Jahrgang 
27-52 (1865)
Seite
483
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e Ihre Liebe Untreue auch tſchuldigung! ſwertheſte Ei⸗ tia! Aber dlabe, wie ein echie, und ich Rein Leen gilt erde dieſen mei⸗ wenn ich Ihrer it den Weg zu

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ch Livia erin⸗ oo ſein mußte. erwähnt, als . verzweifelnde ber eine Dame

Livia den trüh

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Vierte Folge.

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auch nicht die geringſte mädchenhafte Empfindung für unter ihrer Würde, davon weitere Notiz zu nehmen. ihre Toiletteſtücke. Sie trennte ſich nur mit bitterem Ein neues Reitpferd, ein friſch aus der Förſterei im iderſtreben von ihrem bunt carrirten, abgetragenen Walde angekommener ferme dreſſirter Hühnerhund Kleidchen und ordnete mechaniſch das Haar, ohne würde die junoniſchen Frauenbilder wahrſcheinlich in nur einen Blick in den einladenden, prachtvollen lebhafterer Weiſe intereſſirt haben.

Stellſpiegel zu werfen.

Die Toilette war raſch beendigt. Livia hatte das einfachſte Kleid, eine Robe von ſchwarzer Seide mit ſparſam drüber verſtreuten kleinen Blüthenknöpf⸗ chen von lebhaftem Gelb, gewählt. Die Spitzen an den kurzen Aermeln entfernte ſie. Sie trug kein ein⸗ ziges Schmuckſtück. Es war eine poetiſche, höchſt an muthige Erſcheinung, dies Mädchen mit den fei nen, vollen Formen, dem edlen Antlitze und dem prachtvollen Haar, wie ſie mit einem halb flehenden, halb verzweifelnden Blicke daſtand und die zarten Hände feſt in einander geſchlungen hielt.

Es ſchien ihr Troſt zu gewähren, ihre Geige an den Buſen zu drücken und ihr, gleich als wäre es eine Cither, mit den Fingerſpitzen bunt, märchenhaft verſchlungene Läufe und zuweilen melancholiſch ein greifende Accorde zu entlocken.

Endlich begann der junge Tag ſein Recht auf Oldersloo geltend zu machen. Wagen raſſelten, Hunde bellten, Schaaren von Tauben erſchienen auf den Dächern der anderen Flügel des Schloſſes.

Im Parke blieb es leer und ſtill. Livia wartete, ob man ſie etwa rufen werde es kam Niemand; man hatte ſie augenſcheinlich ganz vergeſſen.

Nach langem Harren hörte ſie die hellklingenden Stimmen von zwei Damen, die langſam durch die Gebüſche des Parks dahinwandelten. Es waren beide hohe Geſtalten, in hellfarbigen Morgenanzügen, große italieniſche Sonnenhüte tragend. Die eine Dame, von übervollen Formen, war etwa vierzig Jahre alt, ein blaſſes, fleiſchiges, ſtolzes Geſicht. Die zweite Spaziergängerin war wundervoll von Wuchs und Haltung, hellblond wie die Aeltere, mit raſchen, ent⸗ ſchiedenen Bewegungen. So viel Livia bemerken konnte, war die jüngere Dame außerordentlich ſchön.

Livia's Athem ſtand ſtill, als es ſich bei einer Biegung des Weges entſcheiden mußte, ob die Damen ihr einen Beſuch abſtatten würden, oder nicht.

Sie wandten ſich parkwärts. Hatten ſie keine Ahnung von Livia's Anweſenheit? Die jüngere Dame warf den Kopf etwas ſeitwärts und deutete mit einer ſo eben abgeriſſenen Blume über die Schulter rück⸗ wärts nach dem Schloßflügel, wo Livia, mit vorge⸗

bogenem Kopfe, die Hand auf den Buſen gepreßt,

hinter einem Fenſtervorhange ſtand und lauſchte. Die

h Damen wußten, wie es den Anſchein hatte, daß die

neue Geſellſchafterin angekommen ſei; hielten es aber

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Die Damen kamen wieder zurück; die jüngere

warf einen Lorgnonblick nach Livia's Wohnung und

ging gelaſſen weiter, ohne durch eine Bewegung zu

verrathen, daß ſie ein Wort über dasneue Fräu⸗ lein äußerte.

Einen Augenblick fuhr es Livia durch den Sinn: ob ſie kühn hervortreten und ſich den Damen vorſtellen ſolle; dann aber beſann ſie ſich, der Graf habe ausdrücklich befohlen, daß Livia zunächſt vor ihm erſcheinen ſolle.

Eben war Livia im Begriff, den ſchweren Weg anzutreten, als eine alte Frau erſchien und Livia neugierig in Augenſchein nahm. Die Alte ſah unge wöhnlich kummervoll aus und ſenkte, als ſie Livia hinreichend gemuſtert hatte, ſinnend und ſeufzend den Kopf.

Sind Sie das neue Geſellſchaftsfräulein? fragte ſie mit leiſer Stimme.

Ich weiß es in der That nicht, antwortete Livia,ob ich mir dieſen Titel geben darf.

Eben erſt ſagte Frederic von Ihnen und da fiel es mir ein, daß Sie keinen Kaffee empfangen haben. Haben Sie noch zehn Minuten Geduld ich werde das Verſehen gut machen. In der Küche hat Niemand von Ihnen gewußt!

Livia verbeugte ſich kurz.

Sie ſind weit von hier zu Hauſe? fragte die Alte.

Ja!* 3

Ich ſehe es an den Kleidern die ſind hier anders Mode. Haben Sie Eltern?

Nein!

Schlimm! Wenn Kinder die Eltern verlieren, iſt es faſt eben ſo hart, als wenn die Eltern die Kin⸗ der einbüßen. Ich weiß das ich habe meinen ein⸗ zigen Sohn verloren.

Der Sohn war wahrſcheinlich erwachſen, als er ſtarb? ſagte Livia, mehr durch ihre Gutmüthig⸗ keit als durch ihr Intereſſe an der Sache zum Spre⸗ chen veranlaßt.

Er iſt nicht todt! flüſterte die Alte.Nein, ach, nein! Ich würde mich zu einer gewiſſen Zeit mehr über ſeinen Tod, als über ſein Schickſal zu tröſten vermocht haben. Aber hier darf man nichts ſagen. Wenn ich meinen Ferdinand erwähne, und der Graf erfährt's, ſo wüthet er und droht, micht vom Gute zu jagen. Sie ſind hier noch fremd. Sie ſind eine Waiſe Sie gehören jetzt noch nicht zu