Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
523
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Vierle Folge. 523

Räubern umringt, auf ein Pferd gebunden und in die benach⸗ barten Gebirge entführt. Die ſpaniſchen Sierras haben viel Aehnliches mit den Abruzzen. Der unglückliche junge Mann ſchrieb zwei verzweiflungsvolle Briefe an den Marquis, ſeinen Vater, und bat ihn, ſein Löſegeld zu zahlen, aber dieſer zögerte damit, ließ vergebliche Nachforſchungen anſtellen, und bald darauf galt Claudio für todt. Ein ſeltſames Geheimniß waltet noch über die Urheber dieſer Entführung; eine Zeit lang lief das Gerücht um, daß eine gewiſſe Polizeiperſon ihr nicht fremd ſei. Achtzehn Jahre ſpäter ſtarb der Marquis immer noch im guten Glauben, daß ſein Sohn Claudio ſich am Leben befinde, und in Vorausſicht deſſen möglicher Rück⸗ kehr hatte er in ſeinem Teſtamente beſtimmt, daß ſein bedeu tendes Vermögen ungetheilt ſeinem anderen Sohn Lamberto und ſeiner Tochter verbleiben ſolle, welche in zweiter Ehe mit dem mächtigen Marquis von Villamediana vermählt war. Dieſe Beſtimmung des Teſtaments wurde jedoch nicht beachtet, worüber ſich die öffentliche Meinung ſehr be unruhigte.

Das Verſchwinden des armen Claudio war nun ſchon faſt eine Legende geworden, als am 15. Mai 1861 ein ame⸗ rikaniſches Schiff in Barcelona ankam und Don Lamberto, der neue Marquis de Caſa Fontanellas, von einem der Paſ⸗

ſagiere bei der Ausſchiffung einen Brief erhielt, unterzeichnet:

Dein Bruder Claudio. In dieſem Briefe zeigte Claudio ſeine Rückkehr an, nachdem er ein Gelübde erfüllt habe, vor einer gewiſſen Zeit das väterliche Haus nicht wieder zu betre⸗ ten. Don Lamberto ſchickte dem unverhofften Gaſte ſogleich den älteſten Beamten des Hauſes, Don Juan Marti, entge⸗ gen, welcher kaum das Schiff betreten hatte, als er ſich bei ſeinem Namen rufen hörte und von einem der Reiſenden, in welchem er den jungen Claudio, ſeinen Zögling, erkannte, mit den rührendſten Freudenbezeigungen umarmt wurde. Don Lamberto empfing mit Freuden den verloren geglaubten Bru⸗ der, ſtellte ihn officiell den Landesbehörden vor und beeilte ſich, die frohe Nachricht ſeiner Schweſter, der Marquiſe von Billamediana, durch den Telegraphen mitzutheilen. Eine Woche verläuft unter herrlichen Feſten, alle Welt erkennt den verlorenen Sohn wieder; Claudio wiegt ſich in goldenen Träumen, aber welches Erwachen!

Eines Nachts, um zwei Uhr des Morgens, tritt der Be⸗ zirksrichter, begleitet von dem Alcalden, in ſein Zimmer. Noch vom Schlaf befangen, vernimmt er die Anklage auf wider⸗ rechtliche Anmaßung von Familienrechten, und nach einem höchſt oberflächlichen Verhör wurde er ungeachtet ſeiner Pro⸗ teſtationen gebunden wie einſt von den Banditen. Von hei⸗ ßer Fiebergluth ergriffen, bat er wie um eine Gnade um ein Glas Waſſer, ein beſtürzter Diener reichte es ihm und warf ein Stück Zucker hinein. Kaum hatte der unglückliche Clau⸗ dio davon getrunken, als er ausrief:Ich bin vergiftet! Auf der Stelle in das Gefängniß geſchleppt, erhielt er daſelbſt den Beiſtand eines Arztes, welcher ihm ein Gegengift verord⸗ nete und ſeine Schmerzen linderte, aber dennoch blieb er drei Wochen lang bettlägrig und befand ſich während dieſer Zeit in beſtändigem Delirium. Alle Einzelheiten jener ſchreckli⸗ chen Nacht kreiſen in ſeinen Träumen und er ſchildert ſie den entſetzten Umgebungen in ſeinen Reden von überwältigender Wirkung. In jedem Augenblick dringt der Schrei der Un⸗

ſchuld von ſeinen Lippen und die Wächter werden bis zu Thränen gerührt.

Woher kam nun dieſer entſetzliche, unerwartete Schlag? Wer beſchuldigt ihn, ſeinen Namen geſtohlen zu haben? Sein Bruder Lamberto, welcher ihn mit ſo herzlicher Freude

anerkannt und aufgenommen hat, iſt es nicht. Aber ſeine Schweſter und ihr Gemahl, der Marquis und die Marquiſe von Villamediana, ſind es, welche in der verhängnißvollen Nacht ſelbſt von Madrid nach Barcelona gekommen ſind, um die Behörde zu dem Schritt gegen ihren Bruder zu veran⸗ laſſen.

Der betreffende Beamte iſt der nämliche, welcher bei der Ankunft Don Claudio's die civilrechtlichen Erörterungen angeſtellt hatte, um deſſen Identität zu conſtatiren, und dazu die gültigſten Beſcheinigungen des Marquis Don Lamberto und Don Juan Martis erhalten hatte! Und dieſer Richter hat, indem er dieſe rein civilrechtliche und, wie es ſchien, ab⸗ gemachte Angelegenheit in eine criminelle verwandelte, den Unglücklichen verhaftet, um, er allein, in der nächſten Seſſion das Urtheil über ihn zu fällen. In Spanien beſteht, wie es ſcheint, das Gericht erſter Inſtanz ſelbſt in Criminalfällen aus einem einzigen Richter.

So liegt nun der unglückliche Claudio ſeit mehreren Wochen auf ſeinem Schmerzenslager und ahnet nicht, daß ihm eine noch entſetzlichere Prüfung bevorſteht. Eines Ta⸗ ges erſcheinen in ſeinem Gefängniſſe vier dem Pöbel von Barcelona angehörige Perſonen, der Schneider Jacquin Fe⸗ liu, ſeine Frau und ſeine beiden Kinder, und alle vier erklä⸗

ren mit der größten Kaltblütigkeit, der Gefangene ſei Claudio Feliu, ihr Sohn, reſp. Bruder, fünfundzwanzig Jahr alt, welcher ſich 1857 nach Buenos⸗Ayres eingeſchifft habe. Ver⸗ gebens proteſtirt der empörte Claudio gegen dieſe verleumde⸗ riſche Verwandtſchaft, vergebens beſteht er auf eine neue Confrontation, um ſeinen Proteſt in Gegenwart der falſchen Verwandten zu wiederholen; ſeine angebliche Mutter weigert ſich, ihn zu ſehen, weil er ſie doch verleugnen werde, und der Richter, welcher, wie er behauptet, keiner weiteren Auf⸗ klärung bedarf, verfügt:No ha lugar!(kann nicht ſtatt⸗ finden).

Das iſt aber noch nicht Alles. Der unglückliche Ge⸗ fangene reclamirt von ſeinem Richter verſchiedene höchſt wich⸗ tige Papiere, die er ihm bei ſeiner Ankunft zugeſtellt, um ſeine Identität auf das Unwiderleglichſte darzuthun, und welche dieſer zurückbehalten hat. Der allmächtige Beamte erwidert, die Papiere ſeien derlegt worden und könnten nicht wieder gefunden werden, wobei es ſein Bewenden habe.

Endlich erſchien der Tag der Audienz; die Verhand⸗ lung wurde öffentlich geführt, das ganze Land war in Bewe⸗

ng. 3eder Angeklagte gab über ſein Verſchwinden folgende Aufſchlüſſe:

Als ich eines Abends um ſechs Uhr durch die Straße Santa⸗Madrona ging, wurde ich von ſieben Männern, unter denen ſich Agenten des Polizeicommiſſars Tarres befanden, ergriffen und feſtgehalten. Sie befahlen mir, mit ihnen zu kommen, und brachten mich in eine in einer Schlucht des Montjuich gelegene Höhle. Im Hintergrund derſelben lag ein Leichnam, welcher ſich ſchon in ziemlich weit vorgeſchrit⸗ tenem Zuſtande der Verweſung befand. Hier nöthigten ſie mich, an meinen Vater zu ſchreiben, daß ich gefangen ſei und daß er, wenn er mein Leben retten wolle, mir ſobald als möglich zehntauſend Unzen Gold ſchicken möge. Nachdem dieſer Brief geſchrieben und verſiegelt war, wurde er von einem der Männer fortgetragen, worauf mich die übrigen nach einem vergeblichen Kampfe zwangen, meine Kleider ab⸗ zulegen. Vier der Unbekannten warfen ſich, nachdem ſie ge⸗ geſſen und getrunken hatten, auf die Erde und ſchliefen, wäh⸗ rend zwei mich bewachen ſollten. Kurz vor Anbruch des Ta⸗