Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
486
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speak it fluently, but, Mylady, I do not like it at all!

Mutter und Tochter wechſelten Blicke des Er⸗ ſtaunens.

Daß Sie franzöſiſch ſprechen, iſt vorauszuſetzen, Mamſell?

Sie haben Recht!

Und Muſik? fragte Georgia, indeß ſie zum Piano ging und die Klappe emporſchlug, um einen ſehr unreinen Trillo zu risquiren.

Ich kann ſehr wohl Clavier ſpielen; aber mein eigentliches Inſtrument iſt die Geige.

Die Geige! Um Gotteswillen, wer ſpielt denn Geige?

Nun,

rief Baron Minneroda,Gräfin Ol⸗

dersloo, ich dächte, die beiden Milanollo wären un⸗

vergeßlich!

Milanollo! Freilich! Aber Georgia kann doch von Geigenſpiel point de profit ziehen?

Frau Gräfin, bemerkte Livia,es iſt für eine

Clavierſpielerin ſicherlich nichts förderlicher, als mit

einer Geige zu concertiren!

Nun, machen Sie einmal eine Probe, Mam⸗ ſell.

Livia ging und holte die Geige. Ihre Wangen waren ſanft geröthet, als ſie wieder eintrat. Georgia ſaß bereits, mit vollen Griffen die Taſten rührend, am Clavier.

Aber wo ſind Noten? fragte Georgia.

Bitte, zeigen Sie, gnädiges Fräulein! Dieſes

Stiück von Bülow eignet ſich vorzüglich für den Zweck.

Ich kenne es ſehr genau. Spielen Sie die erſte Ab⸗ theilung, wie ſie daſteht; die zweite nur im Baſſo ich werde Sie durchaus nicht geniren.

Minneroda, im höchſten Grade neugierig, ſprang herzu, um die Blätter umzuwenden. Die alte Gräfin nahm mit Kennermiene in einem Rollſtuhle Platz. Der Paſtor ſchien in ſeinem Handteller cheiromantiſche Studien anzuſtellen.

Ein glänzendes Concertſtück brauſte daher. Ge⸗ orgia ſpielte ohne Schwung, ohne innige Undulation; aber ſie griff ſicher und war tactfeſt bis zur Tadel⸗ loſigkeit..

Mit Falkenblicken bewachte Livia die Noten, den Bogen zum Strich bereit. Sanft miſchten ſich. jetzt die getragenen, ſangvollen Geigentöne mit dem Rol⸗ len des Pianos, mit den ſcharfen Tonperlen des Discants der Drahtſaiten. Wie Vögel durch's Ge⸗ zweig, ſo fanden die Geigenpaſſagen, bald zwitſchernd, trillernd und jubelnd, bald ſonor in Doppeltönen darein mahnend, ihren Weg durch die Notenfülle un⸗ ter Georgia's Roſenfingern. Dann nahm die Geige

Novellen⸗Zeitung.

im Adagio die Führung der Melodie, ſchmelzend,

ſo herzinnig ſo aus tiefſter Seele heraus die Töne um zu verbergen, daß ihr die Thränen in den Augen quollen.

Minneroda ſtieß einen begeiſterten Beifallsruf aus, und ſofort erhob ſich Georgia mit blitzenden, zornſprühenden Augen und warf das Inſtrument zu. Der Paſtor ſaß da, tief in ſich verſunken, die Stirn auf die flache Hand gedrückt.

Eh bien! rief eine ſcharfe Stimme und Graf Oldersloo trat in den Saal.Das iſt hier eine ſin⸗ gulière Scene!

Superbe! rief die Gräfin-Mutter.Ganz unbeſchreiblich! Die neue Mamſell, denken Sie ſich, mon cher, ſpielt zum Entzücken die Geige!

Minneroda ſagte nichts, wie ſehr ihm die Be⸗ wunderung auch auf der Zunge zu brennen ſchien. Er konnte nichts weiter, als Livia einen ſeelenvollen Blick zuſenden, der Georgia nicht entging.

Sie müſſen nothwendig dies wundervolle Spiel hören, um den ganzen charme desſelben ermeſſen zu können! ſagte die Gräfin, ihrem Gemahl einen be⸗ deutſamen Blick zuwerfend, der etwa ſagte:Wir haben den richtigen Vogel gefangen, welchen wir brauchen.

O, o, bitte, Madame! Ich bin hungrig. Mam⸗ ſell, klingeln Sie dem Diener!

Livia gehorchte.

Iſt Mamſell alſo acceptirt? fragte Oldersloo ſeine Gattin.

De bonne foi, mon cher! Mamſell nun wir warden noch über den Namen weiter reden dort iſt Ihr Platz!

Minneroda führte Georgia, der Graf hielt ſehr nachläſſig der Gräfin den Arm hin, und endlich kam der Paſtor herbei, beeilte ſich, Livia ſeine Verbeugung zu machen, und führte ſie zu Tiſche.

Die Geſellſchaft lächelte ſtill. Der Geiſtliche war erſichtlich ſeiner exorbitanten Zerſtreuung anheimge⸗ fallen, denn wann ward auf Oldersloo die Mam⸗ ſell gleich einer Reſpectsperſon zu Tiſche geführt?

Nun, Herr Paſtor? fragte die Gräfin ironiſch lächelnd.

In der That, ich bitte, wenn ich mich einiger⸗ maßen zerſtreut gegeben haben ſollte, ſagte Sand⸗ hage.Aber, wie ich ſchon bemerkte, der Vergleich lag zu nahe. Concert iſt eigentlich ein Wettſteeit, Certamen, Concertatio. Die Griechen hatten in ihren Rhapſodien Aehnliches

So wie Livia den Paſtor ſprechen hörte, ſanken

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ſtrömend, daß die alte Gräfin ſich raſch umwandte,

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