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Oldersloo zitterte wie im Fieber. Er wartete
nach ſeiner Rechnung eine Viertelſtunde, bevor er
langſam vorſchritt und ſich der Saalthür näherte. Vielleicht war Hülſen ſchon wieder fort— das Werk war bereits geſchehen, während Oldersloo noch war⸗ tete. Der Lauſcher mußte Gewißheit haben.
„Er darf mir unter keiner Bedingung entſchlü⸗ pfen!“ murmelte er und nahm ſeine Drehpiſtole zur Hand, indeß er bis an die Seite der Freitreppe vor⸗ drang. ,1
Noch immer im Saale kein Lebenszeichen.
Jetzt glaubte Oldersloo einen halb unterdrückten Fluch von einer tiefen Mannsſtimme im Saale zu vernehmen. Raſche, hallende Tritte klangen drinnen und die Flügelthür ward klirrend zugeworfen. Ol⸗
dersloo ſtrengte ſeine Augen an und erkannte undeut⸗
lich eine hohe, auf der oberſten Stufe der Freitreppe ſtehende Geſtalt.
„Halt!— noch ein Wort!“ ſagte Oldersloo halblaut. Aber der Mann ſprang die Treppe herab, faßte Oldersloo bei der Bruſt und warf ihn zur Seite. Sofort blitzte es und der Knall von zwei
Novellen⸗Zeitung.
Piſtolenſchüſſen folgte. Mit einem tiefen, kurzen Stöh⸗
nen ſank der Gegner Oldersloo's zur Erde.
„Lebſt Du, Schurke?“ fragte der Graf und bückte ſich, um den Daliegenden zu rütteln, der ſich wie eine ſchwere Maſſe rundum wenden ließ.
Kein Athemzug, kein Seufzer bezeugte, daß das Leben vor den Kugeln Stand gehalten hatte. Der Getroffene war todt.
„Gründlich erledigt!“ murmelte Oldersloo.„Nur noch mein Geld— das Uebrige läßt ſich leicht arran⸗ giren.“,
Der Graf fand die Brieftaſche auf der Bruſt des Getroffenen, ſteckte die„Silberlinge“ zu ſich und ging durch eine ſelten benutzte Nebenthür, die er ſorgfäl⸗ tig verſchloß, in das Hauptgebäude, ohne es— wie er die Dinge betrachtete— für nöthig zu halten, ſich weiter um das ſo eben aufgeführte blutige Drama zu bekümmern. Er würde ganz richtig ſich benom⸗ men haben, wenn die Sache in der That den Gang verfolgt hätte, den er vorausſetzte.
Der Morgen aber brachte für Oldersloo eine fürchterliche Ueberraſchung. Der Graf war völlig vor⸗ bereitet, daß man ihn, ſo wie es Tag geworden ſein würde, von der ſtattgefundenen Kataſtrophe benach⸗ richtige und ſeine Anweſenbeit auf dem Schauplatz nächtlicher Thaten erheiſche. Er blieb daher ganz
ruhig, als Frederic zur Thür hereinſtürzte und durch ſeine Geberden zeigte, daß etwas Unerhörtes vorge⸗ gangen ſei.
„Nun,“ ſagte Oldersloo, ſich ſehr unmuthig nach
dem Diener umwendend und ſich im Bette halb auf⸗ richtend.„Was giebt's?“
„Im Parke,“ ſtotterte Frederic,„an der Salon⸗ treppe..
„Ich befehle Dir, zu reden, und nicht wie ein Betrunkener zu lallen!“ herrſchte ihm Oldersloo zu.
„Da liegt... da liegt der Herr Paſtor Sand⸗ hage— todtgeſchoſſen... Er hat zwei Kugeln in der Bruſt...
„Der Paſtor Sandhage? Biſt Du wahnwitzig!“
Oldersloo ſprang auf, ließ ſich ankleiden und rannte
die Treppen hinab und in den Park, wo die ſämmt⸗ lichen Schloß⸗Inſaſſen, mit Ausnahme der gräflichen Damen, einen dichten Kreis um einen in der Mitte liegenden Menſchenkörper geſchloſſen hatten. Dem Gra⸗ fen ward ehrerbietig Platz gemacht.
Da lag der Paſtor, viel bläſſer noch als ſonſt, unbeweglich auf dem naſſen Kies ausgeſtreckt, die Augen offen, aber ſtier emporſchauend, in der feſtge⸗ ſchloſſenen Rechten eine Piſtole mit zwei Läufen hal⸗ tend, die, wie ſich nach kurzer Unterſuchung ergab, geladen waren.
Halb ohnmächtig befahl Oldersloo, daß Wache
neben die Leiche geſtellt werde und der Park vor je⸗
dem blos Neugierigen zu ſchließen ſei. Er beſaß nicht den Muth, an die Ermordung Livia's zu denken, auf die Auflöſung des düſtern Räthſels ſeine Gedanken zu richten.
Der Graf war indeß eine zu federkräftige Natur, um ſich auf die Dauer niederwerfen zu laſſen. Er machte Toilette, verbrauchte für ſeinen wüſten Kopf eine Maſſe kölniſchen Waſſers und erſchien, als er dasmal die Treppen hinabging, eben ſo ruhig und unbekümmert, wie gewöhnlich. Mit der Cigarre im Munde ging er nach dem Gartenſalon, betrachtete lange den daliegenden, von ſo hartem Geſchicke ereil⸗ ten jungen Geiſtlichen und trat dann raſch in den Saal ein. Leer war's hier— ebenfalls im Cabinet.
Mit funkelnden Augen ſpähte Oldersloo nach einer
Spur des Kampfes, der nach ſeiner Meinung ſtatt⸗ gefunden hatte. Er ſtrich mit der Hand über das Bett, um Blutſpuren zu finden. Da lagen Livia's Effecten, ſauber zuſammengepackt; auf dem Stuhle befand ſich die Geige mit dem daraufgelegten Bogen — Livia ſelbſt war verſchwunden.
An ſeine Stirn greifend, verſtörten Blickes, ver⸗ ließ Oldersloo den Gartenſaal. Es war unzweifel⸗ haft, daß Hülſen den Grafen betrogen hatte.. Oder war der Sträfling durch die Erſcheinung des Paſtors verſcheucht worden? War Livia erſt dann geflohen, nachdem Paſtor Sandhage getödtet wurde? Von der Verwirrung, welche trotz der feſten Haltung des Gra⸗
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