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den geſtrebt hat. Sie mag mir verzeihen, daß ich ſie im Tode beunruhige.“
Er nahm die Leiche heraus und bettete dieſelbe hinter den kleinen Altar.
„Ich gehe jetzt,“ ſagte Hülſen,„um vor allen Dingen Lebensmittel zu ſchaffen. Dort am Bache, jenſeit der kleinen Hügel, weidet ein Schäfer ſeine Heerde— er ſoll mir ſeinen Hut, ſeine Schuhe und ſeinen Mantel verkaufen. In etwa drei Stunden bin ich wieder zurück. Ihr bleibt hier in der Unterkirche, Prinzeßchen, und legt Euch ganz brav in die Tod⸗ tenkiſte, wenn Ihr Jemand kommen hören ſolltet. Um allen Verdacht abzuwenden, werde ich oben die
Riegel der Fallklappe der Krypte ſchließen. Und nun“
Gott befohlen.“
Hülſen ſchüttelte die Hand Livia's und ging die Treppe hinauf zur Obercapelle. Er erreichte bald den Schäfer, ward mit ihm leicht über den Preis von Hut, Mantel und Schuhen einig, und wanderte hoff⸗ nungsſicher— weil er im Begriffe war, ein gutes Werk zu verrichten— nach dem nächſten Dorfe.
Eine Stunde ſpäter fiel er zwei Gensd'armen in die Hände, welche requirirt waren, um wegen der Ermordung des Paſtors Sandhage in der Umgegend Nachforſchungen anzuſtellen.
Der Sträfling, in welchem die Gensd'armen vor⸗ läufig nur einen legitimationsloſen Landſtreicher er⸗ blickten, ward nach Schloß Oldersloo transportirt, wo ſich das Polizeigefängniß für den Bezirk befand.
Eben ward Hülſen auf den Schloßhof gebracht, als der Rapp⸗Hengſt des Grafen vorgeführt wurde und Oldersloo, die Reitpeitſche unterm Arme und den Handſchuh anziehend, erſchien, um die Zügel zu neh— men und ſich in den Sattel zu ſchwingen. Er zog den Fuß aus dem Bügel zurück, als er den Sträf⸗ ling erkannte, der ihm ſchon von weitem zurief:
„Graf Oldersloo! Erſparen Sie ſich die Mühe; Ihr Hengſt iſt nicht ſo ſchnell, um Sie dem Verder⸗ ben zu entführen. Meine Rolle iſt zu Ende geſpielt, die Ihrige auch. Corporal, ich fordere Sie auf, ſich des Grafen von Oldersloo zu bemächtigen; er iſt der Mörder ſeiner erſten Gemahlin, deren Leiche in der Waldcapelle oben ruht— vergeſſen und verſchollen.— Er gab mir geſtern Nachts das in meiner Taſche be⸗ findliche Capital, um ein unglückliches Mädchen— Livia Tonno— zu ermorden! Laſſen Sie den Gra— fen entweichen, Corporal, ſo thun Sie es auf Ihre Verantwortung.“
Oldersloo blieb einige Minuten lang unbeweg⸗ lich. Dann ſchwang er ſich auf ſein Roß und jagte in geſtreckter Carriere neben den Gensd'armen fort und aus dem großen ſteinernen Portal hinaus.....
Novellen⸗Zeitung.
Noch an demſelben Abende waren die Geheim⸗
niſſe von Schloß Oldersloo offen in der Hand des.
Richters für die„Exemten“ der Provinz, zu denen auch der Graf Oldersloo zählte.—
Die arme Livia ward aus der Krypte befreit, und der Maeſtro Tonno aus dem nächſten Städtchen, Wagenſtädt, herbeigeholt. Beide waren zugegen, als der Sträfling, Ferdinand Birken, ſeine Ausſagen machte.
Der Graf hatte ſeine erſte Frau vergiftet. Der Sträfling, damals Jäger auf Oldersloo, hatte ihre Leiche von Thüringen her nach der Waldeapelle ge⸗ fahren. Er hatte das Geheimniß getreulich bewahrt, obgleich er ſpäter, wegen Tödtung eines königlichen Jagdaufſehers, zu langjähriger Strafarbeit verurtheilt wurde.
Tonno trat auf und bewies, daß Livia die Toch⸗ ter Oldersloo's und— der Verſchollenen ſei; daß er das Kind den armen Bergleuten, denen ſie übergeben worden war, für eine namhafte Summe abgekauft hatte.
Nach den weiteren Erhebungen konnte der Mör⸗ der des unglücklichen Geiſtlichen kaum noch zweifel⸗ haft ſein. Die beiden Kugeln in der Bruſt des Pa⸗ ſtors paßten genau für den Revolver Oldersloo's, der zwei abgeſchoſſene Cylinder aufwies.
Der Graf kehrte nie wieder nach Oldersloo zu⸗ rück, Sein Pferd ward etwa acht Meilen vom Schloſſe in der Haide von einem Imker gefangen. Es ſchien im Moore verſunken geweſen zu ſein und ſich losge⸗ arbeitet zu haben, während der Reiter wahrſcheinlich
den Dämonen der ſchlammigen Tiefe verfallen war.
Georgia's Verlobung mit Minneroda ward von dieſer Dame ſelbſt gelöſt. Sie empfing das Erbe ihrer Mutter und zog ſich mit dieſer auf das Stamm⸗ gut ihrer Familie in Galizien zurück. Ihre Ehe mit Oldersloo ward als ungültig erklärt.
Livia gelangte als Erbin in den Beſitz der Ol⸗ dersloo'ſchen Güter und ward die Gattin Minne⸗ roda's. Tonno erreichte ein ſehr hohes Alter, ebenſo Ferdinand Birken, welcher bald bei einem freudigen Ereigniß in der landesherrlichen Familie begnadigt
wurde..
Gedichte von Emil Walther.
Haidelied.
Glühendheiß die Sonne ſendet Ihren Strahl vom Himmelsdom; 4 Und das Auge flieht, geblendet Von dem lichten Gluthenſtrom.
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