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in weiteren Kreiſen bekannt zu werden, gründet ſich zumeiſt auf ihr erſtes Auftreten in der Literatur, wie denn ſchon ein alter Spruch ſagt, daß die erſten Ein⸗ drücke die bleibendſten ſind.
Dazu kommt, daß ich nie einer literariſchen Co⸗ terie oder Clique angehörte, ſondern immer meine eigenen Wege ging und ſang, wie mir's um's Herz war, ohne je irgend einer von der Zeit begünſtigten Partei oder Richtung zu ſchmeicheln. So geſchah es denn, daß ſich meiſt einſeitige Urtheile über mich bil⸗
deten, je nachdem man meine eigenen Gedichte oder meine Ueberſetzungen, oder meine ethnographiſchen und hiſtoriſchen Studien, oder meine orientaliſchen Reiſebilder in den Vordergrund ſtellte.
Um die Zeit, da meine Altersgenoſſen unter den deutſchen Poeten ihre erſten Lorbeeren in der Hei⸗ math ernteten, trieb mich mein Schickſal in fremden Ländern umher und ich mußte meine ganze Kraft aufbieten, um aus den neuen, oft mächtigen Ein⸗ drücken, die ſich mir aufdrängten, bleibenden Gewinn
zu ziehen und ſie beherrſchen zu lernen, ſtatt von
ihnen verwirrt und überwältigt zu werden. Das Stu⸗
dium der Sprachen und Geſchichte der Völker, unter
unter Mirza⸗Schaffy's Leitung dem Studium der
welchen ich lebte, war nur die nothwendige Vorberei⸗ tung zum tieferen Eindringen in ihren Geiſt und ihre Sitten. Meine Neigungen trieben mich, die Sprachen zunächſt und zumeiſt aus ihren poetiſchen Denkmälern zu ſtudiren, gleichviel ob dieſe in Kunſtdichtungen oder Volksliedern beſtanden. Durch ihre Geſchichte lernt man die Thaten und Schickſale der Völker ken⸗ nen; durch ihre Lieder ſieht man ihnen in's Herz.
So erweiterte ſich auf das Natürlichſte mein Geſichts⸗
kreis; ich gewann eine Menge fruchtbare Anſchauun⸗ gen und Erfahrungen, und durch meine Art, die
Menſchen und Dinge zu ſehen und zu beurtheilen,
glaubte ich neue Seiten an ihnen zu entdecken, oder das ſchon Bekannte in hellerem Lichte zu ſehen. Dieſe Art war aber keine andere, als mit dem Auge des Poeten zu ſchauen, welches ſich früh gewöhnt, überall das Weſentliche, Bedeutende, Charakteriſtiſche heraus⸗ zufinden und dem Nebenſächlichen nicht mehr Aufmerk⸗ ſamkeit zu ſchenken, als ihm gebührt. Ich lebte und reiſte nie wie ein Touriſt, der alle Leute zu ſeinen Zwecken ausfragt, mit athemloſer Haſt Jagd auf alle Sehenswürdigkeiten macht und jeden Abend die Summe ſeiner Eindrücke zieht, um ſie am folgenden Morgen gleich friſch in ſein Buch einzutragen. Dazu fehlte mir der ſchnelle Blick, gleichwie Gewandtheit und Neigung. Ich bin ein ſchwerfälliger Menſch, der ſich ganz in die Dinge und Menſchen einleben muß, um ſie mit künſtleriſchem Behagen ſchildern zu kön⸗ nen. Jahre lang habe ich gar kein regelmäßiges
Novellen⸗Zeitung.
Tagebuch geführt und überhaupt nie daran gedacht, alle meine Beobachtungen und Erfahrungen für die Oeffentlichkeit niederzuſchreiben. So hab' ich z. B. nicht den mindeſten Drang gefühlt, der Welt von meinem Aufenthalt in der Türkei, Italien, Frankreich und England zu erzählen, weil ich fand, daß wir an trefflichen Reiſewerken von Männern, welche dieſe Länder beſſer kennen als ich, keinen Mangel haben.
Selbſt von meinen orientaliſchen Tagebüchern ruhen die meiſten noch unbenutzt in meinem Pulte, da mir nicht daran lag, von Station zu Station über meine Eindrücke, Erlebniſſe und Abenteuer zu berichten, ſondern im Zuſammenhange lebenswahre Bilder aus der Erinnerung zu malen, und zwar zu⸗ nächſt von ſolchen Ländern und Völkern, von welchen man bei uns in weiteren Kreiſen noch keine lebendige Vorſtellung hatte.
Ueberall beſtrebt, mich ſo kurz wie möglich zu
faſſen, drängte ich meine Betrachtungen über Ruß⸗
land auf wenige Blätter zuſammen, um dann meine Leſer. zugleich durch die Doniſche Steppe nach dem Kaukaſus zu führen, wo ich mein Wanderzelt am längſten aufſchlug.
Tiflis, die gartenreiche, bergumragte Hauptſtadt von Georgien, wo ich mich ein paar Jahre hindurch
orientaliſchen Sprachen widmete, wurde zum Mittel⸗ und Ausgangspunkte meiner Wanderungen und ſpä⸗ teren Schilderungen. 4
Ich habe kein Land durchwandert, ohne ſeinen
geiſtigen Inhalt, ſoweit derſelbe mir zugänglich war, in mir aufzunehmen; ich habe keinen fremden Dichter überſetzt oder nachgebildet, ohne an mich ſelbſt die höchſten künſtleriſchen Forderungen dabei zu ſtellen, und alles Fremde, was ich biete, iſt ſo in ſeine deutſche Haut hineingewachſen, als ob es darin ge⸗ boren wäre. Meine eigenen Erzählungen und Dich⸗ tungen bilden einen Ring, dem die fremden Perlen und Edelſteine als charakteriſtiſcher Schmuck eingefügt ſind. Dieſer Ring umſpannt ein gutes Stück Men⸗ ſchenleben, und wer die nächſtfolgenden Bände auf⸗ merkſam durchlieſt, wird vertraut werden mit lebens⸗ friſchen, von der Natur hochbegünſtigten Ländern und Völkern, für welche die Geſchichte bis dahin kaum Platz gefunden hat, welche aber beſtimmt ſcheinen, Ausgangspunkte einer neuen Geſchichte zu werden. Der Kaukaſus iſt die Baſis der künftigen Weltherr⸗ ſchaft, die freilich nicht über Nacht kommen und auch nicht über Nacht verſchwinden wird, ſondern ſich lang⸗ ſam und ſicher vorbereitet, ohne daß die bethörten Völker, im Gefühl ihrer überlegenen Bildung, eine Ahnung haben von der ihnen fern drohenden Gefahr.
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