Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
520
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Wirren Haares, mit verſtörten Mienen, Eingehüllt in faltigen Gewanden,

In das Zimmer einen ſchweren Körper;

Auf vom Pulte ſpringt entſetzt der Schüler: Was beginnt ihr, theuere Genoſſen?

Unſern Meiſter traf ein tückiſch Meſſer,

Als vom Lehrſtuhl in der Synagoge Wir nach ſeinem Hauſe ihn begleitet! Nieder ſtürzt er zu dem theuern Lehrer Und ein Schrei entringt ſich ſeinen Lippen. Doch der blaſſe Mund des Meiſters regt ſich, Auf ſchlägt er die müden Augenlider,

Die das Reich der Schatten ſchon umnachtet; Leiſe, aber liebreich, nicht im Zorne, Spricht der Rabbi ſeine letzten Worte:

Klaget nicht und trocknet eure Augen, Nicht nach Rache ruft empor zum Himmel. Seht, ich fluche nicht der Hand des Chriſten, Die das Leben vor der Zeit mir hemmte; Blinder Wahn hat jene Hand mißleitet. Eure Rache ſei nicht blut'ge Rache,

Eure Rache ſei Vergebung, Liebe! Sterbend jetzt verhüllte er ſein Antlitz.

Noch der Morgen fand ihn bei dem Todten, Ihn, den Trauernden, den treuen Schüler, Der die Nacht wahnſinn'gen Wehs verbrütet. Er erhob ſich; ihm im tiefſten Herzen Leuchteten des Meiſters letzte Worte.

Und der Schüler, der vordem ſo zaghaft, Fühlte eine große Wandlung in ſich,

Stark genug ſich zu dem ſchweren Werke, Seinem fluchbeladnen Volk ein ſichrer Führer vorzuwandeln auf den Pfaden,

Die im Schickſalsbuche vorgeſchrieben, Seines theuern Meiſters blut'gem Schatten Aufzutreten als der rechte Rächer.

Tags darauf geht er zur Synagoge. Auf dem Marktplatz ſaß ein Weib in Lumpen, Bleich vor Hunger, an der Bruſt ein Kindlein; Eines Chriſten Weib war dieſe Mutter. Fleh'nden Blickes ſprach aus ihr das Elend, Ob nicht Einen ihre Noth erbarme; Achtlos gingen Viele ihr vorüber. Schritt der Jude an dem Weib vorüber, Sah es an und hört des Kindes Wimmern, Und er reicht, die Blöße zu bedecken, Seinen warmen Mantel jenem Weibe.

Eure Rache ſei Vergebung, Liebe! Und er ſchritt hinauf die Tempelſtufen.

Literariſche Briefe von Otto Banck.

Das Buch vom Lebensglück. Von Karl Stugau. Wien, Schönwerk's Verlag, 1865. Bei der großen Emſigkeit unſerer Literatur kann

Novellen

Zeitung.

es nicht fehlen, daß Sie dieſelbe auch zuweilen ſehr human für das menſchliche Wohlergehen des Publi⸗ cums Sorge tragen ſehen. So thut es der obenſte⸗ hende Verfaſſer, der eigentlich Auguſt von Schmidt heißt, ſich aber Stugau ausſprechen läßt. Weder ohne Ernſt noch ohne guten Humor hat dieſer prak⸗ tiſche, angehende Philoſoph nachgedacht. In der That muß unſere materielle Zeit ein Buch angenehm be⸗ rühren, in welchem die Wechſelfälle unſeres Daſeins und unſer Verhalten bei denſelben beſprochen werden.

Da der Autor praktiſch wirken will, ſchließt er ſelbſt

das Triviale nicht aus; er räth zu Gleichmuth und Harmonie und ſagt in Bezug auf das Gegentheil:

Ein ſehr gewöhnliches Hinderniß menſchlichen Glückes iſt allzu große Reizbarkeit, welche Urſache iſt, daß oft die geringfügigſten Vorfälle des täglichen Lebens uns ärgern und auf Tage hinein um unſere gute Laune bringen. Eine verſalzene Suppe, ein zer⸗ brochenes Glas, ein vom Schneider verpfuſchter Rock, die Prellerei eines unverſchämten Kutſchers, das harte Wort eines Vorgeſetzten, ein Gardinenſtreit vermag unſern roſigſten Humor plötzlich in die ſchwärzeſte Laune umzuwandeln. Bei manchen Temperamenten, wie beim choleriſchen, pflegt ſich der Unmuth meiſt wie ein ſchnell heraufziehendes Gewitter mit einigen Donnerſchlägen zu entladen und der Gemüthshimmel wird bald wieder heiter. Bei anderen Naturen, den melancholiſchen beſonders, wird der Unmuth im Stil⸗ len ausgebrütet und großgezogen. Dieſe leiden mehr, weil ſie länger leiden und weil die geſchäftige Phan⸗ taſie die Mücke zum Elephanten aufbläht.

Allen denen, die mit einem derartigen Tempera⸗ ment behaftet ſind, empfehlen wir zur Beherzigung den Spruch, der den Leſern von Capitän Marryat's Jacob Ehrlich erinnerlich ſein wird: Nimm's kalt⸗ blütig«. Was uns auch im Laufe des Tages Un⸗ angenehmes begegnen mag, es finde uns mit dem Vorſatze gewappnet, uns dadurch nicht um unſeren Frohſinn bringen zu laſſen.

Du haſt z. B. eine wichtige Arbeit gemacht, ein Promemoria für einen Miniſter etwa, haſt die halbe Nacht mit Emjſigkeit geſchrieben und haſt nun des Morgens deine Freude daran, wie ſauber, nett und wohlſtyliſirt das ſchwere Stück Arbeit vor dir liegt. Du gehſt einen Augenblick vom Schreibtiſch weg, um dich anzukleiden, denn der Miniſter, bei dem du zur Audienz vorgemerkt biſt, empfängt frühzeitig. Wie du zurückkommſt, findeſt du wer beſchreibt deinen Schreck! das ſchöne Manuſcript von oben bis

unten mit Tinte übergoſſen, womit dein jüngſter

Sprößling, den ein böſer Genius in's Zimmer ge⸗ führt, zu ſandeln vermeinte. ⸗Ja, da möcht' ja

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