Novellen⸗Zeitung.
wollte ſie wiſſen, ob Sie nicht ſpröde oder hartherzig als chileniſches Landmädchen und endlich als Ma⸗ wären und ſich auf das Courmachen ein wenig ver⸗ donna. Die alten Italiener haben das auch ſo ge⸗ dem ſtünden oder nicht.“ macht mit ihren Liebſchaften. Von Raphael weiß ehm Ich gab keine Antwort, aber das Bild dieſer man es gewiß, die Andern werden auch Schätze ge⸗ b kleinen Mercedes begann eine ſtets reizendere Fär⸗ habt haben, und was den bräunlichen, warmen, italie⸗ s bung anzunehmen, denn es gehört eigentlich keine niſchen Ton betrifft, ſo hat ihn die Kleine vollauf.“ bbb i allzugroße Gabe von Eitelkeit dazu, zu glauben, daß Am Abende des nächſten Tages richtete ich mein nd ein junges Mädchen Wohlgefallen an einem jungen Malerzeug zuſammen und war zeitig bei Glebel. Die Burſchen findet, der— wie ich mir einbildete— irdiſche Liebe hatte die göttliche zur Kunſt nicht voll⸗ fand auch nicht ganz übel war. kommen verdrängt. Ma Als Glebel jetzt Abſchied von mir nahm, und Ich traf den Schneider bereits gerüſtet, aber in fah mir empfahl, morgen um neun Uhr des Abends mich einer ſonderbaren Stimmung, die zum Theil mürriſch wu ja bei ihm einzufinden, war ich froh, allein zu ſein, und ärgerlich zu ſein ſchien, aber zugleich auch wie⸗ 3 um meinen Gedanken Audienz zu geben, oder beſſer, der geheimnißvoll und offenbar ein wenig ängſtlich um Luftſchlöſeer bauen zu können— roſenfarbige war, und als wir uns anſchickten, das Haus zu ver⸗ Luftſchlöſſer! laſſen, nahm er abermals eine Weſte über den linken Es unterlag keinem Zweifel, daß Glebel in ſei⸗ Arm und ließ— offenbar in der Abſicht, es recht unſe ner Gutmüthigkeit und ſeinem Eifer, Anderen Gefäl⸗ augenfällig zu machen— ein Schneidermaß weit aus ic ligkeiten zu erzeigen, mir nicht allein zu einer nächt- ſeiner Taſche hängen. 4 lichen Waſſerfahrt verhelfen, ſondern mir auch eine„Lieber Herr Glebel,“ ſagte ich,„warum ſchlep⸗ wi artige Liebſchaft zuſchanzen wollte. Und das war pen Sie um Gotteswillen jetzt, in der Nacht, dieſe 3 w mir ganz außerordentlich angenehm! Weſte mit ſich herum? Es kann ja Niemand dieſes 8 „Kann es,“ ſagte ich zu mir ſelbſt,„kann es Zeichen Ihres Fleißes ſehen!“.6 eine paſſendere Bekanntſchaft für dich geben, als dieſe„Ich garantire Ihnen, daß man es ſehen ſoll,“ kleine, charmante Tochter des Volkes, welche da draußen verſetzte er;„laſſen Sie mich nur machen.“ 1 t in romantiſcher Abgeſchiedenheit und Unſchuld ihre In der That wußte er es wirklich einzurichten, Tage zubringt? Das iſt eine wahre Künſtlerliebe! denn wir nahmen unſeren Weg durch die Stadt, und e Bei Tage nehme ich Skizzen auf und male Bil⸗ dort blieb Glebel bei jedem der wenigen noch erleuch⸗ 1 9 der, um Geld zu verdienen. Abends eile ich in die teten Läden ſtehen, ſprach alle Bekannte an, welche 1 Arme der Liebe. Niemand belauſcht uns in jenem uns begegneten, ja er begleitete dieſelben ein Stück⸗ pittoresken Felſengeklüfte. Vor uns die See, glatt ſchen Weges, kurz er that erſichtlich alles Mögliche, b wie ein Spiegel und nur leiſe erzitternd, wenn der um ſich bemerkbar zu machen; endlich aber erreichten Abendwind über ſie hinwegfliegt, ſie küßt oder leicht wir dennoch das Ufer und jetzt eilten wir auf wenig. mit ſeinen Fittigen berührt; wenn aber dann die betretenen Pfaden flüchtigen Schrittes vorwärts. 1 keuſche Luna ihren ſilbernen Strahlen erlaubt, ſich Jetzt aber, freilich ein wenig ſpät, fiel mir ein be in den kühlen Fluthen zu baden, dann ſchwebe ich kleiner Umſtand ein, welcher ohne Zweifel ſtörend auf 8 mit ihr in leichter Gondel hinweg über die glänzende meine Mondſcheinſtudien einwirken mußte. 1 Fläche. Das Rudern habe ich bald gelernt. Die Liebe Dieſer Umſtand war einfach der, daß der Mond wird es mich lehren, die Liebe, welche jenen Jüng- in der That gar nicht am Himmel ſtand. ling das erſte Boot bauen lehrte. Auch Vögel will„Teufel,“ ſagte ich zu Glebel,„es iſt ja pech⸗ ich ihr ſchießen, wenn ſie wirklich Paſſion auf dieſelben finſter, und der Mond——“ hat. Zürnt aber draußen die alte Thetis,, ſchleudert„Er kommt noch,“ verſetzte Glebel mit gedämpf⸗ 4 ſie grollend die Wogen der Brandung gegen die Fel- ter Stimme;„aber ſchreien Sie nicht ſo und machen 1 ſen, peitſcht der Sturmwind die empörten Wellen, Sie, daß wir vorwärts kommen.“ ſcheint die Erde in ihren Grundveſten zu erzittern, Ich ſagte ihm aber:„Er kommt nicht. Ich er⸗ und hat ſich furchtſam jedes Gethier geflüchtet in innere mich jetzt, daß geſtern die ganze Nacht kein Neſt und Höhle, dann— ach dann halten auch wir Mondſchein war, und es iſt mir unbegreiflich, daß 1 im ſchützenden Aſyle ihrer einſamen Hütte uns lie⸗ ich nicht eher daran gedacht habe.“ bend umſchlungen, Liebesworte, Liebesküſſe tauſchend,„Herr Jeſus,“ flüſterte Glebel;„kümmern Sie glücklich, überglücklich, ſelig und uns allein genug. ſich doch nicht um ſolche Kleinigkeiten wie Mond⸗ Dann werde ich meine kleine Mercedes malen; malen ſchein oder nicht Mondſchein. Was liegt denn daran? als Fruchtverkäuferin, als Fiſcherin auf ihrem Nachen, Sie fahren heute mit Mercedes im Dunklen, ein an⸗
und no⸗ ent
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