524 Novellen⸗Zeitung.
ges glaubte ich zu bemerken, daß ſie betrunken ſeien, und er⸗ griff die Flucht. In der Hoffnung, ihnen zu entkommen, ſchlug ich den Weg nach dem Dorfe Sans ein, wo ich mich aber nicht aufhielt und auch mit Niemand ſprach; endlich ge⸗ langte ich nach Barceloneta, wo ich mich acht Tage lang bei einem gewiſſen Thomas aufhielt, welcher das Parterre eines Hauſes in der Straße San⸗Miguel bewohnte. Dieſer Thomas, der ein Schiffskalfaterer war, verſchaffte mir einen Paß, und da ich in der Meinung ſtand, daß meine Gefan⸗ gennehmung von meinem Vater angeſtellt geweſen ſei, ſchiffte ich mich auf der Brigantin⸗Goelette„Conchita y Joven Conchita“ nach Buenos⸗Ayres ein. Nach meiner Ankunft daſelbſt ließ ich mich unter falſchem Namen bei der Armee anwerben und blieb daſelbſt im Dienſte bis zum 6. Decem⸗ ber 1860, an welchem Tage ich mich auf dem Dampf⸗Packet⸗ boote„Puerto⸗Rico“ nach Barcelona einſchiffte. Ich glaube, daß die Uebelthäter, welche mich entführt hatten, zur Polizei⸗ mannſchaft des Commiſſars Tarres gehörten, auch ſchien es mir, daß ſie ſich durch gewiſſe Zeichen und Stichworte ver⸗ ſtändigten, welche ich jedoch nicht näher bezeichnen kann.“
Don Claudio fügte hinzu, daß ſein Vater ſelbſt ſo we⸗ nig an ſeinen Tod geglaubt, daß er die Theilung des Ver— mögens verboten, und die betreffende Beſtimmung ſich in einem verſiegelten Couvert im Teſtament befunden habe. Es entſtehe daher nun die Frage, warum dieſes Verbot übertre⸗ ten worden und das verſiegelte Couvert verſchwunden ſei. Er führte an, daß er Don Antonio de Villamediana hinſicht⸗ lich dieſes Gegenſtandes interpellirt und gefragt habe, ob er ſich noch der Beſtimmung des väterlichen Teſtaments erin⸗ nere, worauf ihm, wie er mit Bitterkeit hinzuſetzt, ſein Schwa⸗ ger mit einem ironiſchen Lächeln geantwortet habe. Der Angeklagte verlangte ferner nachdrücklichſt im Namen des ge⸗
heiligten Rechtes der Vertheidigung die Abhörung zweier Aerzte, welche ihm ein Gegengift verordnet hätten, und die nicht unwichtige Zeugenſchaft des Gefängnißaufſehers, der die Arzneien aus ſeinem eigenen Beutel bezahlt habe. Endlich beſteht er auf der Vernehmung der Frau deſſelben, welche zuerſt den Verdacht geäußert, daß hier irgend eine Machina⸗ tion im Spiele ſei, ſowie deſſen Sohnes, der den inneren Dienſt verſehe. Die Abhörung der Zeugen wird abgelehnt. Aber zwanzig andere Zeugen, höchſt achtbare Perſonen, Freunde der Familie, Aerzte, alte Diener kommen zu beſtätigen, daß der Angeklagte wirklich Don Claudio de Fontanellas ſei; die Recognoscirung erfolgt auf das Voll⸗ ſtändigſte und iſt von den ſchlagendſten Beweiſen der Wahr⸗ heit begleitet. Die alte Amme des Angeklagten ruft unter heißen Thränen Gott zum Zeugen an, daß ihr Nährkind vor ihr ſtehe, ſeine Züge, ſeine Stimme, eine Menge beſonderer Merkmale, Alles ſtimmte überein. Alte Schulcameraden recognosciren ihn auf das Ueberzeugendſte, er ſelbſt erinnert ſie und mehrere alte Diener an gewiſſe Vorgänge, an gewiſſe Einzelheiten, die ihm allein bekannt ſein können. Endlich er⸗ ſcheinen unter anderen Zeugen ſogar die Amme des Claudio Feliu, welche erklärt, daß er dem Sohne des Schneiders nicht im Geringſten gleiche; Andere beſtätigen, daß ſie den Ange⸗ klagten in den Jahren 1851, 1852 und 1855 in Amerika geſehen haben, wodurch jede Verwechslung mit Claudio Feliu ausgeſchloſſen wird, der erſt im Jahre 1857 Spanien verlaſ⸗ ſen haben ſoll.
Die Verhandlungen werden geſchloſſen, die Ueberzeu⸗ gung der öffentlichen Meinung ſteht feſt, der Beweis iſt er⸗ bracht;— der Angeklagte hat nur ſeine Freiſprechung und ſeine Rehabilitation zu erwarten. In der folgenden Au⸗
geregte öffentliche Meinung zu beruhigen.
dienz erklärt jedoch der Richter, aus welchem der ganze Ge⸗
richtshof allein beſteht, der Angeklagte ſei nicht Don Claudio Fontanellas, ſondern er ſei Claudio Feliu! In Betracht der Hartnäckigkeit, mit welcher der Angeklagte ſeine wirklichen Eltern und Geſchwiſter verleugnet, wodurch er eine ſchwere Verletzung der Achtung begangen, welche jedes Kind den Ur⸗ hebern ſeiner Tage ſchuldig iſt, und wegen der Anmaßung von Familienrechten wird er mit zwölfjähriger Zwangsar⸗ beit und lebenslänglichem Verluſt aller bürgerlichen Rechte be⸗ ſtraft. Von dem Verbrechen des Betrugs wird er jedoch freigeſprochen, und dem Marquis von Villamediana das Recht vorbehalten, das Verfahren gegen Beleidigung und Verleumdung hinſichtlich der bei der Vertheidigung vorge⸗ brachten Umſtände zu beantragen. Endlich, da zwanzig Zeu⸗ gen eidlich verſichert haben, daß der Angeklagte Claudio de Fontanellas ſei, ſo ſoll auf richterliches Erkenntniß gegen dieſe Zeugen wegen falſchen Zeugniſſes verfahren werden.
Der Verkündigung dieſes niederſchmetternden Urtheils folgte eine unerhörte Scene, ein Scandal vor Gericht, der niemals ſeines Gleichen gehabt hat.
Der Vertheidiger des Angeklagten, Herr Nieva, ein we⸗ gen ſeines Talentes und ſeines Charakters allgemein geachte⸗ ter Greis von vierundſechzig Jahren, konnte ſich nicht enthal⸗ ten, nachdem man die wiederholt verlangte Anſtellung von Erörterungen und Vernehmung nothwendiger Zeugen verwei⸗ gert hatte, mit einem gewiſſen Grad von Heftigkeit gegen das ganze Verfahren und namentlich dieſes Erkenntniß zu prote⸗ ſtiren. Sofort verfügte der Richter die Verhaftung des Ad⸗ vocaten; die Alcalden bemächtigten ſich ſeiner, banden ihn und führten ihn ab. In der nächſten Audienz beantragte der Staatsanwalt gegen den Vertheidiger eine Gefängniß⸗ ſtrafe in der Dauer von ſechszehn Monaten und fünfhundert Douros(66 Thlr. 20 Ngr.) Geldbuße. Herr Nieva erin⸗ nerte in ſeiner Selbſtvertheidigung den Richter an ihre Uni⸗ verſitätsfreundſchaft, aber der unerbittliche Gegner, die Pflich⸗ ten ſeines Amtes vorſchützend, dabei aber nur ſeine perſön⸗ liche Rache im Auge habend, verurtheilte ſeinen alten Freund, den gelehrten, für Gerechtigkeit erglühenden Sachwalter, zu ſechsundzwanzig Monat Gefängniß, hundert Douros Geld⸗ buße und lebenslänglichem Verluſt der Ausübung ſeines Ge⸗ werbes. 4
Ein ſolches Urtheil war allerdings nicht geeignet, die ſchon über die Verurtheilung des unglücklichen Claudio auf⸗ In wenigen Stunden hatte man durch Subſcription 40,000 Francs zu⸗ ſammengebracht. Von dieſer Summe wollte man zunächſt den Lebensunterhalt des Angeklagten beſtreiten, und das
Uebrige bot man als Honorar Herrn Caſo an, einem berühm⸗
ten Anwalt in Madrid, an welchen man Deputirte abſchickte, um ihn zu bewegen in der Appellationsinſtanz die Vertheidi⸗ gung des Gefangenen zu übernehmen, welcher der Client von ganz Catalonien geworden war. Herr Caſo wies das Hono⸗ rar zurück, widmete ſich aber mit Leib und Seele der Verthei⸗ digung, und als die Angelegenheit von Claudio Fontanellas vor das Appellationsgericht zu Barcelona kam, befand ſich die ganze Stadt in Aufregung.
Der neue Vertheidiger beſaß eine außerordentliche Be⸗ redſamkeit und Unerſchrockenheit, er ſtellte die habſüchtige Ma⸗ chination des Marquis von Villamediana, des mächtigen Herrn, in das gehörige Licht, welcher Claudio als Schwager verleugnete, um ſein Erbtheil zu retten! Er eiferte gegen die Illegalität des Verfahrens, die Parteilichke it bei der Unterſu⸗ chung, die unerhörte Weiſe wie die erſte Verhandlung ge⸗
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