Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
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den kriechenden Seelen, welche dem Grafen und den beiden Gräfinnen lieber heute als morgen die Idee beibringen möchten, daß zwiſchen der gräflichen Herr⸗ ſchaft und dem lieben Gott kein Haar breit Unter⸗ ſchied zu finden ſei. Die alte Ilſe mein Mann war Förſter und ich könnte wohl Frau Förſterin ge⸗ nannt werden, anſtatt Ilſe die thut ihre Schuldig⸗ keit und ſchweigt.

Sie kramte hier und da umher, legte die Klei⸗ der ſorgſam beiſeit und ſagte dann, wie für ſich hin:

Sie reſpectiren mich nicht, die Leute, weil mein armer Ferdinand Eiſenſchellen an den Beinen trägt. Und doch gehen ſchwerere Verbrecher, als er, frei umher ſpazieren, kommen ſogar in des Königs Schloß und laſſen ſich von ihren Untergebenen die Füße küſ⸗ ſen. Wie heißen Sie, Fräulein?

Livia!

Den Namen führte die... brach ſich erſchrocken.

Wer? fragte das Mädchen.

Wer fort iſt, und Niemand weiß wohin, der gilt nicht mehr, als ob er geſtorben wäre. Die Ver⸗ ſchollenen und die Todten gehören in ein Buch. Es iſt Alles eins ſagte mein armer Ferdinand.

Damit ging ſie raſch ab. Den Kaffee brachte eine ſehr ruſtical ausſehende Magd, aufgeſchürzt, barfuß. Von einer anſtändigen Dienerin war, was die Geſellſchafterin betraf, alſo kaum noch die Rede.

Faſt unmittelbar darauf brachte ein Dienſtjunge den mündlichen Befehl: Die Manſell ſolle ſogleich zur gnädigen Frau Gräfin kommen! Livia gehorchte und folgte dem ſtrupphaarigen Burſchen.

Im Parke begegnete ihr der Graf, düſter, drohend ausſehend. Er ſcheuchte den Dienſtjungen durch einen Wink fort.

Warum haben Sie ſich nicht, wie befohlen, bei mir gemeldet? fragte er barſch.. 8

Herr Graf, ich habe geglaubt, daß Sie mich rufen laſſen würden! antwortete Livia, bei dem Tone des Grafen plötzlich ihre ganze Energie wieder findend.

Ich Sie rufen laſſen? Zu mir befehlen heißt's! Und«Unterthänigſt guten Morgen⸗ haben Sie mir auch nicht gewünſcht!

Livia ſah den Grafen feſt an und ſchwieg.

Nun, Mamſell?

Ich merke auf, was Sie mir zu ſagen haben, gnädiger Herr, antwortete Livia beſcheiden.

Befehlen ich befehle nur!

Bitte, befehlen Sie, Herr Graf!

Dieſe Worte klangen, trotz der Sanftheit, mit welcher ſie geſprochen wurden, als ſchneidende Iro⸗

Die Alte unter⸗

Novellen⸗

Zeitung.

nie, der auffahrenden, brutalen Art des Grafen ge⸗ genüber.

Er hob den Kopf und ſah Livia mit höchſt er⸗ ſtauntem Blicke an.

Haben Sie ſchon Komödie geſpielt, Mamſell? fragte er, mit unſäglicher Verachtung in ſeinen Mienen.

Nein, Herr Graf!

Ich bemerke, daß Sie beſondere Anlage für dies Mätier haben; aber, Manmſell, ich rathe Ihnen, mit dem Grafen von Oldersloo keine Komödie aufführen zu wollen. Folgen Sie mir!

Sporenklirrend ging er voran nach dem Salon, wo Livia wohnte.

Hier kann ich Ihnen Ihre Inſtruction geben, was mich betrifft, ſagte er haſtig.Sie heißen Julie Meyer nicht Tonno; die illegitime Würze Ihrer Herkunft hüten Sie ſich, irgend Jemand hier aufzutiſchen verſtanden?

Meine Herkunft iſt keine illegitime! rief Livia

wie Purpur erglühend, indeß ſie ſich höher aufrichtete.*

Wer auch meine Eltern geweſen ſein mögen Sie haben kein Recht, dieſelben zu beſchimpfen und mich dazu! Noch ein ſolches Wort, Herr Graf, und ich werde mich ſofort von hier entfernen!

O, o! Tonno hat Sie unter meine Botmäßig⸗ keit geſtellt! erwiderte Oldersloo mit lauerndem Blicke.Laufen Sie fort, ſo laſſe ich Sie par Dieu gerichtlich wieder einfangen!

Livia's Glieder ſchien ein Schauder zu durch⸗ laufen.

Es iſt gut, wenn Sie über Ihre Situation völlig aufgeklärt ſind, Mamſell! ſagte Oldersloo kalt.Alſo kein Wort von irgend welchen Myſterien, kein Wort von Ihren Kreuz⸗ und Querzügen! Es iſt am gerathenſten, daß Sie ſich als eine Dorfſchul⸗

meiſters⸗Tochter ausgeben meinetwegen mag auch

Ihr Vater Paſtor geweſen ſein. rien! Mein letztes Wort!

Er drehte ſich auf dem Abſatze und ging.

Unterthänigſt zu empfehlen, heißt es! rief er, auf der Freitreppe ſich halb umwendend.

Meines Bleibens iſt nicht hier! flüſterte Li⸗ via, als ſie durch den Park ging und nach dem Haupt⸗ gebäude Oldersloo ihre Schritte richtete.Wagen⸗ burg heißt das Städtchen, wo ſich der Maeſtro auf⸗ halten wird... Ich werde heute ſchon meinen Weg finden. 3

Der Jäger der Gräfin mit Ausnahme des Federhutes bereits völlig in Gala führte Livia in den Speiſeſaal.

Aber keine Myſte⸗

Mamſell Julie Meyer! rief der Diener, und Livia ſtand in einem alterthümlich decorirten, acht.

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