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Novellen
Jaterland eine monumentale Größe geben mußte, die ſo lange dauern wird, wie man italieniſch reden wird, war der Umſtand, daß er der eigentliche Heranbild⸗ ner, ja Schöpfer dieſer italieniſchen Sprache war. Man ſchrieb damals bekanntlich alle Werke höheren Inhalts lateiniſch. Ueber Dante's Entſchluß, ſeine Mutterſprache zu wählen, ſowie über deſſen Verherr⸗ lichung des deutſchen Kaiſerthums ſprach ſich unter Anderm Wilhelm Lang in einer ausführlichen Ab⸗ handlung trefflich aus.
Dante war von dem allgemeinen Vorurtheil, nur lateiniſch dichten zu dürfen, nicht unberührt. Er hatte geſchwankt. Den Anfang der göttlichen Komödie hatte er bereits in lateiniſchen Verſen begonnen. Er kann es im Gaſtmahl, wo er die Volksſprache mit der la⸗ teiniſchen vergleicht, ſich nicht verbergen, daß die letz⸗ tere ſowohl an Adel als an Tüchtigkeit und Schön⸗ heit überlegen iſt. Denn das Lateiniſche iſt ewig und unvergänglich, die Volksſprache unbeſtändig und ver⸗ gänglich; jenes drückt viele Vorſtellungen des Geiſtes aus, welche dieſe nicht auszudrücken vermag; dieſe iſt nur Sache des Gebrauchs, jenes Sprache der Kunſt.
Warum gebraucht er nun gleichwohl die minder ſchöne und edle Sprache? Warum gilt ihm dieſe doch wie⸗
der als höchſt lieblich und liebenswürdig, fähig, die erhabenſten und neueſten Gedanken faſt eben ſo an⸗ gemeſſen, ausreichend und geſchickt auszudrücken, wie die lateiniſche? Was giebt ihm die Zuverſicht, daß gerade auf dem großen Gedicht in der Volksſprache ſein Ruhm unzerſtörbar ruhe?
Nehmen wir Alles zuſammen, ſo iſt, was ihn für die Volksſprache entſchied, nichts Anderes als der
Inſtinct der werdenden Nationalität, welche erſt in
der Sprache ihrer ſelbſt bewußt wurde; es iſt der Inſtinct des demokratiſchen Geiſtes, der es verſchmäht, für eine beſondere Claſſe zu dichten, was der Wohl⸗ fahrt Aller zu Gute kommen ſoll, und nur eines Mo⸗ tivs iſt der Dichter ſich klar bewußt, des ſtärkſten von allen, ſeiner natürlichen Liebe zur Mutterſprache.
Und mit welch' innigem Stolze bekennt er ſich zu dieſer Liebe! Beredt ruft er Schmach und Schande herab auf jene ſchlechtgeſinnten Italiener, welche un⸗ ter nichtigen Vorwänden eine fremde Volksſprache empfehlen und die eigene herabſetzen:„Das ſind alle jene verabſcheuungswürdigen, ſchlechten Italiener, welche ihre köſtliche Mutterſprache für eine ſchlechte halten, die nur inſofern eine ſchlechte zu nennen iſt, als ſie aus dem feilen Munde dieſer Verfälſcher kommt.“
Und nun fährt er mit dem ſchönen Gleichniß fort:
„Wenn aus den Fenſtern eines Hauſes vor Aller Au⸗ gen Feuerflammen ſchlügen und Jemand fragte, ob drinnen Feuer ſei, und ein Anderer antwortete mit
„Zeitung.
Ja, ſo würde man nicht wiſſen, welcher von Beiden der Lächerlichſte ſei. Und dasſelbe wäre der Fall, wenn Jemand mich fragte, ob ich meine Mutterſprache liebe, und ich bejahte es. Wie der Sohn dem Va⸗ ter, wie jedem Menſchen ſein Land am nächſten ſteht, weil er damit am innigſten verbunden iſt, ſo iſt die Mutterſprache Jedem das Nächſte, ja das Allernächſte, indem er mit ihr am innigſten verknüpft iſt und ſie ihn mit den nächſten Perſonen, nämlich mit den El⸗ tern, mit den Mitbürgern und mit ſeinem Volke ver⸗ bindet.“ So iſt Dante, wie er weiter fortfährt, ihr Freund geworden und dieſe Freundſchaft iſt durch Wohlthaten und die lange Gewohnheit immer mehr befeſtigt und verſtärkt worden:„denn von Anbeginn meines Lebens herrſchte zwiſchen ihr und mir Wohl⸗ wollen und Mittheilung, indem ich mich ihrer be⸗ diente bei der Betrachtung, Auslegung und Unter⸗ ſuchung, ſo daß, wenn die Freundſchaft, wie unleug⸗ bar, durch die Gewohnheit zunimmt, ſie offenbar bei mir zugenommen hat, der ich mich der Mutterſprache mein ganzes Leben bedient habe.“.
In dieſem Preis der Mutterſprache, in dieſen
Zornesworten gegen ihre Verächter redet nicht mehr der Gelehrte, es redet der feurige Patriot. Es⸗iſt eine ganze Welt, die ſich uns in der Betrachtung Dante's und ſeiner Werke zuſammendrängt. Aber von welchem Ausſchnitt dieſer Welt wir ausgehen mögen, immer werden wir wieder auf den Punkt geführt, wo wir Dante als dem Herold ſeiner Nationalität begegnen. Die Liebe zur Mutterſprache iſt nichts als die Liebe zum neuen Italien. An der gemeinſamen Sprache iſt ihm das Bewußtſein des Vaterlandes aufgegangen, dieſem gehört ſein Herzblut, jeder Hauch ſeines dichteriſchen Genius. Aber wie will nun damit ſein politiſches Syſtem ſtimmen? Erwartet er nicht alles Heil von der Herr⸗ ſchaft des deutſchen Kaiſers? Beweiſt er nicht mit allen möglichen und unmöglichen Gründen, daß die⸗ ſes Kaiſerthum die von Gott geordnete definitive Ordnung der Welt iſt, und knüpft er nicht damit die Schickſale ſeines Vaterlandes an eine fremde Macht? Dieſe Frage iſt neuerdings mehrfach beſprochen wor⸗ den; die Antwort iſt einfach, der Widerſpruch leicht zu heben.
Dante übergiebt die oberſte Leitung des Men⸗ ſchengeſchlechts, damit ſeine Beſtimmung auf Erden, ein geordnetes Staatsleben, erfüllt werde, dem rö⸗ miſchen Kaiſer. Sein Reich iſt Eines und untheil⸗ bar. Als oberſter Herr und Regierer beſitzt er Alles;
ſein ſind die Quellen, die Meere, die Inſeln, die Alpen; ſein Garten und Reich iſt, was der Himmel einſchließt. Die Univerſalität und unzerreißbare Ein⸗
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