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482 Novellen⸗
Maske der Lüge zu Boden fallen! Sie müſſen mich anhören! Vernehmen Sie es wohl— Sie müſſen! Machen Sie keine Bewegung; verſuchen Sie es nicht, mir zu entfliehen! Ein Hülfeſchrei iſt Ihr Todesur⸗ theil! Sie haben es mit einem Manne zu thun, der, zur Verzweiflung getrieben, keine Rückſicht, ja kein Erbarmen kennt!“
Die Stimme war faſt flüſternd und dadurch nur deſto entſetzlicher geworden.
„Ich werde Ihnen nicht näher kommen— wenn Sie mich ruhig anhören, ſo hegen Sie keine Furcht. Ich will Sie mahnen; ich will verſuchen, ob Sie, von dem Teufel der Treuloſigkeit und der Citelkeit gepackt, noch einen Reſt menſchlichen Gewiſſens in der Bruſt tragen. Beſtehen Sie dann noch auf Ihrem Entſchluſſe, dann ſind Sie eines edlen Mannes un⸗ würdig;— dann mag das Schickſal walten, das noch nie die Vergeltung ſittlicher Verbrechen vergeſſen hat.“
Eine tiefe Pauſe entſtand.
Livia war wie unter einem Zauber gefangen. Sie glaubte zu ſehen, daß der Unbekannte eine Waffe in der Hand hielt, vielleicht ein Piſtol; mit unge⸗ heuerſter Schnelligkeit ermaß ſie, daß ſie es mit einem Wahnſinnigen zu thun haben könne, daß nur die äußerſte Vorſicht wirkliche Lebensgefahr von ihr ab⸗
zuwenden vermöge.
„Wenn er meine Stimme hört, wird er zu der Ueberzeugung kommen, daß es nicht ſeine Feindin iſt, welche er anredet,“ dachte Livia.
„Mein Herr!“ ſagte ſie mit ſehr ſanftem Tone.
„Sehr gut— mein Herr!“ antwortete der Fremde mit einem kurzen, ſcharfen Lachen.„Mein Herr! Gut; ich ſehe, daß Sie gegen Ihren Herrn die Stellung als Reichsgräfin feſthalten wollen... Wiſſen Sie, Weib, daß ich Ihr Herr bin? Laut göttlichen Ge⸗ ſetzes! Sie ſind mit mir verlobt, mit mir verbun⸗ den eben ſo feſt, als wenn Sie mit mir getraut wor⸗ den wären— pſychiſch iſt unſere Ehe vollzogen und vor dem höchſten Richterſtuhle zu Recht beſtändig. Er ſoll Dein Herr ſein!⸗ ſteht geſchrieben! Ich will Ih⸗ nen zeigen, daß ich Ihr Herr bin! Sie ſollen mir gehorchen, oder Sie werden nicht leben! Habe ich je die Kühnheit gehabt, mich Ihnen zu nahen, bevor Sie mir die unzweideutigſten Beweiſe davon gab daß auch in Ihrem Buſen das Feuer brannte, wel mich längſt heimlich zu verzehren drohte? Wer war es, der durch unſere feierliche Verlobung— Ange— ſichts der ewigen Sterne— unſerem Herzensbunde die Weihe, die Unauflöslichkeit zu geben verlangte? Sie oder ich? Georgia, Sie waren frei und kein Strich eines unedlen Motivs hat mitgewirkt, daß ſich mein Zagen, Ihnen näher zu kommen, in die maßloſeſte
Feitung. Leidenſchaft verwandelt hat. Klagen Sie Ihre Liebe d nicht an— nicht mich! Es giebt für Ihre Untreue auch ni doilet nicht den Schatten einer haltbaren Entſchuldigung! Aaenes Die niedrigſte Frivolität, die verachtenswertheſte Ei⸗ Kleddhen telkeit— das ſind Ihre Triebfedern, Georgia! Aber en ich bin nicht geſonnen, mich wie ein Sclave, wie ein ne en Hund fortjagen zu laſſen. Ich habe Rechte, und ich Sennd ge
werde ſie zu vertheidigen wiſſen. Mein Leben gilt mir nichts, ohne Ihre Liebe! Ichg werde dieſen mei⸗ nen Athem mit Entzücken opfern, wenn ich Ihrer Untreue, Ihrer herzloſen Grauſamkeit den Weg zu
das einfas mit ſparſe chen von
verſperren im Stande bin!“ den karzer
Raſch wandte ſich die Geſtalt der Thür zu. Be⸗ ziges Sch vor ſie das Gemach verließ, kniete ſie nieder, breitete muthige( die Arme aus und ächzte den Namen„Georgia!“— nen, vole Dann verſchwand der unheimliche Gaſt. prachtvolle
Seltſam durchſchauert wagte es Livia mehrere halb vetzw Minuten lang nicht, ſich von ihrem Platze zu entfer⸗ Hände feſ nen. Vielleicht lauerte der von ſeiner Leidenſchaft Es ſch Verblendete noch draußen. Als aber Alles ruhig blieb, den Buſen; als nur der eigenthümliche Ton laut wurde, daß die eine Cither, Bäume in kurzen oder längeren Zwiſchenräumen den AKerſchlungen Regen abſchüttelten, flog Livia der Thür des Saales- greifende A
zu und verriegelte dieſelbe ſorgfältig. Obgleich die Endlich faſt bis zur Erde herabreichenden Fenſter nur einen Oldersloo ſchwachen Schutz gegen gewaltſames Eindringen ge⸗ bellten, S währen konnten, ſo fühlte ſich Livia doch verhältniße— Dichern de mäßig ſicher und zog ſich dann in ihr Cabinet, wie Im P. in eine allerdings ſchwer zugängliche Citadelle zurück. ob man ſie Mit dem Schlafe war's zu Ende. In tiefſter an hatte ſ Aufregung ſaß ſie u dem Bette und ermaß, daß ſie Nach l plötzlich in die innerſten Geheimniſſe einer Dame ein⸗ Stimmen d geweiht worden war, die— ſo viel ſich Livia erin⸗ Gebüſche d nerte— die Tochter des Grafen Oldersloo ſein mußte. hohe Geſtal Der Graf hatte den Namen Georgia erwähnt, als italieniſce er von ſeiner Tochter ſprach, und der verzweifelnde von überdol nächtliche Ein ling hatte ſich eben über eine dame ein blaſſes beklagt, die d en Namen führte. Surierg Mit Zitter d Zagen erwartete Livia den trüb 4 Haltung n heraufdäm ſidenen konn, wat
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Noch we 5 4 Ruhe, als Livia ſich anzukleiden hegann. Wären ihr 3 ſo eben 10 am Tage vorher ihre eleganten Kleider von dem Maeſtro zum Geſchenk gemacht worden, hätte ſie ſich, 1 um ihm zu gefallen, ſchmücken dürfen, wie entzückt würde Livia geweſen ſein! Heute Morgen beſaß ſie


