wien ankam, in welchem Lady Caſtle⸗Connell wohnte. Meine Erkundigung nach Ihro Gnaden wurde mir von ihrem vertrauten Die⸗ ner Larry, ſonſt Herr Moore, beantwortet. Ich glaube, er meinte, der erſte Name würde ſein Vaterland ver⸗ rathen, was aus ſeinem Engliſch Niemand zu errathen vermochte. Es war ein alter Freund von mir, denn er war früher auf dem Gute meines Oheims Wild⸗ hüter geweſen und hatte mich zuerſt darüber belehrt, wie ein Schießgewehr gehandhabt werden müſſe. Er erzählte mir, ſeine Gebieterin ſei noch in ihrem Zim⸗ mer; ſie habe mich nicht ſo früh erwartet und ſie laſſe mich bitten, in dem Beſuchzimmer zu verweilen, bis ſie ſich dort einfinde. Nachdem er dieſe Bot⸗ ſchaft ausgerichtet und mir es ſo comfortable gemacht hatte, wie die Umſtände es erlaubten, ſchritt er in ſeiner unwiderſtehlichen Manier dazu, mir die Ereig⸗ niſſe zu erzählen, die ſich zugetragen, ſeitdem ich My⸗ lady nicht geſehen hatte. Obſchon ihm die Ehre von Caſtle⸗Connell ſehr am Herzen lag, ſo fand ich ihn doch im Ganzen mit der Heirath meiner Couſine
.* ganz wohl zufriedengeſtellt. 1
„In der That,“ ſagte er,„obſchon er nur ein armes, altes Gerippe von einem Lord iſt— Euer Gnaden werden es mir verzeihen, daß ich mich in Ihrer Gegenwart ſo ausdrücke— ſo möchte es Lady Eudocia doch ſehr ſchwer geworden ſein, einen An⸗ dern mit einer ſolchen Maſſe Geld zu finden. Wenn Lady Euphemia nur auch ſchon vermählt wäre!“
Selbſt trotz dieſes Winkes vernachläſſigte ich,
mich nach meiner Couſine Effie zu erkundigen. In eine unheilvolle Sicherheit eingewiegt, ſchritt kein guter Engel ein, um mich vor Gefahr zu retten. Ohne eine einzige Frage an ihn zu ſtellen, entließ ich den alten Diener, legte mich in aller Ruhe auf das Sopha und ſchlief ein, wurde aber bald durch ein lautes Gelächter, das mir in's Ohr drang, ge⸗ weckt, und als ich halb im Schlafe aufſprang, wäre ich beinah mit meinem Kopfe gegen den einer jungen Dame geſtoßen, die ſich über mich lehnte und augen⸗ ſcheinlich in hohem Grade beluſtigt war.
Ich war ernſtlich ungehalten. Es iſt durchaus nicht angenehm, von irgend Jemandem ſchlafend ge⸗ funden zu werden, weit weniger aber noch von einer Sirene in einer Crinoline; denn man kann ſicher ſein, daß man den Mund geöffnet hat, oder ſchnarcht oder irgend etwas eben ſo Abgeſchmacktes thut. Da⸗ her vermochte ich nur in der äußerſten Verwirrung
mich in meine E auf ad reit zu um Erla und mit les Gta bereitet hatte! ihrer u zuſprat ſagte: ton? JI lich, da konnte, weine C 1 verließ finden und hü 91 mente ren.„ Stable Herr, obſchon nommen lange K. ging, u „Als E bis ſie ei daß ich ihr beſu ſtüd de „wie ſe ſchellen,


