Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
522
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Novellen⸗Zeitung.

Thür trittſt du ihr friſtrt, chauſſirt, im weißen Un⸗ terkleid entgegen

«Nun, das Kleid?« fragſt du und machſt mit Stimme, Blick und Geberde Fragezeichen, die einen Stein erbarmen könnten.

⸗Das Kleid iſt nicht fertig, der Geſelle hat einen blauen Montag gemacht, vor Abend kann er's nicht liefern. So lautet die Hiobspoſt.

Vernichtet ſinkſt du in ein Sopha⸗Eck. Dahin ſind deine ſchönen Träume von den Triumphen, die du zu feiern gedachteſt. Es bleibt dir keine andere Wahl, als entweder zu Haus zu bleiben, oder ein Kleid anzuziehen, in dem man dich ſchon zwanzigmal geſehen hat. Eine Alternative iſt ſo ſchlimm als die andere. Abſagen und das ganze Vergnügen fahren zu laſſen, dazu entſchließeſt du dich ſchwer; und ⸗die alte Fahnes anziehen, wie du dich in deinem Unmuth ausdrückſt, das Aſchenbrödl ſein unter den Andern, der Frau von X. und der Frau Y. zum Geſpött die⸗ nen! Es iſt wahr, die Situation iſt höchſt fatal; aber ſei vernünftig und nimm's kaltblütig.

Nimm's kaltblütig, wenn du dich um eine Stelle bewirbſt und der protegirte Nichtswiſſer dir vorgezo⸗ gen wird. Bedenke doch, was aus der Dummheit werden ſollte, wenn ſie keine Beſchützer fände.

Nimm's kaltblütig, wenn du einen Wiſcher⸗ bekommſt, den dein Vorgeſetzter verdient hätte, und wenn dieſer einen Orden bekommt, der eigentlich dir gebührte. Solche Dinge geſchehen dir nicht allein, das erlebt man alle Tage.

Nimm's kaltblütig, wenn Läſterzungen deinen ehrlichen Namen mit ihrem Geifer beſudeln, und wenn von Selbſtſüchtlingen, welche Uneigennützigkeit unbegreiflich finden, deinen edelſten Abſichten die ge⸗ meinſten Motive untergelegt werden.

Nimm's kaltblütig, wenn der übermüthige Glücks⸗ pilz, der vielleicht nicht werth iſt, dir die Schuhrie⸗ men aufzulöſen, in ſeiner aufgeblaſenen Nichtigkeit, aber ſtolz auf ſeinen Geldſack, dich vornehm über die Achſeln anſieht. So etwas iſt ja nicht ärgerlich, ſon⸗ dern nur komiſch.

Ueberhaupt giebt es kein beſſeres Mittel, den Spießen und Dornen des Lebens die verwundenden

Seite abzugewinnen ſuchen. Wer es einmal in der Kunſt zu leben zu ſolcher Einſicht und Fertigkeit ge⸗ bracht hat, deſſen Gemüth iſt mit einem Fallbauſch verſehen, woran die Stöße und Püffe des Schickſals gefahrlos abprallen. Und im Grunde iſt es ja gar nicht ſo ſchwer, ſich dieſen göttlichen Humor anzueig⸗ nen. Sind denn nicht, beim Lichte betrachtet, die meiſten Unvollkommenheiten des Lebens, wodurch wir uns verletzt fühlen, bloße Ungereimtheiten? Und iſt nicht Ungereimtheit das weſentliche Merkmal des Ko⸗ miſchen? Es kommt nur darauf an, daß wir uns auf den rechten Standpunkt ſtellen. Suchen wir uns daher auf dieſen erhabenen Standpunkt zu erheben, und wir werden nach und nach zu jener heiteren, weil verklärten und verſöhnten Anſchauung des Le⸗ bens gelangen, worin der echte Humor und die wahre Lebensweisheit beſtehen.

Man darf ſich veranlaßt fühlen, recht ſehr die guten, geſunden Grundanſichten zu loben, die der Verfaſſer in einer großen Reihenfolge⸗von Eſſays ausſpricht. Namentlich iſt es dankenswerth, einmal gegen die moderne Unſitte eifern zu ſehn, daß wir vor lauter Zurüſtungen zum Leben nicht mehr zum Leben ſelbſt kommen; lauter Satteln und niemals Reiten, lauter Stimmen der Inſtrumente und kein Concert. Unſere Bildung und Civiliſation iſt ein Segen, nicht aber unſere Art, ſie in jedem einzelnen Individuum, welches der Intelligenz angehört, zu übertreiben. Die Klage iſt richtig, daß das Knaben⸗ alter mit den meiſten ſeiner Freuden dem Jünglings⸗ alter, das Jünglingsalter in gleicher Weiſe dem Mannesalter und dieſes der Ruhe des Greiſes auf⸗ geopfert wird. Wie klein aber iſt die Zahl derjeni⸗ gen, die Männer werden, um wie viel kleiner die, welche weißes Haar tragen, und welche endlich tragen es im friedlichen Lebensgenuß? Es iſt viel vergeb⸗ liches Ringen und wenig Erfolg; es iſt auch der Mühe werth, daß ſolche Schattenſeiten des Lebens herausgeſtellt werden; aber zu ſagen, wie ſie abge⸗

ſtellt werden könnten, das würde noch in eben dem

Grade mehr Dank verdienen, als es ſchwieriger zu ſein ſcheint, denn ſelbſt die Klügſten halten hier ihren guten Rath zurück, mit dem ſie doch ſonſt unaufhör⸗

Spitzen abzubrechen, als indem wir ihnen die komiſche lich und unaufgefordert bei der Hand ſind.

Feuilleton.

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Ein Dramg in Spanien. Eines Abends wurde in Barcelona ein liebenswürdi⸗ ger Cavalier von achtundzwanzig Jahren, der Sohn eines

Millionen reichen Banquiers aus altadeligem Geſchlechte, Don Claudio de Caſa Fontanellas, in einen entlegenen Ort zu einem zärtlichen Stelldichein gelockt und hier ploͤtzlich von

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