Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
521
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weilen ſeh des Publi der obenſte⸗ on Schmidt ßt. Weder deſer prak⸗ an der That agenehm be⸗ res Daſeins ſchen werden. eßt er ſelbſt ichmuth und Gegentheil: nenſchlichen che Urſache s täglichen um unſere de, ein zer⸗ ſchter Rock, das harte

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Vierte Folge.

Halt, Freund, ſprich es nicht aus, was du auf der Zunge haſt; es iſt ärgerlich, aber nimm's kalt⸗ blütig, Toben nützt nichts.

Wem fällt bei dieſer Gelegenheit nicht die be⸗ kannte Anekdote von Philipp II. von Spanien ein? Dieſer mehr vielleicht durch Schiller's ⸗Don Carlos⸗ als durch ſeine Tyrannei unpopulär gewordene Mon⸗ arch arbeitete einmal bis tief in die Nacht hinein mit ſeinem Geheimſchreiber, dem er eine wichtige Depeſche in die Feder ſagte. Schon graute der Mor⸗ gen, der König war vom Nachtwachen erſchöpft, doch der Courier wartete, die Arbeit mußte vollendet wer⸗ den. Der Secretär will ſie mit Sand beſtreuen, aber in der Eile erfaßt er ſtatt der Streuſandbüchſe das Tintenfaß und die ganze Arbeit iſt umſonſt. Sprachlos vor Schreck ſtarrt der Geheimſchreiber ſei⸗ nen ſtrengen Gebieter an, er erwartet einen furcht⸗ baren Zornesausbruch.

Nun, was giebt's? fragte ruhig der König. Nehmen Sie anderes Papier und ſchreiben Sie.

Und die Arbeit begann von Neuem.

Einen ähnlichen Zug erzählt man ſich von Tu⸗ renne. An einem heißen Sommertage lehnte ſich der große Feldherr in weißem Beinkleid und leichter Jacke im Gartenſalon zum Fenſter hinaus. Jean, einer

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ſehen. Es iſt ärgerlich, ſeine Freude auf ſolche Weiſe zu Waſſer werden zu ſehen. Aber folge meinem Rathe: Nimm's kaltblütig, Fluchen macht den Him⸗ mel nicht helle.

Oder du kaufſt dir einen neuen Hut, den du ſchon lange brauchteſt. Auf dem Heimweg vom Hut⸗ macher, dem du den alten Hut zum Ausbügeln zu⸗ rückgelaſſen, kommt unverſehens ein heftiger Wind⸗ ſtoß; ehe du Zeit haſt, nach dem Hute zu greifen, wird dir dieſer Hut vom Kopfe geriſſen und kollert, gewaltige Sätze machend, über Stein⸗ und Staub⸗ haufen, durch ſchmutzige Gaſſen ec. dahin, daß es ko⸗ miſch anzuſehen wäre, wenn der Hut nicht gerade dir gehörte, und wenn es nicht gerade der nagelneue wäre. Du rennſt, ein Gaudium aller Gaſſenbuben, mit fliegenden Haaren hinterdrein; aber im Augen⸗ blick, wo du den Flüchtling zu erhaſchen meinſt, ge⸗ räth er den Pferden eines raſch daherfahrenden Wa⸗

gens unter die Hufe, wird gleich darauf von einem

der Räder erfaßt, und ehe du weißt, wie dir ge⸗ ſchieht, iſt der ſchöne neue Hut zu einem unförmlichen Knäuel zuſammengequetſcht. Der Fall iſt ärgerlich, ich will es zugeben, aber bleibe bei deinem Spruche: Nimm's kaltblütig, und ſei froh, daß die Räder nur den Hut und nicht das erwiſchten, was er zu

der Lakaien, tritt ein, und hält den Herrn für Jac⸗ bedecken beſtimmt war.

ques, den Koch. Das ſtraff geſpannte Beinkleid ſieht

ſo einladend aus, daß er der Verſuchung nicht wi⸗

Nehmen wir einen anderen Fall. Du biſt eine junge, hübſche Frau, die ſich gern

derſtehen kann, einen kräftigen Schlag darauf zu füh⸗ putzt. Du biſt zu einem Kindtaufſchmaus, einer Hoch⸗ ren. Er holt weit aus, und klatſchend fällt die Hand zeit, einem Balle, oder einer anderen ähnlichen Feſt⸗

auf die hochgewölbte Fläche. Turenne, von der un⸗ ſanften Berührung aufgeſchreckt, wendet ſich raſch um und Jean erkennt mit Entſetzen die entrüſtete Miene des Gebieters. ⸗Monſeigneur, ich glaubte, es ſei Jacques,» iſt Alles, was er aus der von Schreck ge⸗ lähmten Kehle hervorzubringen vermag.

»Und wenn es Jacques geweſen wäre,» ſpricht Turenne und reibt ſich die hart getroffene Stelle, ⸗ſo hätteſt du ſo derb nicht zuſchlagen ſollen!« Und da⸗ mit war's abgemacht.

Nimm's kaltblütig!» iſt wirklich ein herrlicher Spruch, nur iſt deſſen Befolgung oft ſchwer.

Du haſt dir z. B. vorgenommen, am folgenden Tag eine Landpartie zu machen, auf die du dich ſchon lange gefreut. Die Sonne geht des Abends herrlich unter, und die Abendröthe verſpricht dir zu deinem Ausflug einen ſchönen Tag. Aber das Wetter hat ſeine Launen und theilt mit ſäumigen Zahlern die Schwäche, gar oft ſein Verſprechen nicht zu hal⸗ ten. Wie du des Morgens erwachſt und zum Fenſter eilſt, rieſelt aus grau verhängtem Himmel ein ge⸗ müthlicher Landregen herab, deſſen Ende nicht abzu⸗

lichkeit geladen, wo Alles im größten Staate erſcheint,

wo alſo du natürlich nicht zurückſtehen kannſt. Dein Ehemann iſt ſo galant, dir für dieſe Gelegenheit ein prächtiges neues Kleid zu kaufen. Du giebſt es dem Schneider und bindeſt ihm auf die Seele, daß er es ja auf das Allereleganteſte mache und daß es recht⸗ zeitig fertig werde. Der beſtimmte Tag erſcheint. Morgens in aller Frühe ſollſt du das Kleid ſchon haben, ſo hat es dir der Schneider, der zu denen gehört, die bisweilen ihr Wort halten, feierlich zuge⸗ ſagt. Du warteſt, warteſt der Schneider kommt nicht. Du gehſt alle fünf Minuten an's Fenſter, und ſiehſt mit einem Blicke hinaus, als ob dir die Gabe verliehen wäre, den ſäumigen Schneider mag⸗ netiſch herbeizuziehen. Alles umſonſt der Schnei⸗ der kommt nicht. Der Zeiger der Uhr, die du alle Augenblicke zu Rathe ziehſt, verkündet dir, daß es höchſte Zeit iſt, wenn du um neun Uhr, auf welche Stunde der Kutſcher beſtellt iſt, fertig ſein willſt. Du ſchickſt das Stubenmädchen fort, nach Schneider und Kleid zu ſchauen. Nach einer peinlichen Viertel⸗ ſtunde kommt das Stubenmädchen zurück. Unter der