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Was mich betrifft, ſo dachte ich kaum mehr daran, den Schneider zu verwünſchen, der mich in dieſe Patſche gebracht, ſondern ich ließ, wie man zu ſagen pflegt, die Ohren hängen, und angenehme Bil⸗ der von Gerichtsverhandlungen, Gefängniß und großer Blamage vor meinen deutſchen Goͤnnern und Freun⸗ den in Valparaiſo ſtiegen vor meinen Augen auf.
Ein Schuß, welcher in dieſem Augenblicke vom Boote der Douane aus auf uns abgefeuert wurde, weckte mich aus meinen Träumen, und ſogleich dar⸗ auf folgten jetzt mehrere andere Schüſſe.
„He, Sennor!“ rief jetzt Ramon;„jetzt kommt Eure Arbeit. Nehmt die Musquete, kauert Euch am Steuer neben Mercedes und gebt's den Hunden— Schuß auf Schuß— da habt Ihr Patronen!“
Er ſchob mir bei dieſen Worten ein Säckchen mit Patronen in die Taſche, und ich folgte ſeiner Aufforderung, da eine Weigerung ſchlimme Folgen hätte haben können.
Das Feuern vom feindlichen Boote dauerte mitt⸗ lerweile ununterbrochen fort, aber keiner der Unſrigen ward verletzt und ebenſowenig konnte ich bemerken, daß in der Nähe unſeres Bootes irgendwie eine Ku⸗ gel in's Waſſer ſchlug, obgleich die Entfernung zwi⸗ ſchen uns keine bedeutende ſein konnte, da ich ziem⸗ lich deutlich einen Mann aufrecht im Bugſpriet des Douane⸗Boots ſtehen ſah.
Ich war indeſſen bei Mercedes angelangt, kniete nieder und ſchlug an.
Es war der zweite Schuß in meinem Leben, den ich jetzt thun ſollte, und ſo gerne ich beim erſten den Vogel getroffen hätte, auf welchen ich ſchoß, ſo be⸗ ſtimmt nahm ich mir jetzt vor, keiner Seele im feind⸗ lichen Boote ein Haar zu krümmen, weniger aus Menſchenliebe, ſondern weil ich, im Falle wir abge⸗ faßt werden würden, die ſehr natürlichen Folgen fürchtete.
Ich zielte daher nach beſten Kräften wenigſtens zehn Manneslängen über das Boot hinweg in den reizenden Nachthimmel und gab Feuer.
Was jetzt erfolgte, war, daß ich von der unſin⸗ nig überladenen Flinte eine Ohrfeige bekam und rück⸗ lings in's Boot fiel, und daß gleichzeitig an unſerem Borde ein endloſes Jubelgeſchrei entſtand.
Der Mann am Bugſpriet im Boote der Douane war verſchwunden, und man nahm an, daß ich ihn getödtet habe..
„Gelobt ſei Gott!“ ſagte Mercedes;„Ihr habt ihm den Garaus gemacht. Ladet raſch und ſchießt noch Einen nieder!“
Ich wußte das freilich beſſer, denn obgleich das Sprüchwort ſagt:„wenn die Kugel aus dem Rohre,
Novellen⸗Zeitung.
ſo iſt ſie in des Teufels Hand“, ſo war ich doch hier meiner Sache allzuſicher, und vermuthete, wahrſchein⸗ lich ganz richtig, daß jener Mann, der ohne Zweifel keine Schußwaffe in unſerem Boote vermuthete, über⸗ raſcht geworden und ſich niedergeſetzt, um ſich nicht länger abſichtlich als Zielſcheibe bloßzuſtellen.
Da ich indeſſen ſchon verſchiedene Male das La⸗
den mit Patronen angeſehen hatte, lud ich und gab Feuer, ganz nach den Grundſätzen, welche mich beim erſten Schuſſe leiteten, und diesmal war die Ohrfeige etwas geringer, wenngleich immer noch anſtändig, das Jubelgeſchrei aber dem erſten ganz gleich. Das Erſte wohl aus dem Grunde, weil die Flinte vorher von ganz ungeſchickter Hand geladen worden war; das Jubelgeſchrei aber anlangend, ſo war es Tem⸗ peramentsſache und Hundert gegen Eins zu wetten, daß unſere Leute jeden noch folgenden Schuß mit ähnlichem Jubel begrüßen würden.
Während ich aber jetzt wieder lud, ſah ich zu meinem Entſetzen Ramon meine geſpannte Leinwand weit hinaus in die See ſchleudern, hierauf in meine Mappe langen, um ſämmtliche in derſelben befindli⸗ che Blätter denſelben Weg gehen zu laſſen.
„Hund,“ rief ich wüthend,„was machſt Du da?“
„Die Schufte hinter uns,“ verſetzte Ramon, „werden dieſe Lumpereien für Waaren halten, ſie aufftſchen, und wir werden Zeit gewinnen, die Küſte zu erreichen.“
Er warf bei dieſen Worten die Mappe ſelbſt über Bord, wog ein kleines Käſtchen mit Farben in der Hand, und ſchleuderte es ebenfalls in's Meer, obgleich er ſich überzeugt haben mußte, daß dieſes ſogleich ſinken würde.
„Ich ſchieße Dich nieder,“ rief ich außer mir, indem ich meine Flinte hob.
Die drei andern Burſche duckten ſich nieder, ohne indeſſen aufzuhören weiter zu rudern; Mercedes aber ſtieß mich leiſe an:
„Beginnt keinen Streit,“ ſagte ſie ſüße flüſternd, „ich mache es Euch wett. Verſteht Ihr mich?“
Ich verſtand ſie, wendete mich von Ramon und ſchoß abermals in der Richtung unſerer Feinde in die Luft.
Der langbeinige Schurke hatte indeſſen doch nicht vollkommen Unrecht gehabt, denn unſere Feinde fiſch⸗ ten wirklich nach den von ihm ausgeworfenen Sachen und wir erhielten dadurch in der That einen Vor⸗ ſprung, und jetzt, während ich ohne weitere Auffor⸗ derung fortfuhr Feuer zu geben, wendete Mercedes plötzlich mit einem ſcharfen Rucke das Boot im rech⸗ ten Winkel, unſer Segel fiel und nach wenig Augen⸗ blicken hatten wir das Ufer erreicht.
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68 dem deg Palparai
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