Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
512
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Novellen⸗Zeitung.

Der concentrirte Nahrungsſtoff genannt Wunderſaft des Naturforſcher Koch.

Nach jahrelangen Verſuchen iſt es gelungen, denjenigen Stoff, welchen allein die Natur zum Fortbeſtehen des Lebens der Menſchen bedarf, ganz beſtimmt aufzufinden. Es iſt bekannt, daß die Natur aus den genoſſenen Speiſen nur einen Aus⸗ zug für ſich gebraucht und das Uebrige dann ausſcheidet. Der Menſch lebt meiſtens nicht naturgemäß; er läßt ſich durch Gewohn⸗ heit und Umgangsgenoſſen zu einer Lebensweiſe verleiten, welche ihn, je nach der Stärke ſeiner Körper⸗ und Geiſtes⸗Beſchaffenheit(es iſt keine Frage, daß ſtarke Geiſter gegen ſchwache bei gleicher Körperbeſchaffenheit zu jeder Zeit im Vortheil ſind) früher oder ſpäter zu einer verpfuſchten und verkehrten Körperbeſchaffenheit, d. h. in krankhaften Zuſtand bringen muß. Alles überſtürzt ſich heut zu Tage in Genüſſſen. Der erfahrenſte und weiſeſte Arzt kann hier ohne gleichzeitige Aenderung der Lebensweiſe helfend nur wenig ein⸗

ſchreiten. Der concentrirte Nahrungsſtoff genannt Wunderſaft

iſt ein reich vegetabiliſches, vollſtändig ſpritfreies, leicht verdauliches, auf das kleinſte räumliche Maß beſchränktes, dickflüſſiges, ſyrup⸗ ähnliches Nahrungsmittel, welches, ſehr leicht verdaulich, eine merkwürdige Aenderung bei fortgeſetztem Genuſſe im Körper zu Wege bringt. Laut polizeilicher Verfügung vom 30. September 1854 iſt es verboten, ſelbſt irgend ein Nahrungsmittel als beſte Nahrung bei Krankheiten anzupreiſen, weil auch dies als Aupreiſung von Heilmitteln ausgelegt werden kann. Hingegen iſt es nach Lage der jetzigen Geſetzgebung erlaubt, alle Briefe, welche man mit Lob angefüllt über die Wirkſamkeit dieſer Nahrungsmittel, ja a uch Heilmittel, erhält, zu veröffentlichen. Ich fordere deshalb alle Menſchenfreunde, d. h. Alle, welche es mit der leidenden Menſchheit gut meinen,

auf, ſich von dem Erfolge bei fortgeſetztem Genuſſe dieſes merkwürdigen Stoffes zu überzeugen und zum Beſten Aller mir ſchriftlich

den ſicher nicht ausbleibenden Erfolg zur Veröffentlichung zu beſcheinigen.

Wenige Worte über die zur Zeit an der Tagesordnung ſich befindenden angeprieſenen Heil⸗Biere,⸗Schnäpſe und ⸗Limona⸗ den. An der Spitze ſteht Herr Johann Hoff. Dieſer beſteht und wird beſtehen, weil Bier ein Nahrungsmittel iſt, welches zwar als gegohrener Stoff den Magen reſp. die Verdauungswerkzeuge in ihrer Thätigkeit beſchränkt, denn alle Speiſen ſollen erſt im Kör⸗ per die Gährung durchmachen und ein häufiger Genuß gegohrener Getränke wird ſtets die Verdauungswerkzeuge abſtumpfen, dennoch aber als ein beliebtes Getränk und Nahrungsmittel ſich fuͤr immer erhalten wird. Deshalb will ich dem Malzextract den Stab nicht brechen, ſondern ihm ſeine Wirkung gern laſſen, wenn er auch das nie erreichen wird, was der concentrirte Nahrungsſtoff leiſtet, dem ich hiermit die glänzendſte Zukunft prophezeie. Hierauf die Kräuterliqueure und andere Geſundheitsſchnäpſe, wie ſie auch heißen mögen. Schon der Name Schnaps klingt ſo verächtlich, ſelbſt in Liqueur eingekleidet, daß der gebil⸗ dete Menſch die Achſeln zuckt. Freilich ſieht man die meiſten Menſchen bei dem geringſten Anfall von Magen⸗ oder Leibſchmer⸗ zen ꝛc. ſofort in die Kneipe laufen und einen Bittern ꝛc. trinken. Als Medicin von einem tüchtigen Arzt verordnet, wird der Weingeiſt, frei von den ſchädlichen Einſchlägen der Deſtillateure und ſonſtigen Schnapsapotheker, immerhin ſeine gute Wirkung thun, aber dem freien Willen des Menſchen überlaſſen, wird er der Mehrzahl unbedingt ſchaden.

Zuletzt noch etwas über den Königstrank. Dieſer beſitzt das Gute ein ganz harmloſes und unſchädliches Tränkchen zu ſein, welches ſich in jeder Haushaltung für den ſechsten Theil ſeines Preiſes herſtellen läßt. Ein auf dem Todten⸗ bette ſich befindender Menſch kann ohne irgend welche Gefahr von dieſer Limonade genießen. Sie ſchadet nichts und ihr größter Nutzen liegt wohl in der Einbildung des kranken Menſchen, der durch die ſchönen Worte der Annoncen reſp. durch das Verwerfen jeder Medicin beſtochen, ſich an's Leben anklammernd, immerhin glaubt, hierdurch gerettet werden zu können. Der Glaube macht wirklich ſelig. Gönnen wir alſo Herrn Jacoby ſein Geſchäft und ſagen wir: in zwei Jahren wird ſich wohl jede Hausfrau den Königstrank ſelbſt machen.

Jetzt einige Briefe über den Wunderſaft: Herrn E. L. Koch, Berlin, Linden⸗ Hämorrhoiden, daß ich ſchon ganz tiefſinnig Herrn E. L. Koch, Berlin, Linden

ſtraße 81. war. Zehn Flaſchen Königstrank habe ich ſtraße 81. Seit zehn Jahren von der heftigſten Gicht ohne Wirkung gebraucht Bei der zweiten Meine Tochter hatte einen ſtarken Lun⸗

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geplagt, ohne das Bett verlaſſen zu können, wurde ich durch den Genuß Ihres Nahrungs⸗ ſtoffes nach mehreren Wochen von derſelben befreit und habe bei fortgeſetztem Gebrauche deſſelben ſeit daher keinen Anfall gehabt. Mehrere meiner Bekannten gebrauchten den⸗ ſelben ebenfalls mit beſtem Erfolg gegen Gicht und Hämorrhoiden und ſind ihre Lei⸗ den glücklich los. Wir werden Sie recom⸗ mandiren, wo wir nur können ꝛc.

Lowicz, den 2. Februar 1865.

v. Benningſen. Herrn E. L. Koch, Berlin, Linden⸗ ſtraße 81. d Seit langer Zeitt litt ich ſo ſchrecklich an

Die Flaſche nebſt Gebrauchs⸗Anweiſung 15 Sgr. allein zu beziehen bei E. L. Koch, Berlin; Lindenſtraße 81.

Redigirt unter Verantwortlichkeit von Outo Fuedrich Dürr in Leipzig. Verlag der Dürr'ſchen Buchhandlung in Leipzig. Druck von uA. Edelmann in Leipzig

Flaſche Ihres concentrirten Nahrungsſtoffes wurde mir wohler und jetzt bin ich ſo geſund und luſtig, daß meine Freunde mich kaum wiedererkennen. Berlin, den 13. April 1865. Schönherz, Schneidermeiſter. Commandanten⸗Straße 25.

Herrn E. L. Koch, Berlin, Linden⸗ ſtraße 81.

Mir ſind bei fortgeſetztem Gebrauche und nach vergeblicher Benutzung ſämtlicher vor⸗ handenen Eſſenzen die Haare auf meinem Kopfe wieder gewachſen.

EGrodno, den 16. Mai 1865. Hampel, Gutsbeſitzer.

genhuſten. Dank Ihrem Nahrungsſtoffe iſt ſie, zum Erſtaunen des ſie behandelnde Arztes, denſelben vollſtändig los. Berlin, den 15. Mai 1865. 8 Rehländer, Kaufmann. Prinzenſtraße 92.

Herrn E. L. Koch, Berlin, Linden⸗

ſtraße 81. Meine älteſte Tochter, welche an f Auszehrung litt, iſt nach dem Gebrauch von

Herrn E. Koch's trefflichem Wunderſaft voll

ſtändig hergeſtellt worden. Berlin, den 15. Mai 1865.

George Freiherr Stillfried Rattonitz.

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